Agra: Das Taj Mahal zum Geburtstag

Mein Geburtstagsgeschenk: Ein Besuch des Taj Mahals

Nachdem ich Wang Yuan Yuan in Delhi vom Flugplatz abgeholt habe, fuhren wir direkt weiter nach Agra. Da es mir einmal mehr nicht gelang, ein Zugticket zu beschaffen, entschlossen wir uns, den Bus zu nehmen, zumal es hieß, dass die Fahrt nur etwa vier Stunden dauern würde. Nun, das war eine Fehlentscheidung. Die Fahrt durch die brütende Hitze dauerte sieben Stunden. Alle Fenster waren weit offen und der Wind trocknete die Passagiere nach und nach aus. Ich spürte, wie ich in dem glühenden Metallkasten zunehmend lethargisch wurde. Dieses Gefühl kannten wohl auch die kleinen Jungen, die jeweils – kurz bevor der Bus abfuhr – durch das Fenster Wasser verkauften. Zwei Mal geschah es, dass ich, nachdem wir schon weiter gefahren waren, feststellte, dass die Flasche nicht versiegelt war. Offenbar hatten die Jungen irgendwo eine gebrauchte Flasche gefunden und diese mit Leitungswasser aufgefüllt. Trinken konnte man das Zeugs natürlich nicht. Aber das war nicht so schlimm. Die PET-Flasche eignete sich trotzdem hervorragend, um sich die Haut ein bisschen abzukühlen.

Nach achr Uhr früh war es im Agra Fort zu heiss, um noch gross was anzuschauen...

Nachdem sich Yuan Yuan über das Zimmer in Delhi beschwert hatte, suchten wir uns in Agra eine schönere Unterkunft. Ein kleines Hotel mit etwa zehn Gästeräumen, die sich um einen Innenhof gruppierten. Hier sah ich zum ersten Mal einen „Air Cooler“. Das ist ein Mittelding zwischen einem Ventilator und einer Klimaanlage. Im Innern einer Kiste gibt es ein Gebläse, das den Wind von außen ansaugt und in den Raum treibt. Dabei zieht die Luft durch ein Gitter, an dem Wasser herabfließt, wodurch sich die Lufttemperatur spürbar abkühlt. Doch Agra war so heiß, dass auch das nichts brachte. Der Hotelmanager meinte etwas später, dass wir uns die denkbar schlechteste Zeit mit Temperaturen um 45 Grad im Schatten ausgesucht haben. Nur im Mai, wenn das Quecksilber auf über 50 Gradsteigt, ist das Wetter noch schlimmer.

In der Hitze musste ich meine T-Shirts täglich mehrmals wechseln und ständig waschen.

Der Luftkühler brachte jedoch ausser einem Höllenlärm kaum einen Effekt. Wir legten also unsere spürbar warmen Matratzen auf den Boden vor der offenen Tür und versuchten so zu schlafen. Als gegen sechs Uhr morgens die Sonne wieder aufging und ich noch immer kein Auge zugedrückt hatte, wollte ich wissen, wie warm es ist. Ich hielt meinen digitalen Fieberthermometer in die Luft. Nach einer Weile zeigte er 35 Grad an. Am nächsten Morgen wechselten wir in einen Raum mit Klimaanlage. Doch die Freude währte nur kurz: Am nächsten Tag fiel von morgens bis abends der Strom aus.

Bei der Hitze gestaltet sich das touristische Programm etwas schwierig, denn realistischerweise kann man am Morgen nur etwa zwei Stunden etwas ansehen. So stellten wir den Wecker auf etwa fünf Uhr, so dass wir am sechs Uhr bereits bei den Sehenswürdigkeiten waren und um acht bis neun Uhr früh wieder zurück im Hotelzimmer kamen. Da ich sowieso mit meiner Übersetzungsarbeit beschäftigt war, war das für mich ganz in Ordnung.

Auch Affen besuchen das Taj Mahal gerne

Den Besuch des Taj Mahal wollte ich mir auf dieser Reise ja zuerst schenken. Doch dann entschied ich mich auf Wangs Drängen um und schenkte mir den Besuch tatsächlich: Auf den Geburtstag. Als ich am frühen Morgen durch die Pforte trat und die Papiersocken über meine Schuhe stülpen, um das architektonische Wunderwerk zu schützen, was ich doch von der Schönheit des Ortes eingenommen, die lediglich durch die vielen Soldaten mit Maschinengewehren etwas beeinträchtigt wurde. Aber Indien wirkt ohnehin oft eher wie eine Militärdiktatur und nicht so sehr wie ein demokratisches Land.  Erstaunlich fand ich, dass es auf der Anlage auch Affen gab.

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