Kuala Lumpur: Zu Gast bei einer Hauseinweihung

Steamboat: Das traditionelle malaysische Gericht wird auf einem Kleintransporter serviert.

Es hat perfekt in meine Reiseplanung gepasst: Auf dem Weg von Peking nach Indonesien musste ich ohnehin in Kuala Lumpur umsteigen. Als mich ein befreundetes Paar zur Hauseinweihungsparty eingeladen hatte, sagte ich sofort zu. Doch dann wurde doch alles ein bisschen familiärer als ich gedacht hatte.

Junge Paare haben überall auf der Welt den gleichen Wunsch: Sie möchten irgendwann ein schönes Haus kaufen. In Malaysia lässt sich dieser Traum vergleichsweise leicht verwirklichen: Sobald man aus den städtischen Ballungszentren rauskommt, sind die Wohnpreise auch für lokale Löhne gut bezahlbar. Das befreundete Paar hat im Klang Valley (etwa 30 Kilometer von Kuala Lumpur entfernt) für nicht einmal 100.000 Euro ein Reiheneinfamilienhaus mit einer Wohnfläche von etwa 200 Quadratmetern gekauft. Wären sie weiter aus der Stadt rausgezogen, hätten sie ein noch billigeres Haus finden können.

Huiqi und Kim Hwee sind noch nicht verheiratet, das steht irgendwann im Herbst an. Dass die beiden schon jetzt mit viel Aufsehen zusammenziehen, hat mich  etwas überrascht. Immerhin hatte ich vor ein paar Jahren in der Zeitung von einer Razzia gelesen, bei der die Polizei gezielt Pärchen suchte, die sich in der Öffentlichkeit küssten. „Das gilt nicht für uns“, erklärte mir eine Schwester. „Wir sind Chinesen. Wir dürfen das. Nur Muslime können sich nicht öffentlich küssen. Die unterstehen dem islamischen Recht.“

Willkommen im neuen Eigenheim: Der „Garten“ und das Zelt auf der Strasse.

Die Party beginnt schon gegen Mittag. Zunächst in einem kleinen Rahmen. Die Kernfamilie von beiden Seiten wird zum Essen eingeladen. Es gibt Bak Kut Teh, eine Suppe mit Schweinefleisch. „Kannst du Schweinefleisch überhaupt essen?“, werde ich immer wieder gefragt. Scheinbar ist man sich nicht sicher, ob ich ein Muslim bin. Von der traurigen Minarett-Initiative haben die Leute hier noch nichts gehört.

Anschließend fahren wir ins neue Haus zurück, wo die letzten Vorbereitungen laufen. Quer über die Quartierstrasse wird eine Art Bierzelt aufgebaut. Tische und Stühle werden noch nicht aufgebaut. Schließlich müssen vorerst noch die Autos passieren können. Später kommt ein Kleintransporter, auf dessen Ladefläche die Gäste Steamboat zubereiten können. Das ist die malaysische Alternative zum chinesischen Feuertopf (Huoguo).

Die Feier kommt nicht ohne Traditionen aus: In der Nacht vor der Party hatte das Paar sämtliche Lichter brennen lassen. Damit sollen die bösen Geister verjagt werden. Der gleiche Zweck hat eine Art Blumentopf in dem Kohle vor sich her glüht. Im Innern laufen unterdessen die elektrischen Geräte auf Hochtouren. Allen voran die Klimaanlagen. Das hat zwar keiner so gesagt, aber im tropischen Malaysia ist die klassische House-Warming-Party eigentlich eher eine House-Cooling-Party.

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