Surabaya: Couchsurfing light oder Begegnungen mit dem Islam

Chintya, ihre belgische Freundin und Ali rauchen eine Wasserpfeife.

Auf dem Weg nach Bali hatte ich die faszinierende Chintya aus Surabaya kennengelernt. Im Bus hatte sie immer wieder erwähnt, wie viele Leute sie als Couchsurfer bei sich aufnimmt. Auch ich solle sie besuchen kommen. Doch die Sache hatte einen Haken, wie sich bald zeigte.

Chintya kommt aus gutem Haus. Das sieht man der jungen Frau an. Als wir auf der Fähre von Java nach Bali zufällig nebeneinander saßen, erzählte sie mir, dass sie Couchsurferin sei. Gerade jetzt sei eine Bekannte aus Belgien bei ihr zu Hause, die sie später auf Bali wieder treffen würde.  Zwei Wochen später entschloss ich mich, statt nach Flores zurück nach Java zu fahren. Ich schrieb also Chintya, dass ich nach Surabaya käme und fragte an, ob ich bei ihr wohnen könne. Couchsurfing wollte ich ja längst ausprobieren.

Die Antwort kam schnell: „Ich wohne noch bei meinen Eltern und kann nur weibliche Surfer bei mir aufnehmen.“ Hier war sie also wieder, diese für Indonesien so typische konservative Haltung. Nicht, dass die junge Frau die Unschuld vom Land war: Sie raucht und trinkt Alkohol und – wie ich später feststellte – sie fastete am Ramadan nur gerade am ersten Tag. All das qualifiziert sie nicht unbedingt als „gute“ Muslimin. Doch offenbar überwiegt diese diffuse Angst vor dem Gerede der Nachbarn.

Auf dem Weg nach Hause zeigt uns Ali die Moschee.

Ich nehme also ein Hotel im  Zentrum der Stadt und wir machen ab, dass sie mir Surabaya zeigt. Kurz darauf steht Chintya mit ihrem Roller vor dem Krowi Inn und wir fahren ins arabische Quartier. Auf halben Weg halten wir an und warten auf Ali, der gemeinsam mit der erwähnten belgischen Freundin  anbraust. Nun muss ich bei ihm aufsitzen. „Wir fahren in mein Viertel“, erklärt der 24-jährige Ali. „Wenn die Leute sehen, dass ich mit einer Frau zusammenfahre, gibt das Gerede. Das kann ich meinen Eltern nicht antun.“

Empfang im Vorzimmer

Im arabischen Quartier der Stadt ist gerade die Hölle los. Es beginnt einzudunkeln.  Da gerade Ramadan ist, bedeutet dies, dass sich jede Menge hungrige Muslims aufs Essen stürzen wollen, das in den zahlreichen, aufgehenden Restaurants serviert wird. „Sorry, wir können euch hier nicht bedienen“, wird unserer gemischten Gruppe beschieden. Offenbar sind die wenigen Sitzplätze für Muslime reserviert. Ali kann jedoch einen Kompromiss aushandeln: Wir bestellen das Essen einfach und verspeisen es anschließend wo anders.

Die Moschee erinnert mich leicht an den Flughafen von Bali…

Dieser Ort ist das Haus seiner Familie, das gerade hinter einer Moschee liegt, die wir noch kurz besuchen. „Mama, wir kommen“, ruft Ali, als er die Türe aufmacht. Die Mutter muss kurz weghuschen und sich ein Kopftuch überziehen. Dann kann sie uns  kurz im Wohnzimmer empfangen. Hier steht in kleiner Esstisch, die Decke ist hoch und auf dem Boden liegt ein Baby. „Das ist mein Bruder“, erklärt Ali. Acht jüngere Geschwister habe er. Das letzte sei mit einem großen zeitlichen Abstand gekommen. „Ein Geschenk von Ali“, meint Ali und erläutert auch gleich:  Die Mutter habe die Pille genommen, doch dann sei das Baby doch gekommen. Ganz klar göttlicher Wille. Nun kann auch ich das erkennen.

Im Wohnzimmer können wir nicht bleiben. Wir werden in ein kleines Vorzimmer gebracht und zum Wohnzimmer wird ein Vorhang zugezogen. An der Wand hängt eine Fotographie von Mekka. Gegenüber stehen auf grünen Hintergrund fünf Namen auf Arabisch. Ich kann mich nur noch an Fatimah erinnern, die Tochter von Mohammed. Ich fühle mich hier ein bisschen wie in einer Abstellkammer für ungeliebte Gäste.  Doch so sei es nicht gemeint, sagt Ali. Bei Muslimen sei es normal, dass Fremde nicht in den inneren Bereich eines Hauses können. Wir lachen beide über die kulturellen Unterschiede.

Für gerade einmal 35 Eurocents bekam ich in Surabaya die wohl leckerste Nudelsuppe meines Lebens.

Inzwischen hat sich Mohammed zu uns gesellt. Er ist der jüngere Bruder von Ali. Mohammed spricht gerne von Frauen, am liebsten von schönen und vor allem dünnen Frauen, und er macht sich über die romantischen Vorstellungen von Ali lustig und auch darüber, dass dieser gemeinsam mit Chintya in einem Salsa-Tanzkurs ist.

Anschließend gehen wir in eine Bar, wo Mohammed früher ein halbes Jahr lang als Getränkemischer gearbeitet hat. Alkohol gibt’s nicht. Vielleicht wegen Ramadan, vielleicht aber auch einfach sonst nicht. Stattdessen bestellen sich die beiden Brüder eine Wasserpfeife, die in der Runde geraucht wird. Und endlich kommt das Gespräch richtig in Gang.

One Response to Surabaya: Couchsurfing light oder Begegnungen mit dem Islam

  1. Bella sagt:

    Sehr interessanter Blog. Auch wenn mich persönlich die von dir angefahrenen Reiseziele als eigene Ziele nicht wirklich interessieren, ist es doch für mich sehr interessant, vom Alltag der Menschen dort zu lesen. Ich finde es ja bewundernswert so zu reisen, ich selbst wäre viel zu feige dafür. Danke also für den Einblick in deine Reiselust. Und jetzt gehe ich hier weiterstöbern 🙂
    Grüße Bella
    P.S. Meine Eltern waren mal zu Ramadan in Tunesien. Die hatten da wohl auch das halbe Land bereist und waren wohl fernab der Touristenströme unterwegs, das heißt, es gab natürlich auch keinen Alkohol. Irgendwo hatten sie es dann geschafft, in einem Supermarkt das Personal anzustiften aus dem Lager eine Flasche Wein auszugraben. War für sie wohl auch eine interessante Erfahrung.

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