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Singapur, 9.8.2000

Liebe Zurückgebliebenen,

Ansicht von Singapur

ich hoffe, dass ihr euch über diese Anrede nicht zu sehr stört, da sie eigentlich nicht die immer wieder erwähnte Arroganz mancher Traveller beschreiben, sondern einfach eine geographisch bedingte Begrüßung darstellen soll, mit der ich andeuten will, dass ich wieder unterwegs bin. Wie ihr dem Titel ersehen konnten, befinde ich mich momentan in Singapur. Das ist eine 3 Mio. Stadt, nur gerade 100km nördlich des Äquators. Ich habe mir vorgenommen, auf eines der vielen Hochhäuser zu steigen, dann kann ich ihn von dort aus vielleicht erkennen.

Zur Stadt: sie hat den Ruf, sehr sauber und reich zu sein. In Wirklichkeit sieht sie ein bisschen aus wie jede Stadt, einfach ein bisschen moderner. Statt des eigentlich fast obligatorischen Altstädtchen reihen sich hier Hochhäuser aneinander. Singapur ist definitiv keine schöne Stadt, aber es gibt eine Menge Naherholungsparks und der Strand ist von überall sehr nah. Doch bei einer Insel erstaunt das kaum.

Melacca, 22.8.2000

Hallo Ihr!

ich bin hier in Malaysia, wo die Internetcafes noch günstiger sind als in Singapur. Deshalb gleich die nächste Mail. Die Stadt, in der ich mich derzeit befinde, heißt Melacca (unten links, knapp südlich von Kuala Lumpur, falls ihr den Ort auf der Karte sucht). Es ist sehr schön hier. Ich bin in einem  Hotel gelandet, das von einer netten islamischen Familie geführt wird. Ich muss aber immer die Schuhe ausziehen, wenn ich reingehe. Immerhin ist es recht preiswert, nur 15 Ringit… Nun müsst ihr selber rausfinden, wie unglaublich wenig das ist.

Das historische Zentrum von Melakka stammt noch von der holländischen Kolonialzeit

Die Fahrt hierher war ziemlich schräg. Sobald ich über die Grenze kam, hatte ich urplötzlich ganz viele „Freunde“, die mir helfen wollten, das richtige Busticket hierher zu kaufen. Einer hat mir dann ein Ticket nach Kuala Lumpur angedreht, obwohl ich ihm klar gesagt habe, dass ich nur bis Melacca will. Wenn ich den Fahrer nicht noch einmal gefragt hätte, wäre ich jetzt in KL, was ja auch nicht ganz so schlimm gewesen wäre. Als ich mich beschwerte und die 22 Ringit zurückforderte, gab er mit eine 10er-, eine 5er- und 3 2er- Noten heraus. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich mich daraufhin entschloss, eine andere Busgesellschaft zu berücksichtigen.

Kuantan, 29.8.2000

Liebe Freunde,

ich dachte, dass nun mal langsam wieder die Zeit gekommen sei, mich aus der östlichen Welt zu melden. Ich befinde mich momentan an einem Ort, von dem ich nicht so genau weiß, wie er heißt, aber er ist an Malaysias Ostküste (so was ähnliche wie Kuatang) und etwa auf der gleichen Höhe wie Kuala Lumpur, welches ich gestern blitzartig verlassen habe, nachdem sich am Morgen die Indizien gehäuft haben, dass das Bett in einem nicht geheimdienstlichen Sinne verwanzt ist. Nicht so schlimm, juckt nur ein bisschen, aber ist halt eklig

Die Petronatürme in Kuala Lumpur

Gestern verbrachte ich den Tag (der interessanterweise der erste Frauentag Malaysias ist) im KLCC. Das ist ein gigantisches Einkaufszentrum gerade unter den weltberühmten Zwillingstürmen (die Malaien haben diese Türme gebaut und fanden dann, dass sie das höchste Gebäute der Welt seien. Doch die Amis wollten sich ihren Searlstower nicht nehmen lassen und erklärten die Antenne auf dem Dach für ungültig. Dieser Streit kam schließlich vor den Concil of High Buildings (so was gibts tatsächlich!), die dann die höchsten Gebäude in vier Kategorien teilten. Das Resultat davon ist, dass die Twintowers nur in einer Kategorie am höchsten sind – beindruckend trotzdem) Jedenfalls versammelten sich Tausende verschleierte Frauen auf dem Platz und forderten die Gleichberechtigung. Ich habe dann mit einer gesprochen und ich hatte schlussendlich nicht den Eindruck, dass die Frauen hier (für ein islamisches Land) stark unterdrückt werden. Auch die Schleierpflicht wird lasch gehandhabt (wenngleich man an der konservativen Ostküste mehr verschleierte Frauen sieht). Sonst zeigt sich die Verschleierungspflicht an den Grenzen, im McDonalds (die haben einen blauen Schleier mit einen M drauf) und so weiter.

Cherating, 1.9.2000

Hallo Ihr,

hm, ihr werdet nun wohl denken, was ist mit dem los, dass er schon wieder heimmailt – eigentlich ist nichts Besonderes los, und das genau lässt mir die Zeit und Muße, Euch ein Mailchen zu schreiben.

Der Strand von Cherating

Gestern, am 31. August war in Malaysia Nationaltag. Damit die Leute das auch genügend feiern können, hat die Regierung die ganze Woche zu Ferien erklärt. Das hat zur Folge, dass unheimlich viele Malaien diese Zeit nützen, um sich ihr eigenes Land anzusehen. Das ist zwar eigentlich eine gute Sache, nur führe es auch dazu, dass die  Busse über längere Zeit ausgebucht sind. Für mich hatte das die Konsequenz, dass ich, nachdem ich am Dienstag in Cherating (etwa 50km nördlich von Kuatan, woher ich das letzte Mail schrieb) angekommen bin, feststellen musste, dass bis zum folgenden Montag alle Busse voll sind. Deshalb bin ich in einem kleinen Dorf, das früher hauptsächlich von Fischern bewohnt wurde und heute ein paar kleine Hotels (und etwa 10km von hier auch einen Club Med – aber von den Leuten hört und sieht man zum Glück nichts) für Billigreisende birgt, gestrandet. Der Ort ist sehr lieblich, da der nahe feinsandige Strand sehr flach ist (deshalb ist das Wasser auch nicht wirklich eine Erfrischung) und zum baden einlädt. Ich habe ein paar wunderschöne Fotos von hier geschossen – einen halben Film verknippst… allerdings hat er den Nachteil, dass hin und wieder ein paar Quallen durch die Gegend schwirren. Gestern hat ein Amerikaner (er wohnt nur etwa 2 Hütten von mir entfernt) einen „Streifzug“ gemacht. Aber außer drei Stunden Brennen ist dem guten Mann nichts passiert und heute sah ich ihn schon wieder im Wasser. Ich bin seither auch jeden Tag mindestens eine Stunde schwimmen gewesen, das ist wirklich wunderbar, aber nachdem ich heute drei ausgetrocknete Quallen am Strand liegen gesehen habe, hat sich in mir eine gewisse Neorose gebildet und ich weiß nicht, ob ich morgen nochmals reingehe, denn diese Dinger sieht man wirklich fast nicht…

Cameroon Highlands, 10.9.2000

hallo Leute,

nun ist wieder Wochenende und ich wollte mich mal wieder melden… was inzwischen alles passiert ist? hm… also, ich glaube, das letzte Mal habe ich mich aus dem wundervollen Cherating gemeldet, bevor es mich wieder nach Singapore gezogen hat. Die 400km-Reise war sehr anstrengend Singapore ein bisschen enttäuschend, da die gute Evelyn weniger Zeit hatte, als wir abgemacht hatten. Dennoch haben wir ein bisschen Zeit für einander gehabt. Schade, dass sie hier keinen Scanner haben, sonst hätte ich Euch ihr Foto schicken können. Nach zwei Tagen in Singapore, ging ich wieder nach KL. Keinen weiteren Kommentar als: „Bedbugs are everywhere…“

Teeplantage in den Cameroon Highlands

Deshalb zog ich ziemlich rasch in die Cameroon Highlands, wo ich bis morgen früh bleibe. Vielleicht ein paar Worte zu dem Ort hier. Also ring herum sind Teeplantagen. Heute habe ich eine Teeplantage und eine Fabrik besichtigt. Das war ganz eindrücklich, vor allem der Duft der frischen Teeblätter ist sehr fein – riecht ein bisschen wie Sauerampfer. Jedenfalls ist der Ort hier oben auf 1500m eine Art Sanatorium für die Malaien, die der Hitze entfliehen wollen. Und tatsächlich ist es hier bedeutend kühler, anderseits scheint pro Tag nur etwa 2,5Std die Sonne. Der ganze Ort (vor allem auch wegen seiner Pseudofachwerkhäuser) erinnert mich ein bisschen an Titisee-Neustadt im Schwarzwald. Der Ort hat auch etwa die selbe Groesse, resp. Kleine.

Krabi, 18.9.2000

Hallo zusammen,

Es ist mal wieder Zeit, dass ich mich melde. Ich habe immer noch eine großartige Zeit, doch was ist inzwischen alles passiert?

Im thailändischen Krabi lassen sich tolle Sonnenuntergänge beobachten.

Nachdem ich noch ein bisschen in dem Cameroon Highlands fror, zog es mich doch wieder ins Tal zurück. Eine lange Reise nach Penang, das als großartige Kolonialstadt gepriesen wurde und das als das touristischste Ziel Malaysias angegeben wurde. Man könnte nun denken, dass es deshalb besonders schön sei; aber es ist meiner Meinung nach nur deshalb so touristisch, weil alle Traveller (die im Lonely Planet gelesen haben, dass Malaysia zu teuer ist), die vom preiswerten Thailand kommen die Fähre ins noch preiswertere Sumatra nehmen. Penang gefiel mir allerdings nicht so gut – und dies nicht nur, weil mich innerhalb 24 Stunden 4 verschiedene Typen fragten, ob ich einen Boyfriend suchte… und die waren nicht einmal hübsch…!!! Dafür bin ich mit dem malayschen Botschafter in einer afrikanischen Bananenrepublik Abendessen gegangen, um dann anschließend auf einer gammeligen Fähre ein kleines Ausflügchen zumachen. War ganz toll. Dennoch wollte ich Penang schnell verlassen, buchte also einen Minibus nach Krabi in Thailand für neun Uhr am nächsten Tag.

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