Taman Negara: Ausser Echse nichts gewesen

 

Der Canopy Walk führt auf rund 40 Metern Höhe durch die Wipfel des Urwalds im Taman Negara

Es herrschte Hektik in Taman Negara. „Check-in?“, fragt Joe, der Guesthouse-Besitzer, eine kleine Holzhütte mit drei kleinen Massenschlafsälen. „Sucht euch einfach zwei Betten aus und sagt mir später, wo ihr seid.“ Der Grund für die Hektik: Ein Tourist war im Urwald verschwunden. Vor drei Tagen war der junge Mann alleine aufgebrochen und bis jetzt immer nicht zurückgekommen. Nun wollte der Besitzer des Guesthouses, in dem wir unterkamen, einen Suchtrupp zusammenstellen. Mit anderen Leuten aus dem Dorf werden sie den Wald  durchkämen und systematisch nach dem Vermissten suchen.

Kleine Flüsschen wie dieser durchziehen den Nationalpark.

Kein leichtes Unterfangen, denn der Nationalpark von Malaysia, der 1938/1939 noch während der britischen Kolonialherrschaft ausgewiesen worden, erstreckt sich über drei Staaten (Pahang, Kelantan und Terengganu) und hat eine Fläche von etwa 4343 Quadratkilometer – das ist ein bisschen weniger als die Fläche des Kanton Wallis (oder für die deutschen Leser: etwa ein Zehntel von Niedersachen). Jedes Jahr verirren sich etwa 20 Leute auf den Waldwegen. In fast allen Fällen werden die Besucher unbeschadet wieder gefunden. „Außerhalb der Hauptwege gibt es wenige Schilder. Da kann man sich leicht verlaufen“, erklärt Joe und schon ist er weg.

Wir haben nur wenig Zeit, weil der Weiterflug bereits feststeht und Wang als Chinesin bei der Einreise nur ein Visum für maximal 14 Tage bekommen hatte. Also setzen wir gleich mit dem Boot über den Sungai Tembeling. Der Fluss stellt die Grenze dar zwischen der Ortschaft Kuala Tahan und dem Wald.

Boote sind im Nationalpark das wichtigste Verkehrsmittel

Es ist schon etwas spät, aber wir wollen heute noch unbedingt den Canopy Walkway besuchen. Die wackeligen Hängebrücken dieses Walkways führen auf unterschiedlicher Höhe durch die Wipfel des Urwalds. Als wir beim Eingang ankommen, will der Angestellte gerade die Zugangstüre zuschließen, lässt und aber dennoch noch rein und schließt hinter uns zu. Auf rund 30 bis 40 Meter entsteht eine vollkommen andere Perspektive. Genießen können wir die Aussicht jedoch nicht. Der Angestellte war uns auf den Walkway gefolgt und stand nun, immer mit dem Schlüssel klimpernd, hinter uns.

Im Reservat kommen zahlreiche Großtierarten, wie der Asiatische Elefant, der Panther, Wildschweine, Hirsche und Affen vor. Darunter sind auch vom Aussterben bedrohte Tiere wie der Malaysia-Tiger, der Schabrackentapir und das Sumatra-Nashorn. Doch hat man außergewöhnliches Glück, wenn man eine dieser Tierarten sichtet. Wir sehen nichts davon. Eine etwa 50 Zentimeter lange Echse, die vor uns den Weg überquert, ist das größte der Gefühle. Ansonsten gab es vor allem zahlreiche Insekten und Schmetterlinge.Dabei hatten wir uns alle erdenkliche Mühe gegeben. Wir kletterten Beispielsweise auf einen Hochsitz vor einer Stelle, wo die Tiere Salz lecken können. Nach einer halben Stunde sahen wir ein Huhn, nach einer Stunde schlug Wang vor, dass wir ja Karten spielen können, bis eines der Tiere kommt. Hier ist eine kleine Bildergalerie von dem, was zu vor die Linse kam.

Gleich am ersten Tag hatte ich bemerkt, dass ich den Urwald nicht mit meinen Flipflops besuchen kann. Meine Wanderschuhe waren mir ja vor ein paar Tagen in Indien auf dem Weg nach Varanasi im Nachtbus gestohlen worden. (Davon habe ich in meinem Eintrag zu Varanasi berichtet.) In einem kleinen Supermarkt am Ufer des Flusses fand ich für nur neun Ringit den perfekten Ersatz: Plastikhalbschuhe mit Stolen. Sie gaben auf dem schlammigen Boden im Park guten Halt, waren leicht zu waschen und außerdem überraschend angenehm zu tragen. Leider begannen nach rund zwei Wochen die Stollen abzubrechen und ich musste die Schuhe nach einer Weile wegwerfen.

Meine neuen "Wanderschuhe". Im Hintergrund der Fluss Sungai Tembeling.

Da wir mit dem Bus ins Dorf gefahren waren, wollten wir dies auf dem Rückweg mit einem Langboot machen. Da die meisten Touristen aus einem mir nicht erklärlichen Grund mit dem Boot in, nicht aber aus dem Nationalpark heraus, fahren, war das Gefährt vollkommen leer. Eine entspannend lockere Reise entlang des Flusses folgte.

Kurz vor der Abreise war auch Joe wieder zurück. Den Touristen, den haben sie gefunden.

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