Ajmer: Fototermin am Stausee

Am Ana Seger See

Es war nicht geplant, mehr als ein paar Stunden in Ajmer zu verbringen, das nur 12 Kilometer von Pushkar entfernt liegt. Wir wollten eigentlich nur schnell in den Bahnhof, eine Fahrkarte kaufen und dann mit dem nächsten Zug weiter. Aber einmal mehr musste ich erfahren: In Indien kann man nicht spontan Zug fahren. Als wir am Bahnhof ankamen, gab es zunächst eine lange Schlange am Schalter und dann die übliche Antwort: dass ich schon wieder am falschen Ort angestanden bin. Es wäre natürlich sehr viel einfacher, die Tickets übers Internet zu reservieren. Aber dafür braucht man einen Printer, um die Fahrkarte schliesslich auszudrucken. Wir hatten aber Glück im Unglück und ein Billet für den nächsten Tag nach Udaipur. Damit war ich ganz zufrieden.

Die bizzare Welt des Jainismus.

Also machten wir uns auf, den Roten Tempel zu besuchen. Es war das erste Mal, dass ich eine religiöse Städte des Janismus besuchte. Dies ist ist eine in Indien beheimatete Religion, die etwa im 6./5. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist. Ihr gehören etwa 4,4 Millionen Gläubige an, die meisten davon in Indien. Der Tempel, den wir besuchten, war allerdings etwas seltsam: In seinem inneren verbarg sich eine Nachbildung einer Stadt, die mit durch und durch Blattgold verziert war. Der Mann an der Pforte erklärte mir, dass dies die Art und Weise sei, wie sich die Anhänger seiner Religion das Paradies vorstellen. Später las ich noch einiges über den Jainismus. Interessant ist übrigens, dass man einen solchen Tempel nur in Kleidern besuchen darf, mit denen man nicht auf einer Toilette war, seit man sie das letzte Mal gewaschen hat. Gegen diese Regel habe ich ganz klar verstossen.

Bettelnde Kinder sind in Indien überall anzutreffen

Am späteren Nachmittag liefen wir eher zufällig als mit Absicht an die Promenade des Sees Ana Sagar. Das ist ein künstlicher See, hinter dem gleich die Wüste beginnt. Der Park auf der städtischen Seite scheint ein beliebtes Ausflugsziel für Inder aus dem ganzen Land zu sein. Es dauerte nicht lange, bis uns eine indische Grossfamilie aus Gujarat in ihre Mitte einlud, um mit ihnen im Schatten einer Art Veranda etwas zu essen. Wir bekamen Süßigkeiten und Kaffee gereicht und dann geschah das, was ich auch schon aus China kannte: Jeder wollte ein Foto mit uns. Einmal mit dem Onkel, einmal mit der Vater oder der Tochter. Die Lieblingsbeschäftigung vieler Inder scheint ja ohnehin das Posen zu sein. Wo auch immer eine Kamera gezückt wird, stellt man sich in Position. Die Kinder freuen sich über uns Bleich- und Gelbgesichter. Die ganze Familie ist so gastfreundlich, dass wir es kaum schaffen, uns loszureissen. Da uns das Leben eines „Stars“ nach einer Weile zu anstrengend wurde, gingen wir bald ins Hotel zurück.

Als wir am nächsten Tag auf den Bahnhof liefen, erlebte ich etwas erschreckendes. Ein alter Greis lag auf dem Boden des Eingangs mit offenen Augen und fliegen im Gesicht. Er war offenbar hier gestorben und jemand hatte ihn bereits auf eine Bahre gelegt und – aus welchen Gründen auch immer – in die Sonne gestellt. Ich glaube, das war das erste Mal in einem Leben, dass ich eine Leiche gesehen habe.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dies ist der Footer Code