Trekking von Kalaw zum Inle-See: Der endlose Spaziergang

Auf dem Trek kamen uns immer wieder Ochsenkarren entgegen.

Die dreitägige Wanderung von Kalaw zum Inle-See führt durch zahlreiche Minderheitendörfer und wunderschöne Berglandschaften. Kein Wunder, dass sie zu einer der beliebtesten Trekkingstrecken in Myanmar geworden ist. Doch was als „kultureller Spaziergang“ angekündigt worden ist, entpuppte sich als ein recht ermüdender Dauerlauf.

Auf der Wanderung kamen wir bei zahlreichen ethnischen Minderheiten vorbei.

Bereits am Anfang des Treks stand eine kleine Lüge: Der bärtige Harry Singh vom Golden Flower Guesthouse, der stets einen Turban trägt und mit überbetont leiser Stimme spricht, war am Vortag als Reiseführer vorgestellt worden. Sobald wir bezahlt hatten, stellte sich indes heraus, dass wir einen anderen Führer hatten: Ein junger Bursche von 25 Jahren, der kaum ein Wort Englisch sprach und dessen Namen ich leider nie verstand.

Mit von der Partie war auch Pol, ein 18-Jähriger, der sich zum Trekkingführer ausbilden lässt. Das funktioniert in Myanmar auf folgende Weise: Zwei Monate lang muss er jede Woche auf die dreitägige Wanderung mitkommen, bis er den Weg auswenig kennt. Dies ist die ausschliessliche Qualifikation, die er braucht, um eine eigene Gruppe führen zu dürfen. Die zweimonatige Ausbildung sei für ihn eine Chance, später genügend Geld zu verdienen, um weiterstudieren zu können, verrät er. Doch bis er seine erste eigene Gruppe bekommt, sieht er keinen müden Kyat. “Behaltet es aber für euch, dass ich hier keinen Lohn bekommen”, bittet er. Andernfalls würde er vor dem anderem Reiseführer und dem Koch das Geschicht verlieren.

Immer wieder hat es mich überrascht, so viele rauschende Omas zu sehen. Die Frau im Bild ist 85 Jahre alt.

Die Wanderung selbst lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen. Drei Tage lang wanderten wir durch eine Landschaft, die zwar durchaus reizvoll war, sich aber nach ein paar Stunden ständig wiederholte. Insgesamt sieben Dörfer durchschritten wir in den drei Tagen. Doch in keinem blieben wir mehr als ein paar Minuten. Eine Interaktion fand kaum statt, wenn man einmal die Kommunikation mittels des Teleobjektivs ausser Acht lässt. Nur einmal besuchten wir eine Schule, wo uns die Kinder in der lokalen Sprache Bruder Jakob vorsangen und uns dann mit den einstudierten Phrasen wie „How ol‘ a‘ you?“ und „You a‘ beaufifuul“ bombardierten. Das war dann auch so etwas wie das Highlight der Wanderung.

Eher bizarr war die Übernachtung in einem abgelegenen Kloster. In der Haupthalle waren Trennwände aufgestellt worden, damit sich die einzelnen Reisegruppen gegenseitig nicht zu sehr stören. Während der Hauptreisesaison kann es im Kloster jeweils ziemlich voll werden. An diesem regnerischen Tag am Anfang Oktober waren nur zwei andere Gruppen im Kloster.

Unsere Reisegruppe musste zahlreiche Reisfelder durchqueren.

Am nächsten Morgen, nachdem uns der Gesang der Kindermönche schon gegen 5.30 Uhr aus dem Schlaf gerissen hatte, wollte uns der Abt des Klosters noch kurz sehen. Er ist ein älterer Mann, dessen rechter Arm gelähmt ist.

Wir müssen uns vor ihm hinsetzen. Während er unentwegt seinen lahmen Arm reibt, will er von jedem von uns wissen, woher wir kommen. Anschliessend gibt er eine Schüssel herum, in die wir eine kleine Spende geben sollen. Interessant war, wie er uns daraufhin den Segen erteilte: Jeder von uns musste die mit Geld gefüllte Schüssel mit dem Finger berühren, während der Abt ein Gebet sprach.

Boote sind auf dem und um den Inle-See die einzige Fortbewegungsmöglichkeit. Wir hatten allerdings eines mit Motor.

Wir machen uns auf den Weg, um den letzten Streckenabschnitt zum Inle See zurückzulegen. Nachdem wir gestern von einem plötzlichen Regen überrascht worden waren, schien heute die Sonne. Meine Beine schmerzten bei den ersten Schritten so sehr, dass ich nur noch humpeln konnte. Doch bald schon waren meine müden Muskeln wieder geschmeidig. Bereits gegen Mittag kamen wir beim Inle-See an. Nach der achtstündigen Wanderung vom Vortag war es angenehm, für einmal etwas weniger lang unterwegs sein zu müssen.


One Response to Trekking von Kalaw zum Inle-See: Der endlose Spaziergang

  1. […] kann. Weil mir das persönlich wichtig ist, habe ich in einem lokalen Reisebüro in Kalaw ein dreitägiges Trekking zum Inle See gebucht. Es hieß, wir würden durch mehrere abgelegene Minderheitendörfer wandern. Für mich war […]

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