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Japanische Höflichkeiten und verkappte Kriegsveteranen

Liebe Leute,

ich weiß, dass es die meisten Leute nicht sehr schätzen, auf groß angelegten Mailinglisten zu landen. Trotzdem erlaube ich mir, Euch wieder von meinen Reisen zu berichten, zumal ich bereits Zuschriften bekommen habe und gefragt wurde, wo denn meine Berichte blieben. Hier kommt also der erste. Da ich jedoch niemanden vollmüllen möchte, steht es natürlich jedem offen, sich wieder vom Verteiler wegnehmen zu lassen. Hier also mein erstes Mail:

Wiedersehen mit Mio

„Bitte halten Sie Ihre Papiere bereit“, steht in bunten digitalen Lettern groß über der Immigrationbox. Dann folgen ein paar schöne Kanjis (chinesische Schriftzeichen), die mich sogleich frustrieren. Habe ich nun doch ein Jahr lang die Sprache gelehrt und verstehe noch immer nicht, ob ich nun meinen neuen, bunten Pass dem Beamten entgegenstrecken muss oder ob ich irgendwo die so genannte Alien Registration Card (die übrigens wegen ihrer durchaus dubiosen Namensgebung vor allem bei Langzeitaufenthaltern oft als rassistisch empfunden wird) suchen gehen und ausfüllen muss. Schließlich stellt sich heraus, dass ich bloß ein kurzes Papier ausfüllen muss. Die dubiose Karte scheint abgeschafft worden zu sein, wenngleich mir Einwanderungsbehörde noch immer sehr xenophob vorkommt. Der Beamte schaut auf meinen Laptop und fragt, ob ich einen Businesstrip mache. Die Antwort, dass ich Tourist sei, hatte er wohl kaum erwartet. Er ließ mich trotzdem passieren, stempelte mir aber nicht die gewünschte Maximalaufenthaltsdauer in den Pass. Danach werde ich abgetastet, ob ich nicht Waffen aus dem Flugzeug (!) nach Japan schmuggle…

Motorisierte Normen und parkierende Rundreisen

Liebe Freunde,

langsam ist es wieder an der Zeit, mich wieder einmal aus dem verregneten Japan zu melden. Ich befinde mich nun nach einer längeren Rundreise wieder in Tokyo.

Schloss von Matsuyama

Vor einer Woche sind wir mit Mios Auto losgefahren. Zuerst durch Nagano, dann auf die schöne Nato-Halbinsel und schließlich wieder zurück. Wir genossen die Freiheit der Strasse, um es ein bisschen pathetisch auszudrücken. Ich genoss die schöne Landschaft und die Möglichkeit an jedem Ort in dem kleinen Nissan Pao übernachten zu können, während es Mio eher danach drängte, alles aus den 997ccm rauszuholen. Zugegen, diese beiden Arten der Freiheiten stehen durchaus ein bisschen im Widerspruch zu einander. Entsprechend sah ich stellenweise doch eher wenig von der Gegend, wenn Mio mit hundert Sachen durch die 40er Zone bretterne. Das klingt nun zwar recht kriminell, ist aber nicht wirklich gefährlich (außer dass die hohen Geldstrafen einen finanziell ruinieren können), da in Japan die Geschwindigkeitsbegrenzungen lächerlich niedrig sind. Überland mit 40 auf großen breiten Strassen ist wirklich nicht realistisch… Nunja, wir wollen uns hier weder weiter mit unseren Verkehrssünden befassen, noch eine Abhandlung über das japanische Verkehrsverhalten halten; wenngleich mir gewisse Dinge auch hier sehr erwähnenswert erscheinen, da sie nicht nur bloß über die Straßenverhältnisse berichten, sondern einen tieferen Einblick in meine ersten Eindrücke in die „japanische Volksseele“ erlauben. Ich erlaube mir daher verschiedene Beispiele zu erzählen, um daraus hinaus eine Essenz bilden zu können.

Hustenfreie Kreuzfahrten und klimatisierte Shaolinkämpfer

Geneigte Leser,

Mit dem Schiff von Koba nach Shanghai

in meinem letzten Mail habe ich Euch eine gewisse Überraschung versprochen. Hier habt ihr sie nun: nach dem letzten Mail habe ich den Nachtbus nach Kobe genommen und bin von dort mit der Fähre nach Shanghai gefahren. Ich muss gestehen, dass die Fähre viel besser war als ich es mir vorgestellt habe. Ich erwartete, dass ich auf dem Deck schlafen müsste, aber es gab nicht nur richtige Betten, sondern auch ein Restaurant (wie dumm, dass wir uns für die Dreitagesfahrt mit Instantnudeln eingedeckt haben!), ein Spielcasino und eigentlich auch alles andere, was man von „Traumschiff“ oder „Loveboat“ her kennt. Ich Habe mich allerdings in den drei Tagen zu Tode kartengespielt und weiß nun endgültig, dass Kreuzfahrten nicht das Richtige für mich sind.

Runzlige Geisterstädte und korrupte Schluchten

Liebe Alle,

Auf dem Jangtse in Richtung Sonnenuntergang..

Auf dem Jangtse in Richtung Sonnenuntergang..

ich habe im letzten Mail angetönt, dass ich auf dem Weg zur größten Baustelle Chinas sei. Diese habe ich nun hinter mir gebracht und bin nun bereits in Chengdu, der Hauptstadt des Landes der lächelnden Pandas.

Mit der größten Baustelle ist, wie wohl einige bereits ahnten, der umstrittene Drei-Schluchten-Damm gemeint. Dieser Damm, der in ein paar Jahren fertig sein soll, wird den Yang-Tse um 175m stauen und den weltweit größten Stausee bilden. Dass dabei einiges überschwemmt wird, ist klar. Man spricht davon, dass beinahe zwei Millionen Chinesen in den Gebieten wohnen, die bereits geflutet worden sind oder noch werden.

Mingwohnungen und historische Polizeiflaggen

Hallo zusammen,

immer wieder ist es erstaunlich, wie sehr sich Reisen über längere Zeit in klar trennbare Abschnitte unterteilen lassen. Noch erstaunlicher ist, wie oft solche Abschnitte in etwa mit meinen Massenmails übereinstimmen. Gewiss ist dies nicht bloß Zufall, doch manchmal liegt einer solchen (vermutlich unbewussten) Einteilung vielleicht eine tiefere Ahnung zu Grunde

Letztes Bild, bevor wir getrennte Wege gingen...

Letztes Bild, bevor wir getrennte Wege gingen...

Nun bin ich in einem neuen Reiseabschnitt, der damit begann, dass ich mich am Morgen, nach dem ich das letzte Mail losschickte, von Mio trennen musste. Ihr Weg führte sie nach Laos und Thailand und meiner zurück nach Peking und schließlich Korea, wo ich mich nun befinde.

Vom Chengdu, wo wir uns verabschiedeten, reiste ich zuerst nach Xi’an und von dort ziemlich direkt nach Pingyao weiter. Das ist eine kleine Stadt in der Nähe von Peking, die ich allen Chinareisenden sehr empfehle. Bisher hatte ich nämlich immer geglaubt, dass es im Han-China keine schönen Städte mehr gebe, weil die Han-Chinesen in ihrer unheilbaren Modernisierungswut alle alte Kultur zerstören (jaja, ich weiß, hier kommt der Historiker in mir zum Vorschein!). Aber nein, Pingyao ist tatsächlich eine vollständig erhaltene Stadt aus der Mingzeit. Und innerhalb der Stadtmauern gibt es kein einziges modernes Haus. Entsprechend wird die Stadt auch von Horden chinesischer Touristen heimgesucht und dient überdies auch immer wieder als Filmkulisse für die vielen historischen TV-Serien, die ständig auf den unzähligen Fernsehsendern Chinas flimmern.

Konturenlose Schönheitsoperationen und spontane Diffusitäten

Panorama von Seoul

Liebe Freunde,

dieses Mail liesse sich wieder ganz ähnlich beginnen, wie das letzte: mit einer Betrachtung über Abschnitte des Lebens oder des Reisens. Tatsächlich bin ich wieder in einer neuen Phase meiner Reise, die dann doch ein bisschen überraschend mit einem Rückflug nach Tokyo gekommen ist. Was ist geschehen? Korea (oder besser gesagt Seoul, denn über die Stadtgrenzen kam ich leider kaum je hinaus), von wo aus ich das letzte Mail geschrieben hat, gefiel mir zwar sehr gut. Doch irgendetwas fehlte.

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