Von Kandy nach Ella: Im Ratterzug durch die Teeplantagen

Eine ganz klassische Fahrkarte, die noch auf Karton gedruckt wird.

Langsam zieht die Landschaft vorbei. In der Ferne kommt ein Schild in Sicht. Ich kann es nicht lesen, bis es nach  rund einer Minute neben meinem Fenster wieder auftaucht. Auf dem weißen Blech steht die zugelassene Höchstgeschwindigkeit für den Zug von Colombo nach Badulla: 15 Stundenkilometer. Nachdem ich zwei genüssliche Tage in Kandy verbrachte (die meiste Zeit verbrachte ich damit, im Pink Guesthouse mit anderen Touristen zu plaudern und das leckere Essen der Familie, welche die Unterkunft besitzt, zu versuchen) war ich in den Zug nach Ella eingestiegen.

Im Zug zwischen zwei Waggons

Die Waggons sind rappelvoll mit Menschen, dennoch gelingt es den Samosa- und Daalverkäufern, sich problemlos durch die Menge zu bewegen. Ich hatte eine Fahrkarte für die zweite Klasse gekauft, hatte aber erst viel später festgestellt, dass ich in einen Wagen der dritten Klasse gestiegen bin.

Die Leute sind gesprächig. Woher ich komme, wollen sie wissen. Etwas überrascht war ich, dass ausnahmslos jeder Gesprächspartner dafür interessierte, wie viele Tage ich in Sri Lanka verbringe.

Vom Fenster aus kann ich den Fahrplan sehen, der in jedem Bahnhof mit großen Lettern ausgehängt ist. Dies erlaubt mir mitzuverfolgen, wie sich die Verspätung bei jeder Station ein bisschen vergrößert. In Nanu Oya müssen wir besonders lange warten, um hier den auf der eingleisigen Strecke entgegen kommenden Zug zu kreuzen. Relativ spontan entschließe ich mich auszusteigen und das nahe gelegene Nuwara Eliya zu besuchen.

Die britischen Kolonialherren haben in Nuwara Eliya zahlreiche Häuser hinterlassen

Nuwara Eliya ist ein etwas bizarrer Ort, der auf rund 1800 Metern liegt. Ein echtes Stadtzentrum gibt es nicht. Dieses bilden viel mehr ein Golfplatz und eine Pferderennbahn, die eingebettet sind zwischen Teeplantagen und gelegentlichen Häusern im englischen Stil.

Die früheren Kolonialherren waren einst in die luftigen Höhen von Nuwara Eliya gekommen, um der Hitze zu entkommen. Sehr viel gibt es hier aber nicht zu sehen, so dass ich am nächsten Morgen mit dem nächsten Zug gleich weiterfahre in Richtung Haputale.

Ein Abteil der zweiten Klasse im Zug von Nanu Oya nach Haputale.

Diesmal stieg ich tatsächlich in einen Zug der 2. Klasse ein. Der Wagen unterschiedlich sich kaum von der dritten Klasse – mit der Ausnahme, dass auf einer Bank nur zwei Personen statt drei saßen.

Das Rattern und Schütteln ist das gleiche. Der einzige Unterschied: Ich finde keinen Sitzplatz. Also mache ich es so wie die Einheimischen: Ich setze mich an die geöffnete Tür und lasse die Landschaft mit den mit Teestauden bepflanzten Hügeln an mir vorbeiziehen.

Ich hatte ursprünglich eine Fahrkarte nach Haputale gekauft und mich dann doch entschieden, bis nach Ella (rund 15 Kilometer beziehungsweise rund eine Stunde) weiterzufahren. Als ich aus dem Bahnhof gehe, will ein Bahnbeamter meine Fahrkarte sehen.  „Die ist aber nur bis nach Haputale und du bist bis nach Ella gefahren“, sagt er. Ich wackle wie die Einheimischen mit dem Kopf, was in der Regel eine Geste ist, die alles Mögliche zwischen Ja und Nein bedeuten kann.  Der Beamte schaut mich eine Weile skeptisch an und fragt dann: „Aus welchen Land kommst du?“ – „Aus der Schweiz.“ Er schaut noch einmal skeptisch an und meint dann lächelnd: „Es ist okay.“

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