Category Archives: Laos

Unexplodierte Logik und gewobene Apotheken

Liebe Freunde und Leser,

Niths Mutter arbeitet unter anderem als Weberin...

nach langer Zeit melde ich mich wieder. Ich bin mittlerweile in Hanoi, in Nordvietnam, angekommen. Was ist bisher geschehen? Nach meinem letzten Mail bin ich nach Phonsavanh gereist. Dort habe ich Sabine, die Schweizerin, wieder getroffen und bin mit ihr zusammen bei der bereits mehrfach erwähnten Laotin (Nith) eingezogen. Ihre Eltern stammen aus der Gegend und ihr Haus war sehr interessant zu besuchen. So konnte ich ein bisschen ins laotische Familienleben blicken.

Bei Laoten stehen auch manchmal Frösche auf dem Speiseplan...

Ihre Familie ist relativ groß. Der Vater ist Lastwagenfahrer mit dem Schwerpunkt besonders schwierige Strassen – und entsprechend selten zu Hause. Die Mutter hatte früher eine kleine Apotheke. Aber seit es die Regierung nicht ausgebildeten Apothekern untersagt hat, Medikamente zu verkaufen, musste sie das Sortiment ein bisschen umstellen und seither läuft der Laden weniger gut. (Wobei bei einem Gewinn von nur 500 Kip – also etwa 5 Rappen – pro verkauftem Medikament kann ich mir kaum vorstellen, dass es jemals gut lief). Unter der Hand gehen aber die Medikamente wohl immer noch weg. Zumindest sind immer wieder junge Mädchen gekommen, die sich entweder nach der Pille erkundigt haben oder Probleme bekommen haben, nachdem sie ohne ärztliche Aufsicht eine Abtreibungspille genommen haben. Offenbar ein weit verbreitetes Problem in Laos. Da diese Halbapotheke eher am Stadtrand liegt und daher nur etwa eine Person pro Stunde vorbei kommt, hat sich die gute Frau noch einen Zusatzverdienst eingerichtet: Hinter dem Laden steht ein Webstuhl, wo sie den typischen laotischen Stoff herstellt. Das Haus selber besteht aus drei Einheiten. Eigentlich hatte die Familie noch einen zweiten Laden und eine Einliegerwohnung bauen wollen. Doch dann kam die Asienkrise, das Geld floss zähflüssiger und es reichte bei allen drei Gebäuden nur für den unteren Stock. Oben ragen noch immer halbfertige Ziegelmauern in die Luft.

Wasserwerfende Journalisten und patroulierende Biergärten

Liebe Leser,

Grosses Kaliber für Pii Mai...

ich hoffe, ihr hattet allesamt schöne Ostern und seit wieder wohlbehalten vom Eier suchen zurück. Hier in Laos bin ich davon zum Glück verschont geblieben, dafür wurde am Wochenende ein anderes Festival gefeiert: Pii Mai Lao. Das ist eigentlich das buddhistische Neujahrsfest, das so ähnlich auch in Thailand, Burma und dem südchinesischen Yunnan gefeiert wird. Ursprünglich ging es bei diesem Fruchtbarkeitsritual darum, die Buddhastatuen zu waschen und sich in der angeblichen Trockenzeit (meiner Erinnerung nach hatte es allerdings weniger regnet, als ich das letzte Mal in der Regenzeit hier war) mit Wasser gegenseitig zu reinigen. Aus diesem reinigen hat sich mittlerweile eine landesweite, dreitägige Wasserschlacht entwickelt, von der auch ich nicht verschont blieb. Nachdem ich gestern praktisch alle meine T-Shirts und Hosen Nass gemacht habe, verschanze ich mich heute im Internetcafe, um wenigstens so lange trocken zu bleiben, bis ich meine anderen Kleider wieder anziehen kann. Wobei: so einfach machen es einem die Wasser werfenden Kinder auch nicht. Denn in dem Wasser befinden sich teilweise Eiswürfel oder Lebensmittelfarbe. So bin ich auch gestern überraschend durch einen vorbeifahrenden Lastwagen voller gröhlender Teenagers zu einem stolzen Besitzer eines gelben T-Shirts geworden. Macht nichts. Die Wasserschlachten machen eigentlich Spaß und bringen auch ein bisschen was ein, denn darüber sollte morgen in der baz ein Text von mir erscheinen. Mal schauen, ob das auch alles gut klappt…

Laotisches Rheinschwimmen und Dominospiele im Altersheim

Liebe Leute,

schon wieder ist Montag; und somit auch die ideale Zeit, um Euch einen weiteren kurzen Reisebericht zukommen zu lassen. Schließlich weiß ich ja, wie sehr es alle schätzen, am Montag früh im Büro- zu sitzen und zwischen dem zweiten und dritten Kaffee Erzählungen aus exotischen Gegenden zu lesen…

Ein Beer Lao am Mekong muss einfach sein...

Mittlerweile bin ich in der laotischen Provinzhauptstadt Vang Viang. Hier hat sich viel geändert, seit ich vor rund sechs Jahren das letzte Mal hier war. Während hier früher nur ein paar Imbissbuden waren und ein Fluss, auf dem man mit Schläuchen runterfahren konnten, hat sich hier ein regelrechtes Tourismuszenter gebildet. Auf der vormals recht einsamen Flussfahrt finden sich nun etwa alle drei hundert Meter kleine Beizen, wo man Beer Lao bekommt oder von einer Holzkonstruktion ins kühlende Nass springen kann (wenn nicht gerade andere Leute auf einem Schlauch durchfahren – da ist die Wahrscheinlichkeit groß, denn der Songfluss ist hier jeden Tag fast dichter beschwommen als der Rhein beim sommerlichen Rheinschwimmen in Basel). Zuerst dachte ich, dass ich traurig werden würde, wenn ich sehe, wie sich das Dorf verändert hat. Aber eigentlich gefällt es mir auch so, wie es jetzt ist und von meinen Erinnerungen hat es sich so sehr entfernt, dass ich nur noch mit intellektuellen Konstruktionen überhaupt noch an das anknüpfen kann, was ich damals gesehen und erlebt habe.

Khmertankstellen und klimatisierte Verschwörungstheorien, Bangkok, 23. 9. 01

Ein fröhliches Sawasdih ka/kop möge von mir in die Runde geworfen sein!

Inzwischen habe ich Laos verlassen und sitze nun in mitten der bangkok’schen Zivilisation und geniesse es, mal wieder Zugang zum Internet zu haben, eigentlich überhaupt über Strom zu verfügen… Wieso? Vielleicht doch der Reihe nach: Obwohl sich Vientiane wie erwähnt stark verändert hat, habe ich die Zeit dort sehr genossen. Ich konnte dieses neue Gesicht lieb gewinnen. Es ist seltsam, dass es mich irgendwie stört, wenn die alten zusammenfallenden Häuser renoviert werden um wieder im alten Glanze zu scheinen.

Champasak: Das Angkor Wat im Taschenformat

Doch dieser Politur entfloh ich bald: nach Savannaketh. Das ist die zweitgrösste Stadt in Laos und eigentlich eine Geisterstadt. Es wohnen zwar Leute drin, aber keine Ahnung was die treiben… viele Häuser und noch viel mehr Strassen sind seit der Unabhängigkeit nicht mehr angefasst worden und das sieht man. Mitten im Zentrum (auch wenn die meisten Leute, die dort wohnen der Meinung sind, dass die Stadt kein Zentrum habe, sondern einfach nur eine Stadt sei) zwischen Kirche und Brunnen steht eine Tankstelle. Sie ist seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb, und mehr noch als die verrosten Zapfsäulen, verraten die Preisschilder, welche angeben wie viele Kip der letzte der dort getankt hatte, ausgeben musste, das wahre Alter. Über den Daumen gepeilt (Inflation mal Handgelenk oder so…) etwa zehn Jahre.

Ni hao ade, aloah sabaidee, Vientiane, 12. 9. 01

Guten Morgen liebe Leute,

es mag sein, dass ihr Euch momentan mehr für Terroranschläge, als für meine Reisebeschreibungen interessiert. Ich möchte hier mein Erschrecken bekunden und erwähnen, dass ich mich gerne besser über die Geschehnisse in Amerika informieren würde, mir dies aber von hier aus nur bedingt möglich ist. Wer also dazu schreiben möchte, ist mir herzlich willkommen. Im übrigen wird auch Vientiane (Laos), wo ich mich nun befinde, seit einem Jahr immer wieder von Terroranschlägen heimgesucht. Die meisten sind jedoch so gering, dass sie nicht einmal den Weg in die lokalen Zeitungen finden. Ich muss allerdings gestehen, dass ich diese ganze Sache nur sehr wenig durchschaue, weshalb ich darauf in diesem Mail nicht weiter eingehen möchte.

Schulkinder in Pak Mong

Meine Reiseroute von Baoshan zur laotischen Grenze hört sich etwa gleich langweilig an, wie die Reise tatsächlich war: es begann mit einer 20 stuendigen Fahrt auf einer Kopfsteinpflasterstrasse nach Jinghong. Die Strasse führte mehr oder weniger der burmesischen Grenze entlang. Wir wurden mehr oder weniger andauernd von Polizeikontrollen aufgehalten (bei einer hörte ich ein Knallen und ein Schreien, ob da wohl jemand bei einem Verhör ausgepeitscht worden ist? – zumindest als die Polizisten sahen, dass ich hinhörte, war mit dem Bus plötzlich alles in Ordnung und wir konnten weiter…). Von dieser Stadt nach Mengla, dann Mohan (gähn…!) mehr als Namen waren diese Städte auch nicht. Obwohl ich gestehen muss, dass der „Ferne“ Süden Chinas landschaftliche eine der schönsten Regionen ist, die ich durchreist habe.

Chiang Rai, 8.10.2000

Hallo zusammen,

ich habe nun wieder thailändischen Boden unter den Füssen. Doch diesen Boden musste ich mir sehr schwer erkämpfen, da auf der laotischen Seite plötzlich keine Strasse mehr existierte. Doch vielleicht sollte ich meine Geschichte von dort aus weiter erzählen, wo ich aufgehört habe, nur weiß ich nicht mehr genau, wo das war. Wenn ich mich aber richtig erinnere, habe ich eines Morgens (während ich auf das Aufwachen meiner werten Freunde wartete – keiner mag das glauben, aber ich war als erster wach! ) ein langes Vang Vieng Mail geschickt. Anschließend habe ich mit Mio einen Lastwagenreifen gemietet und wir sind im nahen Fluss alleine gerafftet. Als dann Jennifer, Nifty und Mika zu uns kamen, mieten wir einen zweiten Reifen und gingen 4 km aufwärts. Das Mieten des Reifens war gar nicht so einfach, weil die gute alte Laotin meinte, dass man nicht zu fünft auf einem Reifen sitzen könnte. Wir lachten und antworteten, dass wir zu fünft ja 2 Reifen hätten. Dieses Argument überzeugte sie zwar nicht, aber immerhin wollte sie uns daraufhin ihre Schwimmwesten und einen Taxifahrer verkaufen.Da wir die gleiche Strecke ein paar Tage vorher mit Führer gemacht hatten, glaubten wir, schon Bescheid zu wissen und charterten ein anderes Taxi, ein billigeres. Der missverstand den Ort wohl ein wenig, so dass wir an einem Ort wasserten, wo der Fluss tatsächlich nicht ganz so ruhig war, resp blieb. Nach etwa fünf Minuten fielen wir alle bei den Stromschnellen ins Wasser, Mika verlor ihr Bier, von dem sie versprochen hatte, dass sie die Flasche zurückbrächte. So trieben wir neben dem Schlauch durch das Wasser. Am nächsten Felsen konnte ich uns anhalten (die Strömung war nicht so stark, dass es gefährlich gewesen wäre, aber stehen konnte man schon nicht mehr) bis ich mit Panik feststellte, dass der ganze Felsen mit Spinnen vollgepackt war. Ich ließ also wieder los und wir trieben auf den nächsten Felsen zu, wo ich dagegen prallte und die anderen ins ruhige Wasser kamen. Immerhin stand ich nachher auf einem Felsen, auch wenn ich nicht genau weiß, wie ich das getan habe und hatte sogar noch meine Badeschlappen an. Bis auf eine Sammlung blauer Flecken und ein paar Kratzern habe ich mich allerdings nicht verletzt. Wir brauchten dann wieder eine rechte Weile, um ins Wasser zurück zu kommen, so dass es inzwischen eindunkelte. Doch die wilde Stelle war vorbei und wir fuhren dann die Strecke im Dunkeln runter, die wir ein paar Tage vorher gesehen haben. Immerhin konnten wir James überzeugen, dass er etwas verpasst hatte.

Nifty kaufte sich eine Gitarre

Vielleicht ist es nun einmal Zeit die Leute vorzustellen: Nifty: nun ihn kennt ihr schon. ein Australier, den ich in Malaysia kennengelernt habe. Seine spezielle Eigenart ist es, dass er sehr undeutlich spricht und dadurch immer megamässig gestoned wirkt, obwohl er normalerweise höchstens mittelmäßig gestoned ist. Ihn schicken wir immer zum Verhandeln, auch wenn die Leute dann angeblich anschließend mit Gewehren kommen. Er hat diese eigenartige friedfertige Aggression, mit der er alle zum kochen bringen kann. Jennifer ist eine dreißigjährige Amerikanerin aus Silikon Valley. Sie macht aus allem Wortspiele und presst jede Erfahrung in ein Gedicht oder einen Songtext, den ich dann mit Nifty zusammen singe.

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