Yogyakarta: Die Endlosigkeit der letzten Destination

Erst nach drei Tagen konnte ich mich überwinden, den Tempel von Borobudur zu besichtigen.

Das Gefühl kennt wohl nur, wer schon einmal länger unterwegs war: Das Ende der Reise naht und schon eine Woche zuvor findet man, dass es sich nicht mehr lohnt, noch etwas anzusehen. So erging es mir in Yogyakarta. Rückblick auf eine systematische Langeweile.

Ich glaube, ich hatte in Yogya so was wie einen Reisekoller: Ich hatte ganz einfach keine Lust mehr, etwas anzusehen, neue Leute kennenzulernen, an einen weiteren Ort zu reisen. Wieso? Zum einen sicherlich, weil Reisen in Indonesien etwas beschwerlich ist, wie ich bereits in diesem Artikel hier beschrieben habe. Wichtiger war jedoch, dass mir alles irgendwie sinnlos erschien: Tempel? Schon gesehen! Palast? Gähn… Strand? War ich doch auch schon!  Solche Gefühle habe ich am Ende jeder Reise. Wenn es nur noch ein paar Tage bis zum Rückflug dauert, dann mag ich nichts Neues mehr anfangen. Das ist eigentlich absurd, da es viele Leute gibt, die für ihre ganze Reise kaum mehr Zeit haben als das, was ich als Ende empfinde.

Ich quartierte mich also im EDU Hostel ein – ein Ort, wo ich alles fand, was ich brauche, um in paar Tage lang glücklich zu sein: eine vernünftige Internetverbindung, um meine Blogs auf den neusten Stand zu bringen, ein paar Läden und Restaurants, wo ich mich versorgen kann, und ein nettes Dormitory, wo ich mich mit anderen Reisenden austauschen konnte.

Mein gemütliches Dorm im Edu Hostel in Yogyakarta.

Ich wusste: Die meisten Touristen verbringen zwischen zwei und drei Tage in der gemütlichen Stadt auf Zentraljava. Mehr gab es hier ganz einfach nicht zu sehen. Und ich hatte sehr viel mehr Zeit. So blieb zunächst einmal zwei Tage lang in den sauberen und herrlich klimatisierten Räumen, schwatzte mit anderen Touristen und schrieb Texte.

Sightseeing

Als ich dann endlich das Hostel verließ, konnte ich eine freundliche Stadt kennenlernen, die mir recht gut gefiel. Sehenswürdigkeiten im eigentlichen Sinn gibt es nur wenige und auch diese sind lediglich mittelmässig. Aber mir gefiel es, dass ich hier unbehelligt durch die Stadt spazieren konnte und anschliessend mit einem bequemen Stadtbus nach hause fahren konnte. Es gefiel mir, dass ich trotz Ramadan an allen Ecken leckere Speisen finden konnte.

Der Wasserpalast von Yogyakarta: Privates Bad eines früheren Sultans.

Im Zentrum von Yogyakarta befindet sich ein alter Palast. Obwohl er ein Paradebeispiel für die traditionelle Architektur sein sollte, hat er mich überhaupt nicht berührt. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Exponate in keiner Weise erklärt wurden. In einem Raum waren Beispielsweise Fotografien ausgestellt, die der Sultan selber gemacht hat. Doch was daran außergewöhnlich sein soll, erschließt sich genau so wenig wie der Sinn der Fotografie-Ratgeber im nächsten Regal. Lustig fand ich allerdings, dass der Sultan selber auf einem Portrait aussieht wie Mr. Spock vom Raumschiff Enterprice.

Mr. Spock begrüsst die Gäste im Kraton, dem Palast von Yogyakarta.

Etwas besser gefiel mir der nahegelegene Wasserpalast (Taman Sari), eine Art privates Planschbecken eines früheren Sultans. Der Wasserbereich ist nach einer Restauration wieder in einem recht ansehnlichen Zustand, doch der Hauptbereich des Palasts ist eine große Ruine. Besonders gut gefiel mir, dass man einfach durchs Quartier spazieren kann und dabei immer wieder auf alte Mauern des Palasts stößt. Für Besucher heißt das übrigens auch: Wer nicht den Haupteingang nutzt, muss keinen Eintritt bezahlen.

Borobudur

Apropos Eintritt: Die Hauptsehenswürdigkeit der Region ist Borobudur. Während Einheimische drei Dollar zahlen, müssen wir Ausländer 20 Dollar  berappen. Wem das zu teuer ist, kann beim Eingang rechts dem Zaun entlang gehen. Nach ein paar hundert Metern gibt es Lücken in der Absperrung, durch welche die lokalen Verkäufer aufs Gelände gelangen. Ich habe dies allerdings erst gesehen, als ich bereits drin war.

Normalerweise besucht man Borobudur in den frühen Morgenstunden – am besten, um den Sonnenaufgang zu sehen (dazu braucht es ein noch teureres Ticket). Dazu sollte man allerdings am besten am Ort übernachten. Ich bin um 5.30 Uhr aufgestanden und hab das Hotel ziemlich rasch verlassen, doch bis ich mit dem öffentlichen Bus beim nur 30 Kilometer entfernten Tempel ankam, war das Licht bereits nicht mehr toll. Alternativ lässt sich die Anlage natürlich auch bei Sonnenuntergang besuchen.

Borobudur besticht durch seine feinen Reliefs und einige Skulpturen. Insgesamt hat mich der Tempel jedoch nicht sonderlich begeistern können.

Ich hatte eigentlich große Erwartungen an Borobudur. Schließlich wird der Tempel immer mal wieder im gleichen Atemzug genannt wie Angkor Wat oder Bagan. Ob das aus wissenschaftlicher Sicht Sinn ergibt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Optisch spielt Borobudur aber in einer anderen Liga, alleine schon wegen seiner Größe. Sowohl in Kambodscha wie auch in Myanmar handelt es sich um gewaltige Tempelanlagen, die man tagelang erkunden kann. In Borobudur gibt es nur einen einzigen Tempel, den man in einer halben Stunde abgeklappert hat.

One Response to Yogyakarta: Die Endlosigkeit der letzten Destination

  1. Schagglin sagt:

    Hallo und danke für deine Seite.
    Seeeehr spannend. In 4Wochen werden wir mit unseren Mädchen nach Indonesien (java) reisen. Geplant ist einen Monat. Wir sind „neue“ Reisende mit einem noch sehr kleinen Blog und offen für alle Anregungen.
    Liebe Grüsse aus dem Berneroberland Schagglin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Behalte mich mit Facebook im Augeschliessen
Powered by LikeJS
oeffnen
Dies ist der Footer Code