Donnerstag , September 5 2019
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Hangzhou: Die vergebliche Suche nach dem Wahrzeichen

Malerischer Sonnenuntergang am Westsee von Hangzhou

Da ich nun endlich China verlassen und in der Schweiz meine Firma aufbauen will, gilt es in China die letzten Sehenswürdigkeiten abzuklappern, die ich noch nicht gesehen habe und die mich noch interessieren. Ich habe unter meinen chinesischen Bekannten und Freunden eine kleine Abstimmung veranstaltet und sie gefragt, ob ich in meiner letzten Woche nach Hangzhou, zum Berg Changbai oder Tibet gehen sollte. Die Antworten waren eindeutig.

Beliebt bei Touristen: Bootsfahrten auf dem Westsee von Hangzhou

Chinesen bezeichnen Hangzhou wegen des malerischen Westsees gerne als das Paradies unter dem Himmel. Im Nachhinein kann ich sagen: Ich verstehe, dass es im Reich der Mitte so viele Atheisten gibt, wenn man sich das Paradies wie den Westsee vorstellt. Das Gewässer ist zwar durchaus von schönen bewaldeten Hügeln und Bergen umgeben und die zahlreichen Tempel sind auch anmutig, aber in der Schweiz sieht praktisch jeder See so aus.

Als ich nach der Rückreise meine Enttäuschung einem meiner Freunde gestand, der für Hangzhou abgestimmt hatte, meinte dieser nur: „Als Ausländer kannst du die Schönheit des Sees nicht erfassen. Es geht ja vor allem um die vielen Legenden, die wir gehört haben.“ Diese Legende ist jedoch schnell erzählt. So soll einst eine Perle, um die sich ein Phönix und ein Drache zankten, auf die Erde gefallen sein und den Westsee gebildet haben.

Einer der zahlreichen Tempel am Westsee

Mir waren zwei Dinge ein Begriff: Die Westsee-Rindssuppe und diese drei seltsamen Objekte, die auf der Rückseite der Ein-Yuan-Banknote abgebildet sind. Um meiner Reise gewissermaßen ein Motto zu geben, entschloss ich mich, diese beiden Dinge zu suchen. Als ich am Westsee ankam, stellte ich fest, dass ich keine Ein-Yuan-Banknote mehr habe. Im Großraum um Shanghai haben nämlich wegen der vielen Automaten die Münzen den Papierschein verdrängt.

Da ich gerne von der Banknote und dem See im Hintergrund ein Foto schießen würde, mache ich mich daran, so einen Schein zu suchen. Ich frage in einem Kiosk nach. Doch dort hat man nur Münzen. Also gehe ich in das nächste Restaurant, wo ich gleich zwei Klappen auf einmal schlagen will: Geld wechseln und die Best Lake Beef Soup versuchen. Die ist dort aber nicht auf dem Menü. Auch im nächsten Restaurant gibt es nur eine West Lake Soup. Es ist eine klare und weitgehend geschmacklose Brühe, die mir da serviert wird. Darin schwimmen einige grüne Blätter.

Der Westsee von Hangzhou ist auf der chinesischen Banknote zu sehen

Okay, die Suppe ist abgehakt, denke ich mir und mache mich auf den Weg, das andere Wahrzeichen zu suchen. Die entsprechende Banknote habe ich noch immer nicht. Mitten durch den See führen immer wieder Dämme.

Auf der rechten Seite befindet sich ein Sichtschutz, durch den ein paar Einheimische schauen.  Im Hintergrund sieht man etwa fünfzig Männer, die im Wasser rumrennen und sich anspritzen. Ich erfahre später, dass dies die Proben für die neue Show von Zhang Yimou, dem bekannten Regisseur, sind. Neben mir steht ein anderer Ausländer. Dieser dreht sich nach einer Weile um, zieht eine Ein-Yuan-Banknote aus der Tausche und fragt, mich ob ich weiss, wo ich diese drei Pylonen finde. Als Dank schenkt er mit den Bankschein. Wer hätte das gedacht?

Hier noch ein kleiner Hinweis für diejenigen, welche diese drei Pylonen ebenfalls suchen: Sie sind so klein, dass man sie vom Land aus kaum erkennen kann. Am besten nimmt man an einer Bootsrundfahrt teil. Da es Ende Februar allerdings sehr kalt war, entschloss ich mich, diese Fahrt bleiben zu lassen.

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