Mandu: Die verlassene Welt auf dem Bergkamm

Das Grabmal des Hoshang Shah soll das Vorbild für das Taj Mahal gewesen sein.

Mandu hat seinen Namen verdient: Übersetzt man ihn ins Deutsche, heisst er so viel wie „Stadt der Freuden“ oder „Stadt der Wonnen“. Oder sagen wir besser: Mandu hat sich den Namen teilweise verdient. Der Begriff „Stadt“ ist nämlich für das winzige Dorf im südwestlichen Madhya Pradesh wahrlich nicht angebracht. Von einer Art Dorfzentrum führen nur gerade drei oder vier Strassen in unterschiedliche Richtungen. In jede Richtung ist man nach einem zehnminütigen Fussmarsch auf den Feldern bei den Bauern. Dabei war das Dorf einst ein wichtiger und wohlhabender Ort. Etwa um das Jahr 1400 wurde Mandu zur Hauptstadt des Sultanats Malva erkoren und bis 1561 unabhängig regiert. Danach fiel sie in die Hände des Mogulherrschers Akbar, hatte jedoch als als Fürstenstaat bis zur Unabhängigkeit Indiens Bestand.

Der alte Palast von Mandu

Obwohl sich Mandu auf einer Hochebene befindet, wurde meine Hoffnung enttäuscht, dass es hier ein bisschen kühler sein könnte: Es herrschte die gleiche Gluthitze wie auch sonst. Allerdings hatte ich mich langsam an die hohen Temperaturen gewöhnt. Dass wir ganz klar ausserhalb der Saision reisten, zeigte sich auch im Hotel: Neben dem Besitzer gab es dort nur drei Gäste: Ein australischer Backpacker und ein Deutscher im mittleren Alter, der das Zimmer mit einem jungen, hellhäutigen Inder teilte und dasselbe so gut wie nie verliess.

Als ich, erschöpft von der zwar nicht sehr langen, aber nicht minder anstrengenden Busreise, duschen wollte, musste ich feststellen, dass kein Wasser aus der Leitung kam. Ich beschwerte mich. Der Besitzer führte mich daraufhin in ein leeres Zimmer am anderen Ende des Hotels und meinte lapidar: „Dusch hier. Das ist die einzige, die noch funkioniert.“

In indischen Kleidern.

Meine Reisebegleitung Wang hatte inzwischen Freude an indischen Kleidern gefunden und sich bereits vor ein paar Tagen ein Sari gekauft. Da wir jedoch beide nicht wussten, wie man das richtig wickelt, blieb es bisher im Rucksack. Hier im Hotel erklärte uns jedoch die Köchin, wie man das Tuch anzieht. Nun wollte Wang am nächsten Tag im ehemaligen Palast- und Repräsentationsviertel von Mandu ein kleines Foto-Shooting veranstalten.

Mit dem etwas seltsamen Mix aus traditionaler indischer Kleidung und einem westlichen Top zog sie die Aufmerksam der Arbeiterinnen im archäologischen Park auf sich, noch bevor wir den Jahaz Mahal oder „Schiffspalast“ (das Wahrzeichen Mandus) erreichen konnten.

Während einfache indische Frauen normalerweise einen Bogen um Ausländer machten, begannen diese nun auf uns einzureden. Da sie kaum Englisch konnten, war die Kommunikation nicht gerade einfach. Am Ende machten wir die Fotos zusammen. Ich hätte ihnen gerne später ein paar Abzüge der Bilder zukommen lassen, aber ich wusste nicht, wie man in Zeichensprache nach der Adresse frägt.

Blumen vor den alten Ruinen

Am nächsten Tag besuchten wir das Grabmal von Hoshang Shah. Das weiss glänzende Marmorgebäude soll für das Taj Mahal Pate gestanden sein. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht bestreiten und es handelt sich um das erste Bauwerk dieser Art auf dem indischen Subkontinent.

Gegenüber befindet sich der Münzenpalast (Ashrafi Mahal). Es ist von den drei archäologischen Zentren die am wenigsten beeindruckende Anlage. Die ursprüngliche Koranschule war später in das Grab des Herrschers Muhammend Shah verwandelt worden.

Auf der ganzen Hochebene befinden sich Relikte aus einer besseren Vergangenheit.

Besonders gut gefielen mir die Monumente, die sich größerer Entfernung vom Dorf befinden. So ähnlich wie in der Armenierstadt Ani in der Türkei sind hier die Ruinen einsam und verlassen in der Gegend verstreut. Mit einem Taxi fuhren wir in wenigen Minuten zu einer Karawansarai, die mich an Gebäude in der Türkei oder Zentralasien erinnerte. Das überrascht indes nicht sonderlich, wenn man weiss, dass die damalige Herrscherfamilie ursprünglich aus Afghanistan stammte.

Am Abend trafen wir wieder den Australier vom Hotel. Er empfahl uns, den „Sunset Point“ zu besuchen. Wie bereits erwähnt befindet sich Mandu auf dem Rücken einer Hochebene in einer Höhe von etwa 630 Meter. Am erwähnten Punkt bricht die Platte ab und man sieht in ein breites Tal.

Panorama von "Sunset-Point" in Mandu

 

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