Udaipur: in den Fußstapfen von James Bond

 

Vor einem der Zenotaphen in der Nähe von Udaipur.

Der Eingang zum Stadtpalast von Udaipur

Mike hatte uns auf der Straße angesprochen. Der Inder, der sich einen modischen englischen Namen gab, hat sein kleines Haus in ein Hotel mit drei Zimmern umgebaut. Es gab sogar den Blick frei auf den Pichola-See, dazu musste man allerdings auf die Dachterrasse klettern und auf die Zehen stehen, um das Gewässer zwischen zwei Häusern zu erahnen.

Trotzdem war die Unterkunft sehr nett. Es gab keine Rezeption, weshalb uns Mike die Miete für die erste Nacht gleich abknüpfte. „Wenn ihr weggeht, legt ihr einfach den Schlüssel auf den Tisch und hinterlässt eine Nachricht am Kühlschrank“, erklärte er. Dann zeigte er uns den Kühlschrank, der mit Getränken und Früchten gefüllt war. „Nehmt was ihr braucht und schreibt es auf die Liste.“ Eine derart lockere Art, mit Gästen umzugehen, hatte ich bisher erst in Malaysia erlebt.

Am nächsten Tag besuchten wir den Stadtpalast von Udaipur. Es soll sich dabei um einen der größten Paläste der Welt handeln. Allerdings ist der Komplex keine natürlich gewachsene Struktur, sondern vielmehr eine Ansammlung von Gebäuden, die von verschiedenen Maharanas gebaut wurden. Glücklicherweise behielten die unterschiedlichen Bauherren jedoch den Stil bei, so dass sich die Anlage heute zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfügt.

Innenhof im Stadtpalast von Udaipur

Bei der Tour durch den Palast, die locker mehrere Stunden in Anspruch nimmt, lässt sich dies auch ohne vertiefte Kenntnisse der indischen Geschichte leicht erkennen. Der älteste Teil des Palasts entstand im 16. Jahrhundert und der letzte etwa 300 Jahre später. Während also der eine Raja durch ein besonders großes Harem bestach, hatte ein modernerer Herrscher ein neuartiges WC. Nachfahren der früheren Herrscher sollen noch immer irgendwo im Palast hausen.

Plötlich fällt mir ein, wieso mir die Stadt bekannt vorkam. Der Palast und der See waren die Kulisse für den James Bond Film „Octopussy“. Hier versuchte Roger Moore in den 80er-Jahren einen afghanischen Bösewicht zu stellen und geriet dabei selber in eine brenzlige Lage. Ich hatte mir erst vor ein paar Jahren von einem Freund (an dieser Stelle noch einmal Danke, Claudio)  die James-Bond-Schatztruhe ausgeliehen und dann auch die meisten Filme im Verlaufe der Zeit geschaut. An die Handlung des Streifens konnte ich mich aber so gut wie gar nicht mehr erinnern. Ich war erstaunt, dass man in Udaipur nirgendwo James Bond Souvenirs findet. Auch fast 30 Jahre nach dem Erscheinen des Filmes hätte ich das erwartet.

Unser Essen nach dem Fausthieb.

Udaipur ist eine ziemlich entspannende Stadt. Man kann relativ unbelästigt durch die zahlreichen engen Gassen rund um den Stadtpalast schlendern, einige der endlosen Havelis besuchen oder in den zahlreichen Restaurants die indische Küche probieren. An einem Morgen kamen wir an einem kleinen Stand vorbei, vor dem zahlreiche Leute auf das Essen warteten. Es musste also etwas leckeres sein, das die ganze Familie gemeinsam herstellte: Ein alter Mann knetete den Teig auf der Straße, diesen gab er dann einem jüngeren Mann der eine Pasta in den Teig reinknetete. Das ganze wurde anschließend frittiert. Wir setzten uns also an einen Tisch und bestellten zwei solche Teigtaschen. Ein Mann mit einer weißen Schürze brachte sie uns, ballte dann die Faust und schlug mit einiger Wucht auf unser Essen. Dann stellte er das Ganze auf den Tisch als wäre nichts gewesen. Aus der aufgebrochenen Kruste dampfte es.

Der Park "Sahelion Ki Badi" bietet hervorragende Fotomöglichkeiten.

Ich habe bereits zuvor auf das etwas verkrampfte Verhältnis der Geschlechter hingewiesen. Es scheint so, als wüssten junge Inder nicht, wie man mit einer Frau flirtet. Dies ist auch kein Wunder, denn die indischen Mädchen sind bis zur Ehe wohl behütet bei ihren Familien – und danach ebenfalls. Man sieht selten Pärchen Hand in Hand durch die Strassen ziehen oder gar sich küssen. Umso erstaunter war ich, dass ich im Sahelion Ki Badi, einem Park der notabene übersetzt auch gleich noch „Garten der Jungfrauen“ heisst, gleich zwei Paare unter den Büschen knutschen sah. Seis ihnen gegönnt! Die schön angelegte Parkanlage ist bestimmt nicht der schlechteste Ort, um jemanden seine Zuneigung zu zeigen.

Letztlich ist Udaipur mit seinen vielen Cafés einfach ein guter Ort, um ein bisschen zu entspannen...

Am nächsten Tag machten wir uns bei 45 Grad im Schatten nach Ahar auf. Dies ist eine kleine Vorstadt von Udaipur, die für ein Feld voller Zenotaphen und ein angehängtes Museum bekannt ist. Für die welche nicht wissen, was das ist: Ein Zenotaph ist ein leeres Grabmal für Menschen, die anderswo gestorben sind. Nachdem wir mit dem Taxi angekommen waren, standen wir vor einer verschlossenen Tür. Heute war irgendein Feiertag, weswegen die Stätte geschlossen war. Da es unser letzter Tag war und ich die Gebäude hatte ich schon noch gerne gesehen. Also begann ich mit dem Wächter zu diskutieren. Es half alles nichts, bis ich vorschlug, dass ich ihm das Eintrittsgeld einfach so anvertraue und er es morgen für mich an der Kasse abgibt. Er verlangte noch einen kleinen „Sonntagsaufschlag“, dann waren wir handelseinig.

 

 

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