Qufu: Pfingsten bei Konfuzius

Konfuzius und seine Nachfahren sind in Qufu an allen Ecken zu sehen.

Es war vor allem die Nähe zum Berg Taishan, die mich bewogen hat, auch einen Tag in Qufu zu verbringen – dem Geburtsort von Konfuzius. Doch die charmante, historische Kleinstadt, in der angeblich mehr als die Hälfe der Bewohner den Nachnamen Kong tragen, wäre für sich alleine schon einen Besuch wert gewesen.

Ein Innenhof des Wohnsitzes der Familie Kong

Der Weg vom Busbahnhof zur Jugendherberge lässt keinen Zweifel aufkommen, wer die grösste historische Persönlichkeit Qufus ist. Ich fahre zunächst am Konfuzius-Hotel vorbei, ein paar Blöcke weiter gibt es die Konfuzius-Gaststätte, dann kommen gleich ein paar Restaurants mit dem Namen des alten Meisters. Wohin man auch schaut: Kongzi ist überall, er ist allgegenwärtig. Stören tut das allerdings nicht. Der erste Eindruck der historischen Kleinstadt ist durchaus gut. Weil hier einst einer der grossen Männer des alten Chinas lebte, ist die Stadt von der chinesischen Modernisierungswut verschont geblieben.  Qufu wird noch immer von einer quadratischen Stadtmauer umgeben. Stadttor, Tempel, Parkanlagen und alte Häuser: Alles ist so, wie es sich ein Tourist wünscht.

Souvenirs in Qufu

Am nächsten Morgen mache ich mich auf, die Stadt zu erkunden. Es gibt ein praktisches Ticket, mit dem man den Konfuziustempel, das Haus der Nachfahren von Konfuzius und das Familiengrab der Kongs besuchen kann.

Den Tempel habe ich relativ schnell abgehakt. Er bietet zwar unter den erwürdigen Bäumen eine angenehme Ruhe, aber mein ungeschultes Auge erkennt kaum Unterschiede zu anderen Anlagen. Interessanter ist die Residenz der Familie Kong. In dem typischen Grundherrenlandgut der feudalen Adligen früherer Zeiten, das angeblich über rund 500 Zimmer verfügt, hat der alte Meister zwar nie gelebt. Aber das Anwesen ist ein Sinnbild dafür, wie die Lehren der einst verarmten Familie einen unermesslichen Reichtum brachten, nachdem Meister Kong mehrere Generationen nach seinem Tod immer stärker verehrt wurde. Die vorderen Teile sind Räumlichkeiten zur Erledigung öffentlicher Angelegenheiten, und die hinteren Teile solche für das Alltagsleben. Schön ist auch der Garten.

Weitere Souvenirs

Als dritte Sehenswürdigkeit steht der Familenfriedhof der Kongs auf meinem Programm. Unterwegs dorthin schaue ich mir die Souvenirs an, die den Touristen feilgeboten werden. Man findet neben Imitationen altertümlicher Waffen auch jede Menge anderer militärischer Güter: Bausätze aus Holz für Panzermodelle oder Flugzeuge (und die dazu passende Flugabwehr), die aus Gewehrpatronen gebastelt sind.

Solche Andenken finden man in China zwar auch andernorts, aber ich hatte den Eindruck, dass sie in Qufu weitaus häufiger vertreten. Dies könnte durchaus auch seinen Grund in den Lehren Konfuzius haben: Pietät ist nämlich eines seiner Grundprinzipien, das nicht nur westliche, sondern auch chinesische Gelehrte immer wieder abschreckte. Gemeint ist damit eine bedingungslose Hingebung der Kinder an die Eltern, welche der chinesische Schriftsteller Lu Xun in einer seiner Schriften dadurch kritisch auf den Punkt brach, dass er in einer seiner Erzählungen die Eltern bei einer Hungers not ihr Kind opfern lässt, um das Fortleben der Grosseltern zu ermöglichen.  Eine blinde Gehorsam gegenüber Obrigkeiten, wie sie auch das Militär gerne fordert.

Das Grab des Konfuzius

Der Friedhof stellte sich als besonders interessant dar. Hier werden seit über 2000 Jahren Angehörige der Familie Kong beerdigt. Auch heute haben Nachfahren des Denkers das Recht, sich in der geräumigen Friendhofsanlage vergraben zu lassen.  So findet man auch zahlreiche Gräber auf der Anlage.

Da ich den Bus nach Tai’an erwischen muss, bleibt mir nicht so viel Zeit, wie ich gerne hätte. Ich eile also nur noch zum Grab des Denkers und lasse den Rest aus. Vor dem Grab befinden sich zahlreiche Leute. Manche legen Blumenkränze nieder. Andere scheinen des Verstorbenen zu gedenken. Doch die meisten betrachten den Ort als ein touristisches Spektakel, machen Fotos, schreien in ihre Handys.

 


One Response to Qufu: Pfingsten bei Konfuzius

  1. Markus Zweifel sagt:

    Hallo Oli,

    das ist krass, was für Souvenirs die Chinesen dort kaufen. Und ich dachte immer, dass Konfizius eine Botschaft des Friedens verkünden würde. Da lag ich wohl falsch.

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