Entwicklungsplan von Langmusi: Die Ruhe vor dem Sturm

Dörfliches Leben in Langmusi

Das touristische Potential der kleinen Gemeinde Langmusi, die auf 3500 Metern Höhe genau auf der Grenze der Provinzen Gansu und Sichuan liegt, ist gewaltig: Intakte Berglandschaften, exotische Tempel und Klöster und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für Reisende. Das haben nun auch die lokalen Behörden erkannt und planen einen erschreckenden Umbau der kleinen Gemeinde.

Der "Ayers Rock" von China in Langmusi

Wenn ich – was allerdings selten geschieht – gefragt werde, welcher Ort mir bisher in China am besten gefallen hat, dann pflege „Langmusi“ zu nennen. Ich habe dafür Gründe: Besonders faszinierend fand ich die umliegenden Berge. Schaut man in die eine Richtung, erinnern die rötlich gefärbten Felsen ein bisschen an den australischen Ayers Rock. Wendet man seinen Blick, hat man plötlich das Gefühl, in den Schweizer Alpen gelandet zu sein. Schaut man allerdings in die Nähe, erkennt man an den zahlreichen Tempeln und Klöstern, dass man sich auf der Tibetischen Hochebene befindet. Als ich vor ziemlich genau zehn Jahren das erste und bisher letzte Mal hier war, hatte mich natürlich auch die Abgeschiedenheit der Ortschaft fasziniert. Damals gab es nur eine holperige Piste hierher und die letzten paar Kilometer von der Hauptstraße mussten wir in einem Traktor zurücklegen. Heute liegt Langmusi an einer Schnellstraße.

Ich checke in der Jugendherberge von Langmusi ein, die vermutlich am wenigsten schmuddelige Unterkunft in der ganzen Ortschaft. Das Gebäude ist ein alter Holzbau, in dem bei jedem Schritt die Dielen laut knarren. Es war nur noch ein Zimmer frei und das lag genau über der Treppe. Zum Glück gibt es nur wenige Gästeräume!

Kelsey vor einem der Kloster von Langmusi

Die insgesamt doch eher trostlose Situation bei den Unterkünften soll sich jedoch bald ändern. Um zu erklären, wie es dazu gekommen ist, muss ich kurz etwas ausholen. Mitten durch die Siedlung fließt ein kleiner Fluss, der die Grenze bildet zwischen den Provinzen Sichuan und Gansu. Verwaltungstechnisch besteht das Dorf also aus zwei Ortschaften. Auf beiden Seiten des Flusses gibt es jeweils ein Kloster und es heißt, dass die Machtkämpfe dieser beiden Kloster dazu geführt haben, dass das Dorf nun zweigeteilt ist.

Nachdem man in Sichuan das Potential vom Tourismus bereits erkannt hat, wurde dort eine Straße errichtet mit einigen kleinen Hotels, Restaurants und Cafés. Im größeren Teil in Gansu ist jedoch kaum etwas los. Es gibt eine Reihe von Holzhäusern, dazu mehrere hässliche Betonbauten.

Dieses Plakat zeigt das Langmusi der nächsten Generationen

Im Dorf sind allerdings bereits einige Schautafeln angebracht, wie das „Langmusi der Zukunft“ einst aussehen soll. Man kann erahnen, dass hier ein ganzer Ortskern dem Erdboden gleichgemacht und anschließend wieder aufgebaut werden soll.

Auch wenn das alte Dorf nicht gerade erhaltenswert ist, wird sich China mit diesem Plan wohl oder übel wieder den einen oder anderen Vorwurf des kulturellen und wirtschaftlichen Chauvinismus gefallen lassen müssen. Dem versuchte man jedoch offensichtlich durch entgegen zu wirken, das man in die Architektur der neuen Gebäude tibsische Elemente einbezieht.

Mönche sind im alten Dorf Langmusi überall zu sehen.

Wir entschließen uns, das Langmusi-Kloster zu besichtigen. In der 1748 gegründeten Anlage sollen sich Überreste von lebenden Buddhas befinden. Vor der Kasse stoßen wir auf einen Mann aus Shanghai. Er schimpft über den teuren Eintrittspreis, den er nicht zu zahlen bereit ist. Mit seiner Frau entschließt er sich lauthals, den „Hintereingang“ zu nehmen und irgendwo über einen Zaun zu klettern. Da das nach einem kleinen Abenteuer klang, entschlossen wir, uns dem Mann anzuschließen. Erstaunlicherweise war alles sehr einfach: Der Mann fragte Einheimische, wie man umsonst ins Kloster kommt und sie beschrieben den Weg ohne zu zögern. Ich habe den Eindruck, dass die Anwohner vom Ticketverkauf kaum profitieren und das ganze Geld in den Taschen von irgendwelchen Regierungsvertretern landet. So was Ähnliches hatte ich schon vor einem halben Jahr in den Rundbauten von Fujian gehört.

Ein kleines Tal hinter der Ortschaft lädt zu Wanderungen ein

Die Anlage ist sehr schön. An allen Ecken sieht man die Mönche in ihren roten Roben durch das Dorf spazieren. Manche sitzen auch an der Sonne und lesen ein Buch. Nach einer halben Stunde hatten wir das Dorf gesehen und wir machen uns auf den Weg zu einem kleinen Tal hinter dem Dorf, das mit zahlreichen Gebetsfahnen geschmückt ist. Gerade vor dem Mündung ist ein beliebter Picknickplatz für Einheimische. Eine lokale Familie lädt uns ein, mit ihnen gemeinsam ein paar Früchte zu essen. Es ist nett und wir lachen alle viel. Doch die Verständigung ist schwierig. Die tibetische Familie spricht nur sehr schlecht chinesisch und mit einem starken Akzent, der auch Kelsey Mühe bereitet.

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