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Mandalay: Besuch der verbotenen Stadt

Die Tempel auf dem Mandalay Hill erinnern mehr an ein Einkaufszentrum

Sehenswürdigkeiten in Militärsperrzonen haben immer einen etwas bizaren Beigeschmack. So auch der ehemalige Königspalast von Mandalay, der zwar durchaus interessant ist, aber kaum Authenzität bietet.

Von Freiheit keine Spur: Verbotsschild in Mandalay.

Gegenüber der Kasse stehen zwei bewaffnete Soldaten, die Maschinengewehren locker über die Schulter geworfen. Sobald ich die Eintrittskarten gekauft hab, weist mich die Dame auf ein Schild hin: Fotos verboten. Verlassen der Strasse verboten. Ich befinde mich im Zentrum von Mandalay vor den Pforten des ehemaligen Königspalasts.

Für alle die keine Geschichtsnerds sind, zunächst ein paar Hintergrundinfos: Mandalay diente in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 28 Jahre lang als Hauptstadt des birmanischen Königreichs. 1885 plünderten britische Truppen den Königspalast, schickten den König nach Indien ins Exil und machten aus Burma eine britische Kolonie mit der Hauptstadt Rangoon.

Blick auf den früheren Königspalast von Mandalay.

Die alten Gebäude wurden jedoch nicht berührt. Dies geschah erst im Zweiten Weltkrieg, als ihn die japanischen Armee bei Kämpfen in Schutt und und Asche legte. Was man heute als Tourist besuchen kann, hatte die Militärjunta Ende der 1990er-Jahre wieder aufgebaut. Angeblich auch unter dem Einsatz von Strafgefangenen.

Eindrücklich ist die Rekonstruktion indes überhaupt nicht. Beim Schlendern durch die zahlreichen Hallen merkt man leicht, dass die hier präsentierte Geschichte nicht wirklich historisch ist. Am authentischsten sind die Schrottteile rund um den Palast: In einer Ecke gibt es beispielsweise noch einen verrosteten Spasszug aus einer Zeit, als Touristen sich auf dem Gelände noch frei bewegen durften.

Am besten gefiel mir der Aussichtsturm mit seiner seltsam gewundenen Aussentreppe. Von der rund 30 Meter hohen Plattform hat man eine gute Aussicht auf den Palast und die Bereiche der Stadt, die man eigentlich nicht sehen dürfte.

Vier Brücken führen zu Toren, durch die man aufs Palastgelände gelangt.Touristen dürfen nur den östlichen Eingang nehmen – was mir einen langen Umweg verursacht, da sich mein Hotel gerade im Osten des Eingangs befand. Ich entschliesse mich über die nördliche Route zurückzugehen und den Mandalay Hill zu besteigen.

Der Haupttempel auf dem Gipfel des Mandalay Hills.

Endlose Treppen, die man nur barfuss betreten darf, führen in die Höhe. Der Weg ist länger als erwartet, so dass ich den Sonnenunteregang knapp verpasse. Eindrücklich ist die Sicht dennoch. Während der Palast alles andere als einladend war, scheint sich beim Mandalay jeder auf den Tourismus eingestellt zu haben. Unterwegs auf der Treppe kann man an jeder Ecke Postkarten und andere Souvenirs kaufen. Sogar die wichtigsten Tempel in der Nähe des Gipfels sehen eher aus wie Einkaufszentren und nicht wie ein religiöser Ort.

Am Fusse des Mandalay Hills decke ich mich mit Strassenessen ein und mache mich in der Dunkelheit auf den Weg zum Hotel, vorbei an hunderten jungen Menschen, die im Schatten vor dem Wassergraben ein bisschen Romantik verspüren wollen.

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