Blog Archives

Demonstratives Nierenversagen und wund gelegene Wahlkreise

Liebe Freunde,

nun bin ich schon seit einigen Tagen hier in Bangkok und habe genügend spannende Dinge erlebt, um schon ein erstes kurzes Mail zu schreiben.

Moloch Bangkok

Die Stimmung hier in Bangkok ist derzeit ein bisschen angespannt. Der Hintergrund sind die Wahlen, die morgen stattfinden. Der Thaksim, der Premier von Thailand hat vor ein paar Wochen das Parlament aufgelöst, da er nach einem Korruptionsskandal eine Regierungskrise ausgelöst hat. Man muss sich das so vorstellen: Es heißt, er habe Gelder in Milliardenhöhe veruntreut und so sich ein riesiges Imperium aufbauen können. Das hat noch niemanden so wirklich gestört, immerhin scheint das zum festen Bestandteil der thailändischen Innenpolitik zu gehören. Der Auslöser des Skandals war dann, als Thaksim diese angeblich gestohlenen Firmen verkaufen wollte und öffentlich erklärte, dass er als Regierungschef keine Steuern zu bezahlen brauche. Nun gibt es hier seit Wochen Demonstrationen. Wütende Menschen laufen durch die Stadt mit Spruchbändern. Was darauf steht, kann ich zwar selber nicht lesen. Aber gemäß den lokalen Zeitungen steht da ziemlich klar, dass er zurücktreten solle.

Laotisches Rheinschwimmen und Dominospiele im Altersheim

Liebe Leute,

schon wieder ist Montag; und somit auch die ideale Zeit, um Euch einen weiteren kurzen Reisebericht zukommen zu lassen. Schließlich weiß ich ja, wie sehr es alle schätzen, am Montag früh im Büro- zu sitzen und zwischen dem zweiten und dritten Kaffee Erzählungen aus exotischen Gegenden zu lesen…

Ein Beer Lao am Mekong muss einfach sein...

Mittlerweile bin ich in der laotischen Provinzhauptstadt Vang Viang. Hier hat sich viel geändert, seit ich vor rund sechs Jahren das letzte Mal hier war. Während hier früher nur ein paar Imbissbuden waren und ein Fluss, auf dem man mit Schläuchen runterfahren konnten, hat sich hier ein regelrechtes Tourismuszenter gebildet. Auf der vormals recht einsamen Flussfahrt finden sich nun etwa alle drei hundert Meter kleine Beizen, wo man Beer Lao bekommt oder von einer Holzkonstruktion ins kühlende Nass springen kann (wenn nicht gerade andere Leute auf einem Schlauch durchfahren – da ist die Wahrscheinlichkeit groß, denn der Songfluss ist hier jeden Tag fast dichter beschwommen als der Rhein beim sommerlichen Rheinschwimmen in Basel). Zuerst dachte ich, dass ich traurig werden würde, wenn ich sehe, wie sich das Dorf verändert hat. Aber eigentlich gefällt es mir auch so, wie es jetzt ist und von meinen Erinnerungen hat es sich so sehr entfernt, dass ich nur noch mit intellektuellen Konstruktionen überhaupt noch an das anknüpfen kann, was ich damals gesehen und erlebt habe.

Wasserwerfende Journalisten und patroulierende Biergärten

Liebe Leser,

Grosses Kaliber für Pii Mai...

ich hoffe, ihr hattet allesamt schöne Ostern und seit wieder wohlbehalten vom Eier suchen zurück. Hier in Laos bin ich davon zum Glück verschont geblieben, dafür wurde am Wochenende ein anderes Festival gefeiert: Pii Mai Lao. Das ist eigentlich das buddhistische Neujahrsfest, das so ähnlich auch in Thailand, Burma und dem südchinesischen Yunnan gefeiert wird. Ursprünglich ging es bei diesem Fruchtbarkeitsritual darum, die Buddhastatuen zu waschen und sich in der angeblichen Trockenzeit (meiner Erinnerung nach hatte es allerdings weniger regnet, als ich das letzte Mal in der Regenzeit hier war) mit Wasser gegenseitig zu reinigen. Aus diesem reinigen hat sich mittlerweile eine landesweite, dreitägige Wasserschlacht entwickelt, von der auch ich nicht verschont blieb. Nachdem ich gestern praktisch alle meine T-Shirts und Hosen Nass gemacht habe, verschanze ich mich heute im Internetcafe, um wenigstens so lange trocken zu bleiben, bis ich meine anderen Kleider wieder anziehen kann. Wobei: so einfach machen es einem die Wasser werfenden Kinder auch nicht. Denn in dem Wasser befinden sich teilweise Eiswürfel oder Lebensmittelfarbe. So bin ich auch gestern überraschend durch einen vorbeifahrenden Lastwagen voller gröhlender Teenagers zu einem stolzen Besitzer eines gelben T-Shirts geworden. Macht nichts. Die Wasserschlachten machen eigentlich Spaß und bringen auch ein bisschen was ein, denn darüber sollte morgen in der baz ein Text von mir erscheinen. Mal schauen, ob das auch alles gut klappt…

Unexplodierte Logik und gewobene Apotheken

Liebe Freunde und Leser,

Niths Mutter arbeitet unter anderem als Weberin...

nach langer Zeit melde ich mich wieder. Ich bin mittlerweile in Hanoi, in Nordvietnam, angekommen. Was ist bisher geschehen? Nach meinem letzten Mail bin ich nach Phonsavanh gereist. Dort habe ich Sabine, die Schweizerin, wieder getroffen und bin mit ihr zusammen bei der bereits mehrfach erwähnten Laotin (Nith) eingezogen. Ihre Eltern stammen aus der Gegend und ihr Haus war sehr interessant zu besuchen. So konnte ich ein bisschen ins laotische Familienleben blicken.

Bei Laoten stehen auch manchmal Frösche auf dem Speiseplan...

Ihre Familie ist relativ groß. Der Vater ist Lastwagenfahrer mit dem Schwerpunkt besonders schwierige Strassen – und entsprechend selten zu Hause. Die Mutter hatte früher eine kleine Apotheke. Aber seit es die Regierung nicht ausgebildeten Apothekern untersagt hat, Medikamente zu verkaufen, musste sie das Sortiment ein bisschen umstellen und seither läuft der Laden weniger gut. (Wobei bei einem Gewinn von nur 500 Kip – also etwa 5 Rappen – pro verkauftem Medikament kann ich mir kaum vorstellen, dass es jemals gut lief). Unter der Hand gehen aber die Medikamente wohl immer noch weg. Zumindest sind immer wieder junge Mädchen gekommen, die sich entweder nach der Pille erkundigt haben oder Probleme bekommen haben, nachdem sie ohne ärztliche Aufsicht eine Abtreibungspille genommen haben. Offenbar ein weit verbreitetes Problem in Laos. Da diese Halbapotheke eher am Stadtrand liegt und daher nur etwa eine Person pro Stunde vorbei kommt, hat sich die gute Frau noch einen Zusatzverdienst eingerichtet: Hinter dem Laden steht ein Webstuhl, wo sie den typischen laotischen Stoff herstellt. Das Haus selber besteht aus drei Einheiten. Eigentlich hatte die Familie noch einen zweiten Laden und eine Einliegerwohnung bauen wollen. Doch dann kam die Asienkrise, das Geld floss zähflüssiger und es reichte bei allen drei Gebäuden nur für den unteren Stock. Oben ragen noch immer halbfertige Ziegelmauern in die Luft.

Klebrige Grenzübergänge und schreiende Englischlehrer

Liebe Freunde,

nach fast zwei Wochen im Norden von Vietnam, bin ich nun in Nanning, der Provinzhauptstadt von Guangxi in Südchina angekommen. Doch davon später.

Halong ist eine der Hauptsehenswürdeigkeit in Nordenvietnam

Mit meiner Reiseberichterstattung bin ich nun in einer etwas schwierigen Situation: Eigentlich würde ich Euch gerne viel von Vietnam erzählen, aber ehrlich gesagt, war ich fast zu kurz da, um wirklich etwas von der Sache zu verstehen – und wohl auch zu kurz, um mich so anzuklimatisieren, dass ich das Land wirklich zu schätzen lernte und (wie bei seinen Nachbarn) sobald ich die Grenzen hinter mir gelassen habe, überlege, wohin ich das nächste Mal will. So war es in Vietnam nicht, dabei war der Anfang sehr hoffnungsvoll. Zusammen mit Sabine, der Schweizer Reisebegleitung, die ich nun schon mehrmals erwähnt habe, sind wir bei Nakeo über die Grenze. Das ist ein kleiner Übergang im Nordosten Laos, der erst vor rund einem Jahr für Ausländer geöffnet wurde. Die meisten Touristen wissen noch nicht, dass sie hier durch können.

Geprellte Zeitzonen und strenggläubige Fahrstühle

Liebe Freunde,

Einkaufsstrasse von Nanning

nach einer langen Mailpause ist es an der Zeit, dass ich mich mal wieder melde. Momentan befinde ich mich in Wuhan – einer größeren Stadt so ziemlich in der Mitte von China. Die Tage zuvor war ich von Dorf zu Dorf getingelt in den beiden Provinzen GuangXi und Guizhou. Die kleinen Dörfer sind ein idealer Ort, um dem Fußballfieber zu entgehen. Zwar scheinen sich in China sowieso die wenigsten Leute für die WM zu interessieren (wohl zum Teil, weil China vor vier Jahren zum ersten Mal mitspielte und gleich rausfaulte und zum anderen wohl auch weil China in einer optimalen Zeitzone liegt, um sämtliche Spiele zu verpassen. Selten war ich so froh, dass die Erde doch keine Scheibe ist!), aber auf dem Land ist man wirklich sicher: dort gibt’s nämlich kaum Fernseher.

Behalte mich mit Facebook im Augeschliessen
Powered by LikeJS
oeffnen
Dies ist der Footer Code