Japanische Höflichkeiten und verkappte Kriegsveteranen

Liebe Leute,

ich weiß, dass es die meisten Leute nicht sehr schätzen, auf groß angelegten Mailinglisten zu landen. Trotzdem erlaube ich mir, Euch wieder von meinen Reisen zu berichten, zumal ich bereits Zuschriften bekommen habe und gefragt wurde, wo denn meine Berichte blieben. Hier kommt also der erste. Da ich jedoch niemanden vollmüllen möchte, steht es natürlich jedem offen, sich wieder vom Verteiler wegnehmen zu lassen. Hier also mein erstes Mail:

Wiedersehen mit Mio

„Bitte halten Sie Ihre Papiere bereit“, steht in bunten digitalen Lettern groß über der Immigrationbox. Dann folgen ein paar schöne Kanjis (chinesische Schriftzeichen), die mich sogleich frustrieren. Habe ich nun doch ein Jahr lang die Sprache gelehrt und verstehe noch immer nicht, ob ich nun meinen neuen, bunten Pass dem Beamten entgegenstrecken muss oder ob ich irgendwo die so genannte Alien Registration Card (die übrigens wegen ihrer durchaus dubiosen Namensgebung vor allem bei Langzeitaufenthaltern oft als rassistisch empfunden wird) suchen gehen und ausfüllen muss. Schließlich stellt sich heraus, dass ich bloß ein kurzes Papier ausfüllen muss. Die dubiose Karte scheint abgeschafft worden zu sein, wenngleich mir Einwanderungsbehörde noch immer sehr xenophob vorkommt. Der Beamte schaut auf meinen Laptop und fragt, ob ich einen Businesstrip mache. Die Antwort, dass ich Tourist sei, hatte er wohl kaum erwartet. Er ließ mich trotzdem passieren, stempelte mir aber nicht die gewünschte Maximalaufenthaltsdauer in den Pass. Danach werde ich abgetastet, ob ich nicht Waffen aus dem Flugzeug (!) nach Japan schmuggle…

Kühle Gräber und zuckersüsse Volvos

Liebe Freunde,

mittlerweile bin ich von meinem ereignisreichen Trip nach Hause gekommen und sitze an meinem Computer, um Euch Schoggi essend von meinen letzten Erlebnissen zu berichten.

In einem Park in Yazd mit meiner "Ehefrau" Mio

Das letzte Mal habe ich mich aus Esfahan gemeldet. Von dort sind wir weiter nach Yazd gefahren, einer iranischen Wüstenstadt mit einer recht ausgedehnten Altstadt voller engen Gässchen, verwinkelten Ecken und den omnipräsenten Kühltürmen. Da es in der Gegend sehr heiss werden kann, wurden die Häuser traditionell mit speziellen Aufsätzen versehen, welche die Luft in die Gebäude umleiten und dank der damit erreichten Zirkulation wohltuend kühlend wirken. Da ich aber sowieso in einem klimatisierten Hotelzimmer wohnte, hatten diese Türme für mich nur eine architektonische Bedeutung.

Schweinische Visareien und kartenspielende Kopftücher

Hallo Leute,

da dies hier das erste Internetcafe ist, das ich seit meiner Einreise in den Iran gesehen habe, nahm ich die Gelegenheit wahr, um ein kleines Mailchen an alle zu schicken. Ich bin zwar erst seit ein paar Tagen im Iran, doch so vieles ist so sehr anders als ich es mir vorstellt habe und das lässt mir keine Ruhe, bis ich davon berichte. Ich bitte deshalb um Nachsicht, dass ich schon wieder mit meinen Geschichten aus der Ferne langweile.

Super-delux-Bus (Tabrizterminal)

Nunja, der erste Eindruck von Iran war eigentlich die Botschaft in Erzurum. Wir hatten grosses Glück und dieser Eindruck wurde für ein guter – normalerweise äussern sich die meisten Touristen eher negativ dazu, wieder andere geben es gleich auf und reisen nach Syrien oder in ein anderes „anständiges“ Land, ohne dabei zu ahnen, was sie verpassen. Die Sache ist nämlich die, das die ganze Visumgeschichte eine grossangelegte Schweinerei ist. Die Bestimmungen, wer ein Visum bekommt und wer nicht, sind alles andere als klar. Viele Leute gehen auf die Botschaft, und werden dort vom Botschafter höchstpersönlich darauf hingewiesen, dass sie mit einer „geführten Tour“ reisen müssen. Das ist natürlich nicht wahr. Etwas anderes müssen sie jedoch tun: ein Reisebüro aufsuchen (der Botschafter gibt die Adresse und betont, dass es kein anderes sein könnte) und einen Aufpreis von 80 Dollar für die besagte „geführte Tour“ hinblättern, die aber letztlich nichts anderes ist, als ein Bestechungsgeld, welches sich der Botschafter und das Reisebüro teilen.

Ruinierte Militäreskorten und kurdische Sonnenuntergänge

Liebe Leute,

die Reise scheint immer interessanter zu werden. Schon in Yusufeli, von wo ich das letzte Mal geschrieben habe, hatte die Reise eine ausgesprochen politische Komponente erfahren. Als wir nämlich nach Kars autostoppen wollten, hielt die Jandarma an. Auch wenn der Name schwer nach Polizei klingt, handelte es sich dabei um das im Osten omnipräsente Militär. In einem Lieferwagen, mit einem Fahrer und drei bewaffneten Soldaten, die ihre Maschinengewehre nur aus der Hand liessen, wenn sie uns irgendwelche türkischen Leckereien anboten, fuhren wir zur alten georgischen Ishan Kirche hoch. Dass wir uns die Kirche eigentlich schon am Vortag angesehen hatten, und die (angeblichen) fünf Kilometer zu Fuss auf dem Berg marschiert waren, liess sich angesichts dieser Freundlichkeit kaum erwähnen. Trotzdem war es ganz gut, dass wir die Kirche (oder besser die Überreste derselben – besonders erstaunlich hierbei ist, dass die Wände ziemlich eingefallen waren, aber die Decke mit ihren rund tausendjährigen Fresken noch intakt war) schon vorher genauer angeschaut haben, denn in militärischen Manier hatten wir nur fünf Minuten Zeit, bis der Wagen diese wilde Bergstrasse wieder runterfuhr. Angesichts der Verkehrsdichte (ca. 1 Auto pro zwei Stunden) kann man sich dort oben keine Mitfahrgelegenheit entgehen lassen.

Kathedrale von Ani

Schliesslich wechselten wir in einen normalen PKW, der uns bis fast nach Kars brachte und dessen Fahrer sich spontan als Geschäftsmann outete, indem er uns am Ende einen nicht zu geringen Fahrpreis verlangte. Müde von der Hitze und der kurvigen Strasse, liessen wir uns auf keine langen Diskussionen ein und bereicherten den armen Talbotfahrer.

Ostanatolische Teehäuser und VIP Daumen

Hallo Leute,

Wir versuchen per Anhalter voran zu kommen

vor ein paar Tagen bemerkte ein Freund von mir, dass ich nie Politiker werden dürfe, denn dann hätte auch ich bald eine „Meilenaffäre“ am Hals. Tatsächlich habe ich vor ein paar Tagen erneut meine Flugmeilen eingelöst und bin in die Türkei geflogen, um dort Mio wieder zu treffen.

Nach nur einem Tag in Istanbul (ich kenne die Stadt ja schon vom letzten Frühling) sind wir nach Kappadokien gefahren. Eigentlich wollten wir ja per Autostop dorthin gelangen, da es in der Türkei nur Superdelux Busse zu entsprechenden Preisen zu geben scheint. Um das zu tun, liefen wir durch die halbe Stadt zur E5 und hielten dort eine Stunde den Daumen heraus, bis wir glaubten, dass wir vielleicht auf der falschen Fahrbahnseite stünden und im Reiseführer nachlasen. Dem war nicht so, aber wir erfuhren, dass die Leute offenbar zum Autostoppen nicht den Daumen raushalten, sondern eine Art Basketball spielten. Wir machten das, jedoch auch ohne Erfolg, so dass wir am Abend schliesslich den Nachtbus nahmen.

Indienreise

Mio verkleidet sich als Oliver

Mit einem unglaublich glücklichen Zufall begann meine Indienreise: als ich in Frankfurt mein Flugzeug besteigen wollte, erfuhr ich, dass es überbucht sei und dass ich das Geld für den Flug zurückbekäme, wenn ich via Bangkok flöge. Dies habe ich getan – mit der Konsequenz, dass ich rund 20 Stunden später in Indien ankam, als ich geplant hatte. Entsprechend schnell wollte ich dann nach Goa fahren, wo Mio (wer meine älteren Reiseberichte gelesen hat, dürfte diese verrückte Japanerin bestens kennen) schon seit ein paar Wochen auf mich wartete.

Kirche in Anjuna

Nach einigem Herumfragen, wie ich am schnellsten nach Goa käme, musste ich feststellen, dass die Antworten stark mit den Interessen der Befragten zusammen hingen: gewisse Taxifahrer meinten, dass sich dies am besten bewerkstelligen ließe, wenn ich in Bombay ein extra teures Hotel oder das Taxi gleich für die ganze Strecke nähme. Andere wollten mich auf den Bahnhof bringen, wo der Zug jedoch erst viel später fahren sollte. Schließlich glaubte ich einem Mann, der sich später als Busfahrer entpuppte, dass mich der schnellste Weg nach Puna führen würde, wo ich den Bus wechseln könne oder preiswert übernachten. Beides war nicht wahr. Den Bus hätte ich wohl wechseln können, wäre da nicht ein Streik gewesen und die Hotel nutzten es gnadenlos aus, dass ich mich dabei nicht allzu wohl fühlte, mitten in der Nacht über all die auf den Bürgersteigen schlafenden Obdachlosen zu steigen, um bei der Konkurrenz ein preiswerteres Zimmer zu finden. Ich nächtigte deshalb schon im drittbesten und nahm am nächsten Nachmittag den Airconzug gen Süden.

Strand von Anjuna

Immerhin kam ich irgendwann in Anjuna an, ließ Mio wecken und es fand ein freudiges Wiedersehen statt. Sie hatte sich dort ein kleines Häuschen gemietet, das sie mit einer anderen Japanerin teilte. Meine Hoffnung, so diese Sprache schnell erlernen zu können, hätte darob Purzelbäume schlagen können, wenn sie nicht ein abstrakter Begriff wäre. Bald musste ich jedoch erkennen, dass Japanisch doch noch ein bisschen schwieriger ist, als ich ursprünglich gedacht hatte. Auch vom Ort selber wurde ich enttäuscht. Was hier bewegte, war einzig die Frage, ob die nächste Party durchgeführt werden würde, oder von der Polizei aufgehoben. Das hatte bei den Partyinitianten eine Geheimniskrämerei zur Folge, welche wiederum bedingte, dass die Partygänger die Hälfte der Nacht damit verbringen mussten, herauszufinden, wo denn jene Party stattfinden würde. Hätte jene eine Party während der Zeit, die ich dort verbrachte, stattgefunden, dann wäre sie wohl kaum anders verlaufen als jene die Wochen zuvor: zwei Stunden feiern, bis die Polizei kommt, sich an einem anderen Ort versammeln, bis die Polizei wieder räumt und das die ganze Nacht hindurch…

Aussicht in Hampi

Als ich Mio nach ein paar Tagen bewegen konnte, nach Hampi zu fahren, stimmte mich das recht glücklich. Nicht nur weil Hampi ein Kultur versprechender Ort ist, sondern auch, weil dort andere Freunde auf mich warteten. Doch kaum war ich dort, wurde jene Freude durch ein traurige Ereignis getrübt. Eine junge indische Mutter, die mit ihrer ganzen Familie an den heiligen Ort gepilgert ist, ertrank auf mir unerklärliche Weise im untiefen und ruhigen Wasser, als sie sich waschen wollte. Als ich später Indern beim Baden zusah, wurde mir dies ein bisschen verständlicher. Es schien mir, dass die meisten nicht schwimmen können. (Dafür spricht auch die Tatsache, dass in Varanasi Bootsfahrten mit Geldrückgabegarantie angeboten werden, wenn man im Fluss keine Leiche sieht.) Nichts desto trotz ist Hampi ein sehr schöner Ort voller magischer Anziehungskraft. Der kleine Raum, in dem wir wohnten, ist mitten in den Ruinen angesiedelt. Die ganze Gegend ist mit großen und bizarren Felsbrocken übersät, als hätten vor Jahrtausenden hier ein paar Riesen Billard gespielt. An einem Abend sind wir zu viert auf ein paar Felsen jenseits des gefährlichen Flusses geklettert und haben von dort beobachtet, wie die untergehende Sonne den Himmel rot färben wollte, was ihr nicht wirklich gelang und deshalb als einsamer roter Ball verschwand, während im Vordergrund ein paar indische Kinder Tee verkaufen wollten und erzählten, dass sie Chacky Chan mögen.

Alte Tempel in Hampi

Obwohl der Ort seine Anziehungskraft lange noch nicht verloren hätte, wollten wir nach Bangalore weiter. Diese Stadt wird gelegentlich als Hightechcity bezeichnet. Ich fand, dass man das nicht einmal mit sehr viel gutem Willen tun könnte. Tatsache ist aber, dass in der Stadt mehrere Computerfirmen für einen relativen Wohlstand sorgen. Auch lässt sich ein stark verwestlichtes Verhalten der lokalen Inder feststellen. Man kann Händchen haltende junge Pärchen dabei beobachten, wie sie in den KFC spazieren – beides Dinge, welche man in anderen Städten kaum sieht.

Beim Einkaufen

Da Bangalore an Sehenswürdigkeiten wenig zu bieten hatte, vertrieben wir uns die Zeit anders. Wir kauften ein kleines Schachbrett, das dann wohl den Verlauf der weiteren Reise stark beeinflusst hat und gingen ins Kino, um RAAZ zu sehen. RAAZ ist ein indischer Film, wie er zu sein hat: obwohl als brutaler Horrorfilm konzipiert (der im übrigen in Ooty spielte, wo wir später noch hin wollten), konnten es die Regisseure nicht lassen, die Hauptdarsteller singend eine Romanze einzugehen. Da mir die Songs (insbesondere Shanti Shanti Hey) gefielen, erwarb ich später den Soundtrack auf Kassette. Eine CD ließ er sich nicht finden – trotz Hightech!

Palast von Mysore

Die nächste Destination war Mysore. Wir sind abends angekommen, kamen bald in einem sehr schönen Hotel preiswert unter und machten uns auf den Weg zu einem tibetischen Restaurant, das im Reiseführer eingezeichnet war. Wer schon in Tibet oder tibetischen Gebieten war, wird es kaum nachvollziehen können, weshalb wir uns einen Buttertea genehmigen wollten… im Nachhinein erscheint es mir selbst höchst abwegig. Und tatsächlich zeigte sich die Abwegigkeit dann auch in der Situation: wir haben das Restaurant nicht gefunden (auch an den folgenden Abenden nicht) dafür haben wir die ganze Stadt gesehen. Mysore ist eine bemerkenswert schöne Stadt. Nicht nur der sehenswerte Maharajapalast ist sehr eindrücklich, sondern an allen Ecken finden sich prunkvolle Bauten, die vielfach in einem recht guten Zustand sind. In einem dieser Gebäude, gab es ein Museum, in dem alte indische Instrumente ausgestellt wurden. Als wir dort hereinkamen, zeigte sich der Vitrinenputzer von Mio recht begeistert und spielte ihr (ob das wohl Liebeslieder waren?) auf den alten Sitaren vor. Hätten wir nicht am zweiten Abend im „Restaurant Shanghai“ gegessen, hätte ich den dritten Tag auch auf Erkundungstour statt über dem Lavabo verbringen können. Als ich schließlich wieder auf den Beinen war, wollte ich die Stadt schnell verlassen. Auf nach Ooty, war das Motto. Lass uns sehen, wo RAAZ gedreht wurde.

Kann man mich mit einem Inder verwechseln?

Die Fahrt nach Ooty führte uns auf bemerkenswert ungemütlichen Strassen, die allerdings die Reise nach Hampi nicht übertreffen konnten (dort sind wir mit einem Sleeperbus gefahren, in dem es uns bei jedem zweiten Schlagloch 10cm aus den Betten gehoben hat), durch ein sehr schönes Naturschutzgebiet in die Höhe hinauf. Ooty ist der Ort, wo viele Inder gerne auf ihrer Hochzeitsreise gehen. Entsprechend fand man in den Restaurants auch Honeymoon-Special-Icecream, die wir aber nicht versuchten. Vielleicht deshalb, weil wir uns nichts köstlicheres, als Butter-Scotch vorstellen konnten, vielleicht auch weil in der großen Höhe nicht gerade das ideale Eiscrèmewetter herrschte. Nacht für Nacht froren wir in unserem Zimmer mit dem zertrümmerten Telefon und dem Hauptlicht, dass ausging, sobald wir den Tauchsieder einsteckten. Letzteren mussten wir kaufen, um damit den Kessel Wasser wenigstens so warm zu kriegen, dass wir „duschen“ konnten. Das heißt, jemand von uns musste jeweils eine Stunde früher aufstehen, um das Gerät einzuschalten und ins Wasser zu legen. Um uns aufzuwärmen, konnten wir uns auf den Balkon setzen und von dort im Sonnenschein den Blick auf die uns immer allzu früh weckende Moschee in der Nähe oder die an sich dicht bewachsenen Hügel in der Ferne richten.

Kloake von Ooty

Der zentrale See von Ooty.

In Ooty hatten wir viele belustigende Begegnungen mit anderen Indern. (Vermutlich wegen den etwas instabilen politischen Verhältnissen ließen sich andere Touristen kaum blicken…) An einem Nachmittag, an dem Mio und ich von den Indern als verheiratet angesehen wurden, weil wir uns einen Lollipop teilten, wurde ich gefragt, ob ich ein Japaner sei. Nun gut, habe ich mir gedacht, wenn die schon glauben, dass ich mit einer Japanerin verheiratet sei, weshalb sollte da nicht auch ich Japaner sein. Am nächsten Tag gingen an einen kleinen See, wo wir uns mit diversen Honeymoonlern ablichten lassen mussten, dort wurde ich gefragt, ob ich ein Nepali sei. Als ich daraufhin verneinte und erklärte, dass ich aus der Schweiz käme, fragte mich derselbe, ob sich das in Asien befände. Im Hotel musste ich dann zuerst wieder einmal in den Spiegel schauen!

Kerala Backwaters

Weil wir uns jedoch der Kälte nicht länger aussetzen wollten, entschlossen wir uns nach Kerala zu fahren. Das führte uns zuerst nach Cochi, einer Stadt auf vielen Inseln und mit hervorragendem Seefood. Mir gefiel es recht gut, auch weil wir ein sehr schönes Hotel mit Balkon an ruhiger Lage fanden. Allerdings unternahmen wir nicht allzu viel vor Ort. Wir verbrachten viel Zeit in Restaurants, Reisebüros und alten Kirchen. Manchmal haben wir uns auch die eine oder andere Sehenswürdigkeit angeschaut, wie zum Beispiel das Judenviertel, wo ich mich aber ein bisschen fürchtete, dass mich ein Taxifahrer, mit dem ich zuvor fast eine Schlägerei gehabt hätte, wiedererkennen könnte. Um Kochin (wie die Stadt bisweilen auch geschrieben wird) gibt es eine wunderschöne Natur, durch die wir mit einem Boot gefahren sind.

Unsere Hütte in Palolem.

Schließlich ging es wieder nach Goa zurück. Diesmal an den Strand von Palolem. Dieser Ort war durchaus nichts besonderes, aber wir konnten im warmen Meer baden (allerdings waren die Wellen so hoch, dass ich aus Versehen Mio einmal mein Knie in ihr Bein rammte und sie danach den Rest der Zeit einen blauen Flecken mit sich führte). Anfangs hatten wir sogar eine schöne Hütte, aus der wir jedoch wieder herausgeworfen wurden, weil wir nicht bereit waren, plötzlich mehr zu zahlen als wir abgemacht hatten. Zudem gingen weder die Toiletten noch der Strom. Das tägliche Highlight des Ortes war wohl der Sonnenuntergang, den wir jeden Abend von einer anderen Stelle aus anschauten. Einmal wurden wir sogar von westlichen Touristen gefragt, ob sie uns photographieren dürften – angeblich sahen wir so süß aus…

Letztes Schachspiel vor dem Abschied.

Schließlich hieß es Abschiednehmen. Ich fuhr mit dem Nachtzug nach Bombay und sah mir diese Metropole an. Ich war über den, zugegeben etwas heruntergekommenen, Glanz der Stadt recht überrascht – hatte ich doch immer nur von Slums und Bettlern gehört. Tatsächlich habe ich auf meiner Reise beides recht selten gesehen, vermutlich aber, weil ich nur im „reichen“ Süden reiste. Als ich bei Sonnenaufgang durch die Stadt lief, sah ich unter Arkadengängen einige Obdachlose schlafen. Einer von ihnen lag auf einer Decke und umarmte seine Freundin. Beide hatten zerzauste Haare und waren schmutzig; aber sie hatten ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht.

Nach einem Tag in Bombay fuhr ich während der Stoßzeit in der dritten Klasse in einem Vorortszug in Richtung Flughafen. Es gehört ja bekanntlich zu meinen Prinzipien nicht mit dem Taxi vom und zum Flughafen zu fahren. In Indien bedeutete das jedoch noch größere Unannehmlichkeiten als sonst wo. Die Leute hingen aus den Türen heraus, manche waren nur mit einem Fuß im Zug. Wenigstens wusste ich bei dem Gedränge, dass mir nichts gestohlen werden könnte, denn auch ein Dieb hätte sich nicht bewegen können. Nach langem Warten auf dem Flugplatz (aus unerklärlichen Gründen kommen und gehen alle internationalen Flüge während der Nacht), konnte ich wieder in die winterliche Schweiz zurückfliegen…

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