Panajachel, 29.9.98

Seid gegrüsst!

Ich befinde mich nun in Panajachel, einer Hippieenklave am wunderschönen Lago Atitlan in Guatemala. Leider ist hier und heute mein Fotoapparat ausgestiegen, so dass es nur für mich und nicht für euch schön ist. hihihi!

Sonnenaufgang in Tikal

Sonnenaufgang in Tikal

Das  Interessanteste ist wohl, dass ich nun ohne Gepäck reise und mir zwangsläufig ein paar Souvenirs in Form von neuen Kleidern zulegen muss. Aber vielleicht erzähle ich der Reihe nach: In Flores hatte ich ein paar schöne Tage. Ich war in einem ziemlich zerfallenen Hotel (oder vielleicht einem, das noch nicht fertig gebaut ist) in welchem es neben mir nur zwei andere Gäste gab. Eine Deutsche und einen pensionierten Holländer mit traurigem Schicksal. Als ihm nach einer kinderlosen Ehe seine Gattin verstarb, entschloss er sich den Rest des Lebens mit Reisen zu verbringen, weil er nichts hatte, was ihn in Holland hätte halten können. Mit ihm führte ich verschiedene sehr spannende Gespräche, zumal er schon seit bald einem Monat im Hotel war. Die Deutsche hingegen begleitete mich auf verschiedene Tripchen.

Wandern im Dschungel

Wandern im Dschungel

Zuerst sahen wir uns Tikal an. Wir waren um vier Uhr mit einem Nachtbus hingefahren und sahen auf einer Pyramide wie sich die glühende rote Sonne über den Urwald erhob. Im Hintergrund der Lärm der Brüllaffen. Näher waren kleine Tiere, die einem das Essen aus den Rucksäcken stahlen. Sah ein bisschen gefährlich aus… Und die Pyramiden, unglaubliche Schönheit, gut rekonstruiert (wenngleich die Holzteile sich in Basel im Museum befinden…) Ich war zu tiefst beeindruckt, wie ich dies erst in Machu Pichu war. Gegen mittag füllten sich dann die Tempelanlagen und verloren ihren Reiz. Wir gingen wieder zurück. Am nächsten Tag fuhren wir in ein Naturschutzgebiet. Dort wanderten wir ein wenig durch den Urwald (eine Schlange, die ich fotografieren wollte, liess vom Blitz erschrocken die fette Kröte los und wollte fast auf mich losgehen. Der Führer fand das lustig und meinte, dass sie nicht sehr giftig sei. Anschliessend gingen wir im nahegelegenen See baden, weshalb wir den letzten Bus verpasst. Kurz darauf wurde es dunkel und wir mussten in mitten des Urwaldes an der Strasse darauf warten, dass uns jemand wieder nach Flores mitnehmen würde. Nach ein paar Minuten kam ein alter, verbeulter Lastwagen, mit welchem wir wieder in die Stadt zurückkamen. Das war ein kleines Erlebnis und sehr spannend, weil wir nicht sicher waren, ob wir nicht im Jungle übernachten müssen.

Antiqua Guatemala

Antiqua Guatemala

Ein paar Tage später nahm ich mit der deutschen den Nachtbus nach Guatemala City. Das war nicht ganz ohne, weil die fünfzehnstündige Strecke grösstenteils nicht geteert war (aber in ein paar Jahren soll sich das ändern, das verspricht zumindest die Regierung). Zudem waren die Sitze für die kleinen Guatemalteken so eng, dass ich 15 Stunden meine Beine nicht ausstrecken konnte. Von Schlaf keine Spur. Aber als ich am nächsten Vormittag in Guatemala Stadt ankam, musste ich feststellen, dass jemand unterwegs mein Gepäck mitgenommen hatte. Irgendwie habe ich das auch erwartet, weil mir das Selbstbedienungssystem nicht sehr zugesagt hat, aber ich hatte keine Wahl ausser einen Erstklassbus zu nehmen. Danach ging ich gleich nach Antigua Guatemala weiter, wo ich mich wieder mit neuen Sachen eindeckte.

Antigua ist eine recht nette Stadt, doch ist es gefüllt mir Touristen wie kein zweiter Ort in Guatemala. Es hat den Ruf als Ort für guten und preiswerten Spanischunterricht. Deshalb sammeln sich hier die Leute bevor sie auf die grosse Zentralamerikareise gehen. Allerdings habe ich hier niemanden getroffen, mit wem ich wirklich klargekommen wäre. Deshalb bin ich nach zwei Tagen weitergegangen. Bemerkenswert ist allerdings das Preiswerte Internetangebot. Ich habe gehört, dass es hier deshalb am günstigsten sei, weil sich hier der einzige Einwahlknoten des Landes befände.

Der Peten Itza See

Der Peten Itza See

Tja und nun in Panajachel. Hier gibt es recht viel schräge Leute. Im Gegensatz zu Antigua, wo sich die Reiseneulinge sammeln, befinden sich in Panajachel eher die Leute, welche schon eine Weile unterwegs waren und irgendwo strandeten. Wenn man die wundervolle Umgebung betrachtet, dann kann man das auch verstehen. Auch die Leute mit ihren bunten Trachten gefallen.

Aber nun muss ich auch noch etwas anderes als den Bildschirm sehen…

gruss, oliver

Flores, 23. 9. 98

Guten Abend zusammen,

Unwetter über Flores

Unwetter über Flores

ich befinde mich hier in Flores in Guatemalas Urwald in der Nähe von Tikal. Gestern war das Wetter hier so schrecklich, dass sie Probleme mit ihren Telefonleitungen haben. Anscheinend funktionieren diese Kupferleitungen nur noch ganz selten, deshalb schreibe ich dieses Mail auch von einem festen Account aus. Also antwortet nicht hierher, sondern an meine übliche.
Gestern bin ich von Belize mit einem Bus durch den Jungle hierher gefahren. Die Fahrt war sehr lustig, da ich einen dieser ganz billigen Zweitklassbusse genommen habe, welcher in jeder Kurve auseinanderzubrechen drohte. Und Überfallen worden bin ich auch nicht…

Weg in Caulker Caye

Weg in Caulker Caye

Belize war ein sehr eigenartiges Land. An allen Ecken fand man Schwarze, welche Drogen verkaufen wollten. Wenn man diese dann nicht kaufen wollte, dann haben sie sie einfach selber genommen. Folglich war die ganze Insel immer ein bisschen high. Das war aber eher lustig. Allerdings bin ich nur sehr kurz in dem Land geblieben, weil alles so unglaublich teuer ist. Also etwa so wie bei uns in der Schweiz. (Vor allem im Vergleich zu meinem drei Franken Hotel, dass ich hier in Guatemala mit einem deutschen Knasti teile und der mit Fieber im Bett liegt und mir nicht glauben will, dass es Malaria haben könnte). Auf Caulker Caye, jener Insel an der Karibikküste von Belize habe ich eine eindrückliche Schnorcheltour gemacht. Vor Belize befindet sich da zweitgrösste Barrierriff der Welt. Die Unterwasserwelt ist dort so reichhaltig wie in den Taucherfilmen, die wir aus dem Fernsehen kennen. Es gab dort sogar Haie, die aber aber nicht gefährlich sein sollen. Einen habe ich sogar gestreichelt, als ihn unser Schnorchelführer hielt. Die Haut des Haies fühlte sich wie Schmirgelpapier an.

Belize City

Belize City

Das Schlimmste was ich von Belize gesehen habe, was Belize-City, denn dort ist die Kanalisation oberirdisch, weshalb die ganze Stadt zum Himmel stinkt. Das erinnerte mich daran, wie es in Basel gewesen sein muss, als es den Birsigkanal noch nicht gegeben hat. In der alten Hauptstadt blieb ich aber nur kurz, da ich nur schlimmes gehört habe: zwei grosse Schwarze sollen einem die Stadt zeigen wollen und wenn man diesem entgeltlichen Angebot nicht folge leisten will, wird man ziemlich heftig dazu genötigt.

Und nun hier, mitten im Urwald an einem kleinen See (Peten Itza) ist es unheimlich heiss und drückend. Ein Typ meinte hier, dass es um die 45° werden würde. Dass es so heiss ich, glaube ich zwar nicht, aber es ist schon heftig. Deshalb kaufte ich mir eine jener Vier-Liter-Mineralwasser-Flaschen, die es hier gibt. Ich denke die werde ich brauchen können. Heute habe ich mir übrigens die erste kleine Magenverstimmung geholt. Aber das Immodiumpäckchen liegt immer noch unangetastet.

Haie

Haie

Weiter gibt es nichts Neues zu berichten. In den nächsten Tage werde ich nach Tikal fahren, was ich mir ganz unbedingt noch ansehen möchte. Ausserdem gibt es irgendwo noch ein Naturschutzgebiet, das auch ganz eindrücklich sein soll. Wo ich danach hingehe, das muss ich noch sehen und hängt vom Strassenzustand ab. Die sind hier nämlich durch den Urwald nicht asphaltiert und somit während der Regenzeit teilweise nicht passierbar. Es gibt aber verschiedene Strassen und zudem noch eine Flugverbindung.

Also bis bald einmal und alles Gute, oliver

Merida, 16.9.98

Hi Leute,

ich hoffe, euch allen geht es recht gut; denn dann könnt ihr euch viel leichter vorstellen, wie es mir geht: nämlich gleich! Momentan befinde ich mich in Merida, einer Stadt auf der Yukatanhalbinsel. Bis ihr das auf der Karte gefunden habt, erzähle ich einmal, was mir inzwischen alles widerfahren ist.

Strandweg von Campeche

Strandweg von Campeche

Von Xalapa bin ich nach Veracruz gefahren. Dort habe ich in einem ganz edlen fünf Sternehotel gewohnt. Habe mir gedacht, dass ich für den Preis einer Schweizer Jugendherberge kaum mehr in ein so edles Gästehaus kommen werde. Veracruz selbst ist eigentlich ganz nett, aber hat mir nicht so übermässig gefallen. Deshalb zog ich gleich nach Villahermosa weiter. Damit hatte ich einen neuen Wetterwandel gemacht: vom kalt-nassem D.F. über das warm-nasse Xalapa nach dem heiss-feuchten Villahermosa. Diese Stadt ist das beste Beispiel, wenn man erklären sollte, was ein Euphemismus ist. Wenn man ihren Namen übersetzt, dann heisst das soviel wie hübsche Stadt. Auf so eine Bezeichnung kann eigentlich nur der Fremdenverkehrverein kommen… jedenfalls widersprach diese Bezeichnung den tatsächlichen Verhältnissen ziemlich diametral. Das einzige Sehenswerte, nämlich ein Freilichtmuseum. habe ich verpasst.

Palenque

Palenque

Dafür bin ich dann ganz schnell nach Palenque gefahren. Ohja und das ist ein wundervoller kleiner Ort im Chiapas. (Anekdote: in ein paar Tagen sind im Chiapas Lokalwahlen. Einer der Kandidaten heisst Hitler. Das führte dazu, dazu dass an verschiedenen Orten Wählt Hitler geschrieben stand. Einem angehenden Historiker kommt so was natürlich sehr schräg vor). Ich wohnte in der allernettesten Gesellschaft von einer übermässig heiratswilligen Rezeptionisten (nachdem sie mir sagte, dass sie mich heiraten wolle, wurde sie jedes Mal rot, wenn ich den Schlüssel wollte. Dass ich sie nach jenem Geständnis ausgelacht habe, das tut mir ja heute leid) und diversem Ungetier zusammen. Die Ruinen, nach denen dieser Ort benannt sind, sind im höchsten Masse eindrücklich. In meiner Gefallenshierarchie konnte es zwar Machu Pichu noch nicht schlagen, aber kam doch in die Nähe. Nach ein paar Tagen relativen Alleinreisens war ich recht froh, in einen Ort zu kommen, wo es jede Menge Travellers gab.

Via Campeche, einem sehr schönen Ort, wo ich aber leider nur einen Tag blieb, ging ich nach Merida weiter. Ja, und Merida hat mich ziemlich hingehauen. Ich lebe in einem sehr zentralen Hotel und habe ganz viele nette und interessante Menschen kennengelernt. Spannend war vorallem die Begegnung mit einer deutschen Archäologiestudentin. Man muss wissen, dass Merida neben Mexico D.F und Jalapa die wichtigsten archäologischen Unis bietet.

Chichen Itza

Chichen Itza

Die Stadt ist recht schön. Es gibt hier eine Prachtstrasse, an welcher riesige wunderschöne Kolonialbauten stehen. Eines davon ist sogar zu verkaufen. Habe mich leider nicht nach dem Preis erkundigt, da ich davon ausging, dass ich es mir eh nicht würde leisten können. Und überall gibt es wundervolle Fruchtsäfte. Bei so vielen Vitaminen wie ich heute trank, werde ich wohl mein ganzes Leben nie mehr krank werden. Ausserdem war ich vorhin in einem chinesischen Restaurant. Allerdings habe ich dabei nicht bedacht, dass es nur halb chinesisch ist und sich in dem Reis gut getarnt ganz viele feurige Chilis verstecken (jaja, die Mexikaner verstecken die überall, neulich hatte ich sogar zwei ganze Chillis auf einem

Uxmal

Uxmal

Schinkensandwich). In dem Moment, als ich den ersten Bissen nahm, begann es zu regnen. Nun weiss ich nicht genau, ob der Anstieg der Luftfeuchtigkeit damit zusammenhing, dass meine Augen so feucht wurden….

hasta luego, oliver

Xalapa, 10.9.98

Liebe Leute,

ich bin nun erst seit ein paar Tagen in Mexico, aber ich denke doch, dass die Zeit gekommen ist, um einen ersten Bericht abzuliefern. Vorausschicken muss ich, dass das Mexicobild von einer hässlichen Hauptstadt und lauter Wüste mit Tequilla trinkenden Sobreroträgern vollkommen falsch ist. Mexiko ist eine im Vergleich zu Lima wohlgeordnete Stadt. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich mich nur sehr kurz in Mexiko Stadt (D.F. wie die Leute sie hier zu nennen pflegen) aufhielt. Am ersten Abend suchte ich mir irgendwo im Herzen der Stadt ein Hotel. Dabei half mir eine hübsche, junge Mexikanerin, welche ich vor wenigen Tagen in einem mexikanischen Chatkanal kennengelernt habe. Wie wir dann zusammen in einem Fastfoodrestaurant in der Nähe des Zocalos (hier etwas Geschichte: ein alter mexikanischer Präsident liess sein Bildnis in allen Städten aufstellen. Etwa so ähnlich wie kürzlich Michael Jackson für seine HIStory-Tour… Die Statuen kamen weg, aber die Plätze werden immer noch nach den Sockeln der Statuen benannt. Der Zocolo ist dann auch in allen Städten das absolute Zentrum) sassen, stellte ich fest, dass mein Spanisch doch sehr viel mehr eingerostet ist, als ich das ursprünglich erwartet habe. Aber einen lustigen Abend hatten wir trotzdem.

Veracruz

Veracruz

Am nächsten Morgen liess ich mich von einem Taxifahrer übers Ohr auen, aber zu einem etwas teureren Preis brachte er mich doch noch zum Busbahnhof. Von dort aus ging ich nach Xalapa (oder Jalapa, die Leute hier sind sich nicht sehr einig, wie sie ihre Stadt richtig schreiben sollen). Hier wohne ich bei einem Austauschstudenten und erlebe ein bisschen etwas vom mexikanischen Unialltag. Ich war auch schon mehrmals an der Uni. Einmal besuchte ich eine archäologisch-ethnologische Vorlesung. Ich konnte dem Unterricht nur sehr schwer folgen, aber die gewissen Unterschiede zur heimischen Hochschulwelt waren ohnehin viel interessanter. So wird zum Beispiel vor jeder Vorlesung in den engen Hörsälen „Reise nach Rom“ gespielt. Beim Vorlesungsbeginn müssen sich die Stunden irgendwo auf dem Campue einen der wenigen Sitzgelegenheiten schnappen, wenn sie nicht auf dem Boden sitzen wollen. Den Leuten scheint das aber wenig auszumachen. Die Stimmung war recht locker.

Das angegliederte archäologische Museum war auch äusserst spannend. Vor allem, da mich Hannes (jener Archäologiestudent, bei dem ich wohne) mit einer sehr fachkundigen Führung beglückte. Ich glaube, ich verbrachte noch nie eine so intensive und spannende Zeit in einem Museum. Ihm sei dank. Heute nachmittag geht es dann nach Varacruz weiter.

gruss, oliver

Südamerikareise durch Bolivien 1997

Aussicht auf La Paz

Aussicht auf La Paz

La Paz: der Frieden! Der Name der Stadt erschien mir nicht schlecht gewählt, denn trotz ihrer Größe hatte diese hohe Stadt einen übersichtlichen Charakter – vielleicht durch die enge Lage der Innenstadt in einem tiefen Tal. Hier erfuhr ich, daß La Paz nicht die Hauptstadt Boliviens ist, wie ich zuvor geglaubt hatte, sondern das südlichere Sucré. Da sich aber trotzdem das, was eine Hauptstadt ausmacht, nämlich die Regierung, in La Paz befindet, nennt man diese Stadt den Regierungssitz.

Moderner Stadtteil in La Paz

Moderner Stadtteil in La Paz

Hier blieb ich fast eine Woche und unternahm jede Menge. Auf einem Berg wanderte ich auf fast 5300m. Da ich mich schon seit rund 10 Tagen an die Höhe assimiliert hatte, konnte ich mich ohne diese eklige Kokabrühe, welche einem hier überall eingeflößt wird, bewegen. Zwar bisweilen atemlos, aber doch einigermaßen komfortabel. Die Energie für eine Schneeballschlacht hätte ich dann allerdings nicht mehr gehabt, obwohl der Schnee verlockend aussah.

Danach zog es mich wieder nach Puno zurück, wo ich wieder bei der netten alten Dame hauste. Als sie mich sah, lud sie mich sogleich zum Abendessen ein, danach sprudelte sie wieder los. Das ich ihr mit meinem mäßigen Spanisch nicht immer zu folgen vermochte, das schien sie nicht zu stören. Da mußte ihre freundliche Tochter aushelfen, die sich trotz ihrer Schüchternheit sehr darüber freute, daß ich ihre Englischbrocken verstand.

Bei meinem Höhen- rekord: 5300m

Bei meinem Höhen- rekord: 5300m

Mit dem Nachtzug fuhr ich dann von Puno nach Arequipa runter. Ist es erwähnenswert, daß der Zug mit unerklärlichen zwei Stunden Verspätung losfuhr und mit noch unerklärlicheren sechs schließlich ankam? Arequipas Schönheit bestach. Auf fast 2000m gelegen, hat diese zweitgrößte Stadt Perus ein ideales Klima: viel Sonne, doch nicht die tropischen Temperaturen, welche einem so zu schaffen machen können. Architektonisch stechen die aufwendigen Reliefs der Häuser ins Auge. Besonders gut gefiel mir der Placa de Armas, der von einem zweistöckigen Arkadengang umgeben war, auf welchem ich öfters gutes chinesisches Essen nahm.

Alpacas auf der Hauptstrasse

Alpacas auf der Hauptstrasse

Diese Stadt nimmt bei den Peruanern einen besonderen Status ein. Man macht sich über die Leute hier lustig, weil sie in so vielen Sachen anders seien. Es gibt sogar aus diesem Grund einen speziellen arequipa´schen Paß zu kaufen. Auch wenn man die Mehrzahl der Unterscheidungen nicht wirklich ernst nehmen kann, bestehen doch ein paar Unterschiede. So hat Arequipa beispielsweise eine andere Netzspannung als der Rest Perus. An einer Stelle gibt es sogar Linksverkehr. Doch das hängt vielleicht eher mit verkehrsplanerischen Notwendigkeiten zusammen, wer weiß?

Aus Arequipa machte ich einen zweitägigen Ausflug in das nahe gelegene CaÔon de Colca. Eine sehr schöne Schlucht, von wo aus man etwa 1500m in Tiefe sehen kann. Das ist schon sehr eindrücklich. Dazu wird man von Condoren umflogen, die manchmal nur wenige Meter über den Köpfen hinweg sausen. Auch schien die Gegend touristisch recht unberührt.

Sicht auf den Canon de Colca

Sicht auf den Canon de Colca

Von Arequipa zog es mich dann wieder nach Lima zurück. Allerdings unterbrach ich die Reise in Nazca, wo sich jene berühmten Linien befinden (Das Highlight davon war zweifellos, daß ich das kleine Propellerflugzeug selber steuern durfte – wenigstens solange, bis ich ihm erklärte, daß ich einen Looping machen wolle. Da bat er mich schleunigst die Finger vom Horn zu nehmen. Die beiden spanischen Passagiere im Fond fanden das wohl auch besser.) und in Pisco, einem hübschen kleinen Städtchen am Meer. Pisco ist bekannt für das gleichnamige Getränk, das angeblich hier erfunden worden sein soll. Allerdings gibt es in Chile auch ein Pisco und die Leute dort behaupten, daß es in Chile erfunden worden wäre. Wer recht hat, läßt sich wohl genauso wenig herausfinden, wie sich die Frage nicht beantworten läßt, in welchem Land der Whisk(e)y erfunden worden ist. Hier aß ich Ceviche, was sich als eine sehr verhängnisvolle Spezialität herausstellte: vom rohen Fisch hatte ich danach noch ein paar Tage Magenprobleme. Aber gut geschmeckt hat es auf jeden Fall.

Von hier nahm ich den Bus nach Lima. Das war sehr unterhaltungsreich. Immer wieder kamen Musiker in den Bus, spielten ein Stück und kamen dann kassieren. Manchmal kamen auch Leute, die irgend etwas verkaufen wollten. Einer Glatzköpfiger wollte Haarwuchsmittel verkaufen. Die vielen Käufer haben sich offenbar nicht gefragt, weshalb er es denn selber nicht genommen hat. Ich bin dann irgendwo in Lima ausgestiegen, weil ich dachte, daß es näher sei. Ob es das schlußendlich war, konnte ich nie beantworten. Jedenfalls kannte keiner der Taxifahrer die Adresse, die ich ihnen zeigte, um zu meinen Leuten zurückzukommen. Dafür schickten sie mich zweimal zu Fuß über eine mehrspurige Autobahn. Das gefiel mir nicht sonderlich, aber scheint in Peru so üblich zu sein. Schließlich fand ich die richtige Ausfallstraße zu Fuß und nahm von dort einen öffentlichen Bus.

Kloster in Arrequipa

Kloster in Arrequipa

Sich in Lima zu orientieren ist nämlich nicht gerade einfach, selbst wenn ich eine Karte gehabt hätte, wäre es mir kaum viel leichter gefallen. Die Busse sind auf der Seite angeschrieben, man weiß deshalb nie, in welche Richtung sie fahren. Wenn man die Chauffeure dann fragt, wohin sie fahren, können oder wollen sie keine klare Antwort geben. Da in Lima im Sommer eine recht trübe Wetterlage herrscht, kann man sich dann auch nicht an der Sonne oder den nahen Anden orientieren.

Als ich dann nach ein paar Tagen in Lima wieder im Flugzeug nach Hause sass, wusste ich, dass dies nicht meine letzte Reise gewesen sein würde, dafür hatte ich zuviel erlebt. Obwohl es mir sehr gut gefiel, hatte ich auch meine Nöte und war froh, als ich wieder daheim landete.

 

Südamerikareise durch Peru 1997

Kirche in Lima

Kirche in Lima

Als ich im Flugzeug nach Lima saß, erfaßte mich durchaus eine gewisse Aufregung. Nicht nur, daß ich zum ersten Mal den europäischen Kontinent verließ; die ganze Reise schien mir auch unglaublich schlecht organisiert. Ich sprach kaum ein Wort Spanisch und sollte in Lima bei einer Familie wohnen, von der ich nicht mehr wußte, als daß sie mich am Flughafen werden abholen und nichts als Spanisch sprechen.

Nach einem langen Flug war ich froh, daß meine Freunde zu hause während des Fluges genug Zeit gehabt hatten, um alles zu organisieren. Ich wurde also von einem netten Peruaner abgeholt und in irgend einen Vorort von Lima gebracht. Dieser erschreckte mich im ersten Augenblick sehr: ich hatte das Gefühl, in einem Slum gelandet zu sein. Tatsächlich war es eine eher ärmliche Gegend, doch sahen die wirklichen Slums noch eine Spur trauriger aus. Bis ich mich aber nachts alleine raus traute, sollten noch ein paar Tage vergehen.

Hauptplatz in Cusco

Hauptplatz in Cusco

Nachdem mir Freunde der Familie, mit welcher ich lebte, die Stadt gezeigt hatten und, wie von Geisterhand, nach drei Tagen meine Mischung der Lateinvokabeln mit französischer Grammatik langsam auch für Spanisch Sprechende verständlich wurde, entschloß ich mich, nach Cuzco weiterzuziehen. Im Flugzeug stellte ich fest, daß ich am Vortag irgend etwas Schlechtes gegessen hatte, denn mir wurde unerträglich übel – doch nicht in der Art der Reisekrankheit. So kam es, daß im selben Moment wie ich den Flieger so auch das Essen mich verließ und sich mit der Rollbahn vergnügte. Immerhin wurde ich anschließend von der Sanität liebevoll betreut, wenngleich sie meinten, daß ich die Höhenkrankheit hatte. Danach lag ich zwei Tage in einem Hotel in Cuzco und hatte leichte bis mittlere Delirien. Ein sehr interessanter Zustand, aber wohlgefühlt habe ich mich dabei nicht. So kam es, daß ich von Cuzco selbst nicht sehr viele und noch weniger ungetrübte Erinnerungen mitbrachte. Immerhin machte ich die wichtigsten Ausflüge: zu den Märkten und mit dem Zug (wandern wäre sicher schöner gewesen, aber das hätte ich mir so nicht zugetraut) nach Machu Pichu. Trotz seiner touristischen Magnetkraft hat mir diese Stadt ausgesprochen gut gefallen. Das wundervolle war jedoch eher die wildromantische Umgebung als die dachlosen Gebäude. Dass Leute, welche den viertägigen Trek unter die Füsse nehmen, schlussendlich von den Ruinen enttäuscht sind, kann ich mir deshalb leicht vorstellen – die Tage zuvor mussten sie mit der bizarren Landschaft bereits ermüdet haben.

Die alte Inkastadt Machu Pichu

Machu Pichu

Am nächsten Tag ging es nach Puno weiter. Ich muß gestehen, daß sich hierin meine Einschätzung von der Ansicht vieler anderen unterschied, denn mir gefiel das kleine Universitätsstädtchen am Ufer des Titicacasees recht gut. Das lag vielleicht daran, daß ich in einem guten Hotel hauste (zwar war es eiskalt und die Temperaturen unterschritten den Gefrierpunkt sicherlich jede Nacht, aber ich hatte genügend Wolldecken bekommen. Die Kälte zeigte sich mir eigentlich nur am Morgen in ihrer vollen Härte, dann nämlich, wenn ich kaum aus dem warmen Bett kam. Immerhin liess sich dieser Kälteschock schnell beheben, wenn man das Hotel verliess und an die intensive Sonne sass.) und sehr interessante Bekanntschaften mit Einheimischen wie auch anderen Reisenden schloß. Allerdings gefiel es mir auch, daß es in Puno verboten ist zu hupen, was nach den beiden vorher besuchten, lauten Städten höchst angenehm war.

Urosinsel auf dem Titicacasee

Urosinsel auf dem Titicacasee

Die Stadt besichtigte ich mit einem freundlichen Trikschafahrer. Er hatte mich in der ersten Nacht zum Hotel gefahren. Als ich ihn bezahlen wollte, hatte ich allerdings kein Kleingeld und gab ihm etwa zehn Franken statt nur einen. Das stellte ihn aber vor ein Problem, da er selbst das Wechselgeld nicht besaß. Da ich müde war, hatte ich keine Lust eine halbe Stunde auf die paar Franken zu warten und sagte, er könne sie behalten, wenn er mich am nächsten Tag zu einer bestimmten Zeit abholen würde und mir die Stadt zeigen würde. Tatsächlich stand er am nächsten Morgen vor der Tür und zeigte mir dann die Stadt. Danach hatten wir zwar nicht mehr abgemacht, doch brachte er mich an die verschiedenste Ort, wenn immer er mich auf die Straße traf. Ich lud ihn auch einmal zu einem Trink ein. Als ich das Busticket nach La Paz kaufte und viel zu viel zahlte, brachte er es höchst persönlich zurück und gab mir das Geld dann zurück. Hier hat sich die Großzügigkeit sehr ausgezahlt.

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