Melaka: Mit der Oma in die Altstadt

 

Die Christ Church im Zentrum von Melaka ist das Wahrzeichen der historischen Stadt.

Nach der Hauseinweihung stand am nächsten Tag ein Familienausflug nach Melaka auf dem Programm. Da ich sowieso bei den Leuten wohnte, nahmen sie mich kurzerhand zum Besuch der historischen Stadt mit. Seit ich vor zwölf Jahren das letzte Mal hier war hat sich einiges verändert.

Wir waren neun Leute. Mir hätte eigentlich von Anfang an klar sein sollen, dass sich mit einer so großen Gruppe nicht wirklich reisen lässt. Kaum waren wir in der Stadt angekommen begann der Vater zu klagen, dass es ihm von der Hitze schwindelig werde. Also ging die ganze Familie kurzerhand ins nächste Einkaufszentrum, um sich dort in den klimatisierten Räumen etwas abzukühlen.

Ich entschloss mich stattdessen die Stadt alleine zu erkunden. Melaka ist eine tolle Stadt, wo man als Geschichtsinteressierter locker mehrere Tage verbringen kann. Zahlreiche Kolonialmächte hatten die Stadt einige Jahre unter Kontrolle und jede dieser Mächte hat seine Spuren im Stadtbild hinterlassen. Am deutlichsten ist das im Zentrum bei der roten Christus-Kirche, welche noch von den Holländern stammt.

Die alten Kolonialhäuser dienen heute teilweise als Museen.

Sehr schön ist auch der chinesische Teil der Stadt. Hier konnte sich die chinesische Kultur und Architektur in einer Weise erhalten, wie man sie auf dem chinesischen Festland heute nicht mehr sieht: An langen Straßenzügen reiht sich ein altes Haus ans andere. Unten befindet sich jeweils das kleine Geschäft der Familie, im oberen Stock wohnt man. War bei meinem letzten Besuch vor zwölf Jahren noch alles ein bisschen schmuddelig, hat man inzwischen alles sauber herausgeputzt. Mit den Kanälen, die durch diesen Teil der Stadt ziehen, erinnert Chinatown ironischerweise ein bisschen an Amsterdam.

Einblick ins Familienleben

Zurück im Einkaufszentrum erfahre ich einiges über meine Gastgeber. Die Familie besteht aus einem Sohn und zwei Schwestern. Und wie das bei Familien meistens der Fall ist, steht der Haussegen etwas schief. Der Grund für die heutigen Spannungen war – zumindest vordergründig – religiöser Natur. Der Sohn hat wegen seiner neuen Freundin die Religion gewechselt. „Irgendetwas Japanisches“, erklärte man mir nur. Ob Zen oder eher eine Sekte konnte oder wollte man mir nicht erklären.

Ein altes Herrschaftshaus, mitten in China Town.

Das alleine wäre für die buddhistische Familie jedoch kein so großes Problem gewesen. Doch hatte sich die Mutter heimlich auch der neuen Religion zugewandt. Aus rein praktischen Gründen. Für sie sind die Kinder in alter chinesischer Tradition so etwas wie die Rentenversicherung. Und obwohl die beiden Töchter die Hauptlast der Kosten tragen, während der Sohn sich lieber mit Glücksspielen versucht, spielt der Sohn in der Tradition doch die wichtigste Rolle.

Vor allem aber muss der Sohn die Beerdigung organisieren. Und die Mutter hatte Angst, dass er sich weigern würde, seine Mutter zu beerdigen, wenn diese einer anderen Religion angehört. Wieso dies allerdings ein Problem darstellen soll und wieso nicht ein anderes Kind diese Aufgabe übernehmen kann, habe ich nicht verstanden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Behalte mich mit Facebook im Augeschliessen
Powered by LikeJS
oeffnen
Dies ist der Footer Code