Zhangjiajie: Zu Besuch in Pandora

Ein Angehöriger des Volks der Na’vi auf dem Film Avatar vor dem berühmten Glaslift von Zhangjiajie.

Was haben Pandora und Shangri-La gemeinsam? Richtig: Beides gibt es nicht. Zumindest im Prinzip nicht. Denn irgendwie liegt beides auch in China.  Diesen Eindrück könnte man gewinnen, wenn man dem chinesische Tourismusmarketing Glauben schenkt.

„Wenn du schönes Wasser sehen willst, gehst du nach Jiuzhaigou. Willst du schöne Berge sehen, musst du Zhangjiajie besuchen.“ Dies besagt eine alte chinesische Weisheit, die im Reich der Mitte scheinbar jedes Kind kennt.  Als ich vor zwei Jahren Jiuzhaigou besuchte, habe ich diese Worte immer wieder gehört und natürlich war ich neugierig auf die bizarre Bergwelt, die angeblich James Cameron als Vorlage gedient haben soll für den Planeten Pandora in seinem Kassenschlager Avatar.

Der Beilong-Lift ist der wohl höchste Glasfahrstuhl der Welt.

Avatar begegnet einem tatsächlich an jeder Ecke.  Zum Beispiel am Eingang des Beilong-Lifts, dem Fahrstuhl der hundert Drachen.  Dieser ist nach Angaben der Parkverwaltung der höchste Glaslift der Welt. In rund einer Minute kann er in seiner zweistöckigen Kabine rund 50 Gäste entlang der steilen Spitzfelsen 300 Meter in die Höhe transportieren.  Das ist ein ziemlich eindrückliches Unterfangen und die Sicht ist großartig. Allerdings war der Fahrstuhl  fast so vollgestopft wie die Pekinger U-Bahn und wer sich in der Masse nicht an einen Fensterplatz kämpfen kann, der sieht während der 60 Sekunden langen Fahrt fast nichts.

Beim Anstehen für den Glaslift muss man durch einen langen Gang, der links und rechts mit Leuchtreklamen gesäumt ist.  Dort sieht man die blauen Lebewesen des Planeten Pandora vor mehreren berühmten Felsen in Zhangjiajie. Auf einer Landkarte sind sogar die Halleluija-Berge eingezeichnet. Wer den Film gesehen hat, glaubt leicht, dass Zhangjiajie das Vorbild für den Film gewesen sein könnte. James Cameron bezeichnete allerdings das Huangshan-Gebirge in der Provinz Anhui als seine Inspirationsquelle.

Aussicht von einem der Berggipfel.

Wie dem auch sein mag, Avatar hat sich als ein großer Segen für die Kassen der Parkverwaltung herausgestellt. Der Film, der von einem Volk handelt, das von großen Bergbau-Unternehmen ausgebeutet wird, erinnerte viele Chinesen an ihr eigenes Leid in China und schlug fast etwas überraschend wie eine Bombe in die heimischen Kinos ein. Zhangjiajie konnte vom Image profitieren und sich zahlreichen Fans des Films als Reisedestination ins Gedächtnis rufen.

Ob das allerdings tatsächlich für den Park gut war, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Bereits jetzt sind die Eintrittspreise so hoch, dass offenbar viele Besucher versuchten, sich ins den Park reinzumogeln. Deswegen muss sich nun jeder, der in den Nationalpark will, mit einem Fingerabdruck identifizieren. Was mit den gesammelten Daten passiert, ist nicht klar.

Schlechte Sicht: Am ersten Tag war es leicht dunstig, am zweiten Tag waren die Berge überhaupt nicht mehr zu sehen.

Ohnehin liegt bei Zhangjiajie einiges im Argen. Auf einem der Gipfel soll am 1. Mai dieses Jahres ein Restaurant der Schnellimbiskette McDonalds aufgehen – nicht gerade der Inbegriff von der Art Nachhaltigkeit, die man in einem Naturschutzgebiet erwarten würde.

Inzwischen ist das unprofessionelle Management auch der UNESCO aufgefallen, die den Geopark bereits vor vielen  Jahren zum Weltnaturerbe erklärt hat. Im Januar 2013 kritisierte sie die Parkverwaltung wegen der „populärwissenschaftlichen und inadäquaten Vermittlung von geografischem Wissen“, wie ich kürzlich in einer chinesischen Zeitung las. Die Betreiber des Parks fürchten nun, dass sie die prestigeträchtige Mitgliedschaft bei den „Welt-Geoparks“ wieder verlieren könnten.

3 Responses to Zhangjiajie: Zu Besuch in Pandora

  1. Rolf Mann sagt:

    Toller Bericht. Danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Ich werde immer neidisch bei diesen Berichten. Gleichzeitig freue ich mich für den Autor, dass er sowas erleben durfte!

    Grüße vom Rolf

  2. china reise sagt:

    Wow, ein sehr guten Bericht fuer meine Heimat Hunan Provinz.

  3. […] krassen Kontrollen in Zhangjiajie habe ich bereits in einem anderen Artikel beschrieben: Sobald man dort den Park betritt, muss man […]

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