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Vorwort zur Indienreise

Kaum ein Reiseführer oder Reisebericht, stellt das Land, das er thematisiert ,nicht als ein „Land der Gegensätze“ vor. Das stimmt zweifellos auch für den indischen Subkontinent mit seinen zahlreichen Ethnien und höchst unterschiedlichen Religionen. Dies führt dazu, dass viele Indienreisende starke Partikularinteressen haben. Auf meiner Reise sind mir Musiker begegnet, welche sich für die klassische indische Musik faszinieren, Entwicklungshelfer und Menschen, die hier eine Spiritualität suchen, die es in Europa nicht mehr gibt. Dazu kommt ein grosser Bulk an Weltenbummeler, die Indien wegen seiner günstigen Preise lieben. Auch ohne gross sparen zu wollen, habe auch ich kaum mehr als zehn Euro pro Tag auf dieser Reise ausgeben.

Wie es scheint, sind jedoch alle diese Menschen etwas schreibfaul, denn im Internet gibt es nur wenige Reiseblogs zu Indien. Auch ich habe in den letzten Jahren immer weniger über meine Reisen geschrieben. Deswegen nahm ich mir vor, die Reise sehr ausführlich zu dokumentieren, zumal es vielleicht für eine längere Zeit meine letzte grössere Reise sein wird. Nachdem ich meine Stelle in China gekündigt habe, will ich die Firma, die ich übernommen habe, in ein Journalismusbüro verwandeln.

Geplant habe ich in etwa die Route, die auf der untenstehenden Karte eingezeichnet ist. Fragen zur Reiseplanung und so weiter beantworte ich gerne im Indienforum:

Von Kalkutta nach Gangtok

Da war es wieder, das indische Chaos, welches man entweder liebt oder hasst. Ich war gerade erst zehn Minuten im Flughafenbus, als es weder vor noch zurückging.  Auf der anderen Fahrbahn stand ein noch rauchender, ausgebrannter Lokalbus; davor ein etwas alt aussehender Löschwagen, der unsere Fahrbahn blockierte. Nervöses Gehupe. Der Assistent steigt aus dem Bus aus und versucht den großen Bus am Feuerwehrwagen vorbeizudirigieren. Doch dies war zuvor schon deutlich schmaleren Fahrzeugen misslungen.

Der Flughafenbus war erstaunlich leer

Drei Stunden später komme ich in Sealdah an. Der Bahnhof von Kolkata, wie Kalkutta in der neuen Sprachregelung heißt, ist etwas in die Tage gekommen und für eine so große Stadt erstaunlich klein. Das gleiche ist mir zuvor schon beim Flughafen aufgefallen,. Ich gehe zum „Ticket Counter“ und frage nach einer Fahrkarte Richtung New Jalipuri. „Haben Sie denn eine Fahrkarte?“, fragt er mich. Ich bin etwas erstaunt und erkläre ihm, dass dies ja genau der Grund sei, weswegen ich zu ihm gekommen bin.  „Ah, Sie möchten also nach New Jalipuri?”, fragt er mit einem vielsagenden Lächeln. Ich nicke hoffnungsvoll. „Aber haben Sie denn ein Ticket?“, fragt er nochmals. Ich bedanke mich, gehe an einen anderen Schalter und denke mir: Die spinnen, die Inder!

Pelling: Die Stadt der Stromausfälle

Pelling

Nur am frühen Morgen konnte man die 8000 Meter hohen Berge sehen.

Dunkel und kalt: Dies war mein erster Eindruck von Pelling. Nachdem ich vier Stunden lang mich auf der Strasse von Gangtok über Gaysing hierher habe durchrütteln lassen, war es schon dunkel als ich ankam. Ich checkte im Hotel Geruda ein, einem der zwei Backpackerhotels, wie es in meinem Reiseführer hiess, und dem einzigen mit Dormitory. Doch bevor ich mich in meinem Hotel einchecken konnte, wurde es dunkel: Stromausfall. Dies wiederholte sich in so schöner Regelmässigkeit, dass ich mich während den folgenden drei Tagen nicht unter die Dusche wagte. Das Wasser war nämlich nur am Abend warm und früh am morgen warm. Ich stelle mir dann stets vor, wie ich unter der Dusche stehe und dann plötzlich das Licht ausgeht und ich im Dunkeln meine Kleider nicht finden kann.

Darjeeling: Im Reich der Teepflücker

Die Eisenbahnstation in Darjeeling

Ein kleiner Grenzübergang an einem Fluss. Wir müssen alle aus dem Jeep steigen und unsere Papiere vorweisen. Dann geht es eine Steile Strasse immer bergauf. Der Weg führt uns vorbei an kleinen Dörfern und immer wieder wieder gibt es Schilder, die auf den Wunsch nach einem „freien Gorkhaland“ hinweisen. Das Problem ist: Die Provinz Westbengalen ist ein langer Schlauch,  der im Süden von der Grossstadt Kalkutta dominiert wird. Um den Norden kümmert sich keiner. Finden hier viele. Deswegen sei man besser dran, wenn man nicht mehr mit dem selbstverliebten Kalkutta in einem Boot sitzt.

Kathmandu: Die Stadt der Tempel

Ausblick auf Katmandu

Es ist schon seltsam: Das bisherige Leben scheint bis zu einem gewissen Grad zu bestimmen, wen man in der Ferne kennenlernt.  So war das auch in Katmandu, wo ich in meinem Hotel im Stadtteil Boudha die Chinesin Lan aus Peking traf.  Die 30-Jährige arbeitet in der chinesischen Hauptstadt bei einer internationalen Werbeagentur und hat eine heimliche Leidenschaft: Sie verehrt den Dalai Lama. In China ist das bereits ein kleineres Verbrechen. Man darf zwar über ihn reden und unterschiedliche Standpunkte vertreten – aber wer den nach chinesischer Lesart bösartigen Separatisten ins Herz geschlossen hat, kann damit bei Freunden kaum punkten.

Boxenstop in Bandipur

Zerfallenes Gebäude im Zentrum von Bandipur

Kaum Beinfreiheit, endlose Kurven und Schlaglöcher in einem Tata: So gestalten sich in Nepal die Fahrten über weitere Distanzen. Die in ihrem sehr schön geschmückten Busse entschädigen mit ihrer Dekoration die Strapazen nur für eine kurze Zeit. Vielleicht werde ich langsam alt, aber  wenn immer sich eine Möglichkeit bietet, versuche ich inzwischen, längere Reise in zwei Teile zu zerlegen. Zwischen Kathmandu bietet das Dorf Bandipur eine solche Gelegenheit.

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