Category Archives: Peru

Südamerikareise durch Peru 1997

Kirche in Lima

Kirche in Lima

Als ich im Flugzeug nach Lima saß, erfaßte mich durchaus eine gewisse Aufregung. Nicht nur, daß ich zum ersten Mal den europäischen Kontinent verließ; die ganze Reise schien mir auch unglaublich schlecht organisiert. Ich sprach kaum ein Wort Spanisch und sollte in Lima bei einer Familie wohnen, von der ich nicht mehr wußte, als daß sie mich am Flughafen werden abholen und nichts als Spanisch sprechen.

Nach einem langen Flug war ich froh, daß meine Freunde zu hause während des Fluges genug Zeit gehabt hatten, um alles zu organisieren. Ich wurde also von einem netten Peruaner abgeholt und in irgend einen Vorort von Lima gebracht. Dieser erschreckte mich im ersten Augenblick sehr: ich hatte das Gefühl, in einem Slum gelandet zu sein. Tatsächlich war es eine eher ärmliche Gegend, doch sahen die wirklichen Slums noch eine Spur trauriger aus. Bis ich mich aber nachts alleine raus traute, sollten noch ein paar Tage vergehen.

Hauptplatz in Cusco

Hauptplatz in Cusco

Nachdem mir Freunde der Familie, mit welcher ich lebte, die Stadt gezeigt hatten und, wie von Geisterhand, nach drei Tagen meine Mischung der Lateinvokabeln mit französischer Grammatik langsam auch für Spanisch Sprechende verständlich wurde, entschloß ich mich, nach Cuzco weiterzuziehen. Im Flugzeug stellte ich fest, daß ich am Vortag irgend etwas Schlechtes gegessen hatte, denn mir wurde unerträglich übel – doch nicht in der Art der Reisekrankheit. So kam es, daß im selben Moment wie ich den Flieger so auch das Essen mich verließ und sich mit der Rollbahn vergnügte. Immerhin wurde ich anschließend von der Sanität liebevoll betreut, wenngleich sie meinten, daß ich die Höhenkrankheit hatte. Danach lag ich zwei Tage in einem Hotel in Cuzco und hatte leichte bis mittlere Delirien. Ein sehr interessanter Zustand, aber wohlgefühlt habe ich mich dabei nicht. So kam es, daß ich von Cuzco selbst nicht sehr viele und noch weniger ungetrübte Erinnerungen mitbrachte. Immerhin machte ich die wichtigsten Ausflüge: zu den Märkten und mit dem Zug (wandern wäre sicher schöner gewesen, aber das hätte ich mir so nicht zugetraut) nach Machu Pichu. Trotz seiner touristischen Magnetkraft hat mir diese Stadt ausgesprochen gut gefallen. Das wundervolle war jedoch eher die wildromantische Umgebung als die dachlosen Gebäude. Dass Leute, welche den viertägigen Trek unter die Füsse nehmen, schlussendlich von den Ruinen enttäuscht sind, kann ich mir deshalb leicht vorstellen – die Tage zuvor mussten sie mit der bizarren Landschaft bereits ermüdet haben.

Die alte Inkastadt Machu Pichu

Machu Pichu

Am nächsten Tag ging es nach Puno weiter. Ich muß gestehen, daß sich hierin meine Einschätzung von der Ansicht vieler anderen unterschied, denn mir gefiel das kleine Universitätsstädtchen am Ufer des Titicacasees recht gut. Das lag vielleicht daran, daß ich in einem guten Hotel hauste (zwar war es eiskalt und die Temperaturen unterschritten den Gefrierpunkt sicherlich jede Nacht, aber ich hatte genügend Wolldecken bekommen. Die Kälte zeigte sich mir eigentlich nur am Morgen in ihrer vollen Härte, dann nämlich, wenn ich kaum aus dem warmen Bett kam. Immerhin liess sich dieser Kälteschock schnell beheben, wenn man das Hotel verliess und an die intensive Sonne sass.) und sehr interessante Bekanntschaften mit Einheimischen wie auch anderen Reisenden schloß. Allerdings gefiel es mir auch, daß es in Puno verboten ist zu hupen, was nach den beiden vorher besuchten, lauten Städten höchst angenehm war.

Urosinsel auf dem Titicacasee

Urosinsel auf dem Titicacasee

Die Stadt besichtigte ich mit einem freundlichen Trikschafahrer. Er hatte mich in der ersten Nacht zum Hotel gefahren. Als ich ihn bezahlen wollte, hatte ich allerdings kein Kleingeld und gab ihm etwa zehn Franken statt nur einen. Das stellte ihn aber vor ein Problem, da er selbst das Wechselgeld nicht besaß. Da ich müde war, hatte ich keine Lust eine halbe Stunde auf die paar Franken zu warten und sagte, er könne sie behalten, wenn er mich am nächsten Tag zu einer bestimmten Zeit abholen würde und mir die Stadt zeigen würde. Tatsächlich stand er am nächsten Morgen vor der Tür und zeigte mir dann die Stadt. Danach hatten wir zwar nicht mehr abgemacht, doch brachte er mich an die verschiedenste Ort, wenn immer er mich auf die Straße traf. Ich lud ihn auch einmal zu einem Trink ein. Als ich das Busticket nach La Paz kaufte und viel zu viel zahlte, brachte er es höchst persönlich zurück und gab mir das Geld dann zurück. Hier hat sich die Großzügigkeit sehr ausgezahlt.

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