Ostanatolische Teehäuser und VIP Daumen

Hallo Leute,

Wir versuchen per Anhalter voran zu kommen

vor ein paar Tagen bemerkte ein Freund von mir, dass ich nie Politiker werden dürfe, denn dann hätte auch ich bald eine „Meilenaffäre“ am Hals. Tatsächlich habe ich vor ein paar Tagen erneut meine Flugmeilen eingelöst und bin in die Türkei geflogen, um dort Mio wieder zu treffen.

Nach nur einem Tag in Istanbul (ich kenne die Stadt ja schon vom letzten Frühling) sind wir nach Kappadokien gefahren. Eigentlich wollten wir ja per Autostop dorthin gelangen, da es in der Türkei nur Superdelux Busse zu entsprechenden Preisen zu geben scheint. Um das zu tun, liefen wir durch die halbe Stadt zur E5 und hielten dort eine Stunde den Daumen heraus, bis wir glaubten, dass wir vielleicht auf der falschen Fahrbahnseite stünden und im Reiseführer nachlasen. Dem war nicht so, aber wir erfuhren, dass die Leute offenbar zum Autostoppen nicht den Daumen raushalten, sondern eine Art Basketball spielten. Wir machten das, jedoch auch ohne Erfolg, so dass wir am Abend schliesslich den Nachtbus nahmen.

In Kappadokien wurden Behausungen in den Felsen gehauen.

Kappadokien selbst ist eine wundersame Region im Zentrum Anatoliens, nicht so weit von Ankara. Vor ein paar Jahren (ich glaube so um die sechs Millionen) wurde die ganze Gegend von einigen Vulkanen mit Asche eingepudert. Seither besteht die ganze Landschaft aus dem weichen Tuffstein. Das hatte zur Folge, dass schon die Haetiten vor 4000 Jahren erkannten, dass es leichter ist, eine Höhle zu erweitern als ein sicheres Haus zu bauen. Seither ist die ganze Gegend löcheriger als ein Emmentaler geworden. Ganze Städte sind unterirdisch gebaut worden, die durch kilometerlange Gänge untereinander verbunden sind und in Kriegszeiten ein absolut sicherer Zufluchtsort waren. Sie blieben auch etwa bis zur Gründung der Türkei besiedelt; doch durch das etwas traurige Kapitel mit den vielen ethnischen Umsiedlungen bei der Gründung, kam es, dass sich die christlichen Bewohner plötzlich in Griechenland wiederfanden.

Da der Ort recht eindrücklich ist, wird er auch sehr häufig besucht und die ganze touristische Infrastruktur ist entsprechend gut. Wir hatten zum Beispiel ein ganz romantisches Hotel, dessen Zimmer einfach in einen Felsen gehauen war, klassisch halt…

Hängebrücke in Yusufeli

Nach zwei Tagen fuhren wir mit dem Bus nach Erzurum. Dabei sprachen wir beim Warten längere Zeit mit einem jungen ethnischen Armenier mit türkischem Pass. Er konnte nicht viel mehr hervorbringen, als dass er sein Land wegen der Engstirnigkeit seiner Landsleute hasst und nun Englisch lernt, damit er möglichst bald auswandern könne. Wie auch schon alle Leute zuvor, warnte auch er uns vor den schlechten Leuten im Osten, namentlich den bösen Kurden. Das stellte sich sowieso als ein Reisebegleitendes Prinzip heraus, dass alle Einheimischen zu glauben scheinen, dass die Leute im nächsten Dort böse und kriminell seien. Kaum ist man jedoch in diesem angeblich bösen Dorf angekommen, wird man gleich zum Tee eingeladen, zum Backgammon aufgefordert und erlebt auch sonst die Freundlichkeit der lokalen Bevölkerung.

Fluss durch Yusufeli

Nach Erzurum, wo wir die Hauptzeit in Teehäusern verbrachten und es mit den Männern (es war wirklich nie eine andere Frau als Mio dort zu sehen) lustig hatten, fuhren wir nach Yusufeli, der Stadt mit dem schönsten Namen Ostanatoliens. Hier gab es früher ein georgisches Koenigreich und im ganzen Tal gibt es über tausend Jahre alte Kirchen verstreut. Leider mussten wir feststellen, dass es dorthin keine Transportmöglichkeiten gibt, so dass wir hoffen, dass diesmal unser Basketballspiel nicht missverstanden wird…

Oh, ein Auto kommt…

Bis bald,

Oliver

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