Delhi: Die Sorgen der chinesischen Botschaft

Der Park vor dem India Gate in Neu-Delhi dient den Leuten als Naherholungszone.

Wenn indische und chinesische Bürokratie aufeinanderstossen, kann nichts Gutes heraus kommen – ausser vielleicht einem erneuten Besuch von Malaysia. Aber dazu später. Ich war nach Delhi gereist, um einerseits Wang Yuanyuan, abzuholen, mit der ich die nächsten fünf Wochen zusammen weiterreisen wollte, und um ein neues Visum für China zu beantragen.

Hotel mit einem seltsamen Namen in Delhi

Die ganze Absurdität des zweiten Unterfangens hatte damit begonnen, dass man mich nicht ins Visa-Zentrum gehen lassen wollte, weil ich meinen MP3-Spieler dabei hatte. Dieser sei aus „Sicherheitsgründen“ verboten, hiess es. Was allerdings die konkrete Gefahr ist, die von einem MP3-Spieler ausgeht, konnte mir keiner erklären. Vielleicht fürchtete man, dass ich mir beim Auffüllen des Antrags Björks „Declare Indepence“ anhöre, vielleicht hatte man auch ganz einfach Angst, dass ich die absurden Unterhaltungen am Schalter aufzeichne.

Diese sehen in etwa so aus: „Bitte geben Sie mir ihre Unterlagen.“ – „Hier.“ – „Wo ist denn ihr Motivationsschreiben?“ – „Motivationsschreiben? Was soll denn das sein?“ – „Darin schreiben Sie dem Botschafter, wieso Sie in die Volksrepublik wollen.“ – „Ich hatte schon zahlreiche Visas für China beantragt und als Schweizer brauche ich kein Motivationsschreiben. Das musste ich noch nie machen.“ – „Hier schon. Das ist die Regel.“ – „Na gut, können Sie mir ein Blatt Papier geben? Dann schreibe ich kurz was.“ – „Der Botschafter legt grossen Wert darauf, dass es schön aussieht. Wenn Sie keine ausgesprochen schöne Handschrift haben, verfassen Sie ihr Motivationsschreiben am besten auf einem Computer. Das Hotel gegenüber hat ein Businesszentrum.“ Eine schöne Handschrift habe ich zwar nicht, aber angesichts der bereits vorgerückten Stunde hatte ich noch weniger Lust, in ein Business-Center zu gehen und die ganze Prozedur mit Sicherheitschecks und endlosem Warten am nächsten Tag noch einmal zu durchlaufen.

Das touristische Pflichtprogramm: Die grosse Moschee von Delhi

Ich kraxelte also kurz auf das Papier: „Sehr geehrter Herr Botschafter, ich möchte gerne Ihr Land besuchen, weil ich China so schön finde.“ Dann gab ich das Ganze ab. Ein paar Tage später bekam ich meinen Antrag unbearbeitet mit dem Verweis zurück: „Das ist keine Begründung.“

Immerhin musste ich keine Gebühren bezahlen, da formal mein Einreisebegehren nicht abgelehnt, sondern lediglich nicht angenommen wurde- ein kleiner aber wichtiger Unterschied, weil auf den Antragsformularen immer die Frage gestellt wird, ob ein Visumsantrag schon einmal negativ beschieden wurde. Wie auch immer, ich hatte keine Lust mehr, das idotische Prozedere noch einmal durchzumachen und entschloss mich das Visum auf dem Rückweg in Malaysia zu beantrage, wo ich etwas vernünftigere Menschen erwartete.

Ich verbrachte relativ viel Zeit damit, die Weiterreise zu organisieren, so dass ich kaum dazu kam, viel von Delhi zu sehen. Ich hielt mich also an meine zweite Goldene Traveller Regel: Lass immer etwas Gutes aus, dann hast du einen Grund, um irgendwann zurückzukommen.

Übrigens: von Delhi aus kann man relativ leicht auf die Seychellen gelangen. Schöne Strände hätte ich nach all dem Stress mit der Botschaft nämlich durchaus brauchen können.

 

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