Togean Islands: Die Crux mit den Paradiesen

Strand von Kadidiri: Diese Ansicht durfte ich eine Woche lang geniessen.

Es braucht einen festen Willen, um zu den Togischen Inseln zu gelangen und einen noch festeren, sie wieder zu verlassen, so stand es in meinem Reiseführer.  Auch ich konnte mich der Mischung aus insularer Gemächlichkeit und schlechter Infrastruktur nicht entziehen und blieb länger als geplant.

Kadidiri ist der logische Anlaufpunkt, wenn man – wie ich – von Gorontalo anreist: der kurze Sandstrand liegt einfach am nächsten.  Nach dem zwölfstündigen Trip mit der Nachtfähre, haben die wenigsten Lust, noch weit zu reisen. Auch ich nicht. Zwar war die Überfahrt ausgesprochen ruhig, aber auf den auseinanderfallenden Stühlen in der „Bisnis Klas“ konnte ich kaum Schlaf finden.

Kadidiri ist auf den ersten Blick nichts Besonders.  Der Strand ist schmal und nur gerade ein paar hundert Meter lang. Aber er hat eine grandiose Besonderheit: Man muss nur ein paar Schritte ins Wasser gehen und schon steht man vor einem Korallenriff. Selbst Nichtschwimmer könnten sich hier einfach mit einer Tauchbrille ins Wasser setzen und dem bunten Treiben im Korallenriff zusehen.

Sonnenuntergang vor meinem Bungalow.

Nach einem Tag habe ich jedoch das Riff in alle Richtungen abgeschnorchelt und schon bald kommt ein leichtes Gefühl des Gefangen-seins auf. Die einzige Möglichkeit, zu Fuss etwas anderes als sein eigenes Resort zu sehen, besteht darin, in die beiden benachbarten Resorts zu spazieren. Für alles war darüber hinaus geht, braucht es ein Boot. Tatsächlich bietet jedes Resort zahlreiche Touren an, doch braucht es für sie jeweils mindestens sechs Personen – eine Zahl, die sich angesichts der Tatsache, dass sich in meinem Resort nur noch zwei andere Gäste befinden, nicht sehr leicht erreichen lässt.

Für mich war es in Ordnung nicht so viel zu unternehmen. Es tat mir gut, ein paar Tage auf der Veranda meines Bungalows zu sitzen und mich von der hohen psychischen Belastung von meinem letzten Job zu erholen, wo meine direkte Vorgesetzte (!) die letzten Monate meiner Arbeitszeit nicht mehr mit mir redete. Ich spürte richtig, wie mein Körper positiv auf das gesunde Essen und die angenehmen Mitmenschen reagierte.  Ich fühlte mich wieder wie vor 15 Jahren, als ich in Südamerika zu reisen angefangen hatte.

Schwimmen mit Quallen

Nach ein paar Tagen kam doch eine Gruppe von neun Leuten zusammen, die Lust hatte, im nahegelegenen Jelly-Fish-Lake zu schnorcheln.  Das ist ein kleiner Salzwassersee, der lediglich durch eine rund fünf Meter breite Felswand vom Meer abgetrennt ist. Im trüben Gewässer haben die Quallen keine natürlichen Feinde und können sich bestens vermehren. Die Schlabbertiere sind in der Regel etwa so groß wie ein Handteller und verfügen über kein Gift.

Ein angeblich giftiger Krebs.

Wir steigen ins warme Wasser und schwimmen in die Mitte des Sees. Plötzlich überkommt mich das Gefühl, mich in einem Computerspiel zu befinden: Im trüben Wasser tauchen die Quallen erst auf, wenn man schon fast in sie geschwommen ist.  Ich beginne schneller zu schwimmen und den Tieren jeweils im letzten Augenblick auszuweichen. Meine Schwester hatte früher auf ihrem Nintendo ein Autorennen, bei dem es ebenfalls galt, den herumstehenden Objekten auszuweichen.

Bissige Fische auf der Geisterinsel

Am kommenden Tag fragt mich eine Angestellte vom Resort, ob ich Lust habe, mit dem Boot auf eine andere Insel überzusetzen. „Dort gibt es ebenfalls tolle Möglichkeiten zum Schnorcheln“, erklärt sie. Gemeinsam mit dem Franzosen Carlos legen wir die kurze Strecke zurück.

Zerfallene Bungalows auf der Insel Taipi.

Auf der Insel gibt es ein zerfallenes Resort.  Das finde ich natürlich spannender als die Unterwasserwelt. „Die Insel gehört einem Chinesen“, erklärt die Fischerin und zeigt auf ein Schild, auf dem sich der Name Taipi Resort erkennen lässt. Ob das wohl die lokale Schreibweise ist für die Hauptstadt von Taiwan?

„Er macht das Hotel immer nur während der Hochsaison im Juli und August auf.“ Bei einigen Bungalows ist bereits das Dach eingestürzt. Dass das alles nur in einem Jahr kaputt gegangen sein soll, kann ich mir nicht vorstellen. „Nach der Saison haben alle Mitarbeiter die Insel verlassen. Als der Besitzer vor ein paar Monaten wieder kam, musste er feststellen, dass alles fehlte: Die Küche war leer. Die Betten waren verschwunden“, erklärte die braungebrannte Frau weiter. Nun sei nicht klar, ob das Resort jemals wieder aufgehen werde.

Nun mache ich mich auf, die Korallen zu erkunden. Doch es ist gar nicht leicht, diese zu erreichen. Denn kaum bin ich ein paar Meter im Wasser, erscheint vor mir vielleicht zehn Zentimeter langer Fisch mit rosa Streifen.  Er schaut mich trotzig an. Seine ganze Mimik sagt: „Das ist mein Meer! Hau bloß ab!“

So siehts im Innern der Fähre von Ampana zu den Togean Islands aus.

Vor dem kleinen Fisch habe ich natürlich keine Angst. Doch als ich ihm näher komme, schießt er mir plötzlich ins Gesicht.  Erschrocken stehe ich auf und sehe ein paar Meter neben mir Carlos aus dem Wasser rennen.  Im gleichen Augenblick weiß auch ich, wieso der kräftige Franzose im Wasser strampelt: Der wütende Fisch biss auch mich ins Bein.

One Response to Togean Islands: Die Crux mit den Paradiesen

  1. Dominik sagt:

    Haha, das hört sich nach einem Triggerfish an! Die können recht agressiv werden wenn sie ihr Revier verteidigen.

    Gruss
    Dominik

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