Gili Trawangan: Eine Insel für alles – außer Schnorcheln

Der Strand von Gili Trawangan: Bei den vielen Booten lässt sich hier kaum schwimmen.

Drei kleine Inseln im Nordwesten von Lombok bilden die Gili Islands. Weil es auf ihnen weder Autos noch streunende Hunde gibt, sind sie für viele der Inbegriff eines tropischen Paradieses. Entspannend war es dort, nur die Unterwasserwelt war eher enttäuschend.

Ich mag es nicht, wenn Blogger über einen Ort schreiben und sich über alles beklagen, was sie dort gesehen und erlebt haben. Das will ich deswegen auch nicht tun. Dennoch möchte ich meine Enttäuschung über den Schnorcheltrip, der auf der Insel überall angeboten wird, nicht unerwähnt lassen. Ich habe beim Tour-Operator „Lucky Trips“ gebucht, aber ich denke, dass andere Reiseunternehmen ähnlich sind.

Das Ausflugsboot ist gefährlich überfüllt.

20 Leute seien höchstens auf dem Glasboden-Boot, hatte man mir versichert, bevor ich das Ticket kaufte. Am nächsten Tag waren es über 40 Personen. Da es zu wenige Sitzgelegenheiten hatte, konnte ein Dutzend Leute das kleine Glasfenster am Boden überhaupt nicht sehen. Obwohl das Boot sichtbar überladen war, fuhren wir los. Nach etwa zehn Minuten merkte der Kapitän, dass die Wellen (etwa ein Meter hoch) doch nicht so ganz ideal sind. Er fuhr also wieder in Richtung Strand zurück. Dort sprang ein Mitarbeiter ins Wasser, schwamm an Land und brachte schwimmend etwa 20 Schwimmwesten mit. Natürlich viel zu wenig für die vielen Leute.

Die Tour war unter anderem damit angepriesen worden, dass wir an einem Ort im Norden der Insel Meeresschildkröten sehen können. Doch kaum waren wir mit Boot wieder ins wildere Gewässer gefahren, erklärte der Guide, dass wir heute genau diese Panzertiere nicht sehen können. Weil das bei diesem Wellengang zu gefährlich sei und Sicherheit eben vorgehe. Aha! In den drei Tagen, die ich auf Gili T verbrachte, war das Meer allerdings jeden Tag etwa gleich aufgewühlt. Ich frage mich, wieso hier eine Tour angeboten wird, die sich so offensichtlich nicht durchführen lässt.

Die Schwimmwesten müssen erst schwimmenderweise an Bord gebracht werden.

Wir fahren rund um die drei Inseln, welche die Gili Islands bilden. Durch den Glasboden kann ich sehen, dass es unter Wasser eher wenig zu sehen gibt. Ein paar tote Korallen, hier und da ein Fisch. Einmal krallt sich ein Krebs unter dem Boot fest. Nach dem ersten Schnorchelgang habe ich keine Lust mehr, ins Wasser zu gehen, zumal das ohnehin recht beschwerlich ist: Es gibt nämlich keine Leiter. Man muss sich zwischen dem Außenbordmotor und dem Bootsrand ins Wasser begeben. Dass der Kapitän hin und wieder den Motor startet, um das Schiff zu stabilisieren, macht diesen Ein- bzw. Ausstieg noch weniger attraktiv. Ich war froh am Ende froh, dass wir nicht an den versprochen vier Orten anhielten, sondern nur an drei.

Party in der Touri-Meile

Gili Trawangan gilt unter den drei Inseln als die beste, um zu feiern. Abzutanzen und mich volllaufen zu lassen, das ist nicht so mein Ding. Deswegen mache ich in der Regel einen Bogen, um die Partyzonen. Auf der Insel geht es jedoch viel entspannter zu, als man glauben würde.  Direkt am Strand gibt es mehrere Bars, die in einem angenehmen Lounge-Stil gehalten sind. Dazwischen findet man immer wieder Restaurants, die Speisen aus aller Welt anbieten. In einer Bar rockt jede Nacht eine einheimische Band. Ich ging in der Regel in eine Strandbar, wo jeder Abend ein anderer Film projiziert wurde.

Der „Hauptweg“ von Gili T: Hier befinden sich die meisten Cafés und Restaurants.

So schön die Strände auch sind, komme ich hier nicht in die Stimmung, welche ich auf den Togean Islands hatte. Auf Gili T. führt eine regelrechte Straße dem Strand entlang, auf der man ständig Ochsenkarren ausweichen muss, die Waren oder Touristen transportieren. Alle hundert Meter steht ein Bankomat, damit die Gäste aus aller Welt auch ihre Konsumbedürfnisse stillen können.  Auf den Togean hingegen gab es ein Abenteuergeist, der die wenigen Gäste verband. Wir mussten alle froh sein, wenn wir am Abend genügend Strom hatten, um das Handy aufzuladen. Das war zwar nicht immer angenehm, aber es hatte etwas Abenteuerliches.

Das ironische an den Gili-Inseln ist jedoch, dass mir immer wieder Reisende begegnet sind, die behaupteten, dass diese kleinen Eilande weniger touristisch seien, als Bali und dass sie deswegen hierher kommen. Beim Flanieren auf dem Hauptweg erkennt man jedoch leicht, dass den rund 1500 Locals, die auf der drei Kilometer langen Insel leben, eine Vielzahl von Touristen gegenüber stehen. Auf Bali sieht man immerhin hier und da Einheimische. Wie auf Bali werden einem auf Schritt und Tritt Waren angeboten. Das einzige, was hier besser ist: Man wird von keinen Taxifahrern abgezockt. Nicht, weil das nicht dem Geiste von Gili entsprechen würde, sondern ganz einfach, weil die Wege zu kurz sind.

One Response to Gili Trawangan: Eine Insel für alles – außer Schnorcheln

  1. Nina Voncken sagt:

    Hi Oliver,

    ich bin gerade auf Gili Trawangan und muss sagen, ich empfinde diesen Ort bisher ähnlich wie Du. Ich bin erst gestern angekommen, aber auf mich machen die Gilis den Eindruck, in der Relation noch mehr von Touris überrollt zu sein als Bali. Krass ist auch, dass es eine Menge Plastikmüll am Strand gibt und hier auch fast jeder achtlos seine Kippen wegzuwerfen scheint. Ich werde heute whrscheinlich – ohne Tour, vom Strand aus – schnorcheln gehen, wenn ich mich von dem Schreck erhole, den mir die Seeschlange verpasst hat, die gestern Abend genau vor meinen Füßen durchs Wasser schlängelte. Danach freue ich mich auf die endlose Weite Australiens und die sauberen und schneeweißen Strände dort. Es war gleich einer meiner ersten Gedanken: in Australien habe ich schon deutlich schöneres gesehen – ohne den Touri Hype.

    Liebe Grüße aus Indonesien, Nina

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