Monthly Archives: Februar 2010

Darjeeling: Im Reich der Teepflücker

Die Eisenbahnstation in Darjeeling

Ein kleiner Grenzübergang an einem Fluss. Wir müssen alle aus dem Jeep steigen und unsere Papiere vorweisen. Dann geht es eine Steile Strasse immer bergauf. Der Weg führt uns vorbei an kleinen Dörfern und immer wieder wieder gibt es Schilder, die auf den Wunsch nach einem „freien Gorkhaland“ hinweisen. Das Problem ist: Die Provinz Westbengalen ist ein langer Schlauch,  der im Süden von der Grossstadt Kalkutta dominiert wird. Um den Norden kümmert sich keiner. Finden hier viele. Deswegen sei man besser dran, wenn man nicht mehr mit dem selbstverliebten Kalkutta in einem Boot sitzt.

Pelling: Die Stadt der Stromausfälle

Pelling

Nur am frühen Morgen konnte man die 8000 Meter hohen Berge sehen.

Dunkel und kalt: Dies war mein erster Eindruck von Pelling. Nachdem ich vier Stunden lang mich auf der Strasse von Gangtok über Gaysing hierher habe durchrütteln lassen, war es schon dunkel als ich ankam. Ich checkte im Hotel Geruda ein, einem der zwei Backpackerhotels, wie es in meinem Reiseführer hiess, und dem einzigen mit Dormitory. Doch bevor ich mich in meinem Hotel einchecken konnte, wurde es dunkel: Stromausfall. Dies wiederholte sich in so schöner Regelmässigkeit, dass ich mich während den folgenden drei Tagen nicht unter die Dusche wagte. Das Wasser war nämlich nur am Abend warm und früh am morgen warm. Ich stelle mir dann stets vor, wie ich unter der Dusche stehe und dann plötzlich das Licht ausgeht und ich im Dunkeln meine Kleider nicht finden kann.

Von Kalkutta nach Gangtok

Da war es wieder, das indische Chaos, welches man entweder liebt oder hasst. Ich war gerade erst zehn Minuten im Flughafenbus, als es weder vor noch zurückging.  Auf der anderen Fahrbahn stand ein noch rauchender, ausgebrannter Lokalbus; davor ein etwas alt aussehender Löschwagen, der unsere Fahrbahn blockierte. Nervöses Gehupe. Der Assistent steigt aus dem Bus aus und versucht den großen Bus am Feuerwehrwagen vorbeizudirigieren. Doch dies war zuvor schon deutlich schmaleren Fahrzeugen misslungen.

Der Flughafenbus war erstaunlich leer

Drei Stunden später komme ich in Sealdah an. Der Bahnhof von Kolkata, wie Kalkutta in der neuen Sprachregelung heißt, ist etwas in die Tage gekommen und für eine so große Stadt erstaunlich klein. Das gleiche ist mir zuvor schon beim Flughafen aufgefallen,. Ich gehe zum „Ticket Counter“ und frage nach einer Fahrkarte Richtung New Jalipuri. „Haben Sie denn eine Fahrkarte?“, fragt er mich. Ich bin etwas erstaunt und erkläre ihm, dass dies ja genau der Grund sei, weswegen ich zu ihm gekommen bin.  „Ah, Sie möchten also nach New Jalipuri?”, fragt er mit einem vielsagenden Lächeln. Ich nicke hoffnungsvoll. „Aber haben Sie denn ein Ticket?“, fragt er nochmals. Ich bedanke mich, gehe an einen anderen Schalter und denke mir: Die spinnen, die Inder!

Vorwort zur Indienreise

Kaum ein Reiseführer oder Reisebericht, stellt das Land, das er thematisiert ,nicht als ein „Land der Gegensätze“ vor. Das stimmt zweifellos auch für den indischen Subkontinent mit seinen zahlreichen Ethnien und höchst unterschiedlichen Religionen. Dies führt dazu, dass viele Indienreisende starke Partikularinteressen haben. Auf meiner Reise sind mir Musiker begegnet, welche sich für die klassische indische Musik faszinieren, Entwicklungshelfer und Menschen, die hier eine Spiritualität suchen, die es in Europa nicht mehr gibt. Dazu kommt ein grosser Bulk an Weltenbummeler, die Indien wegen seiner günstigen Preise lieben. Auch ohne gross sparen zu wollen, habe auch ich kaum mehr als zehn Euro pro Tag auf dieser Reise ausgeben.

Wie es scheint, sind jedoch alle diese Menschen etwas schreibfaul, denn im Internet gibt es nur wenige Reiseblogs zu Indien. Auch ich habe in den letzten Jahren immer weniger über meine Reisen geschrieben. Deswegen nahm ich mir vor, die Reise sehr ausführlich zu dokumentieren, zumal es vielleicht für eine längere Zeit meine letzte grössere Reise sein wird. Nachdem ich meine Stelle in China gekündigt habe, will ich die Firma, die ich übernommen habe, in ein Journalismusbüro verwandeln.

Geplant habe ich in etwa die Route, die auf der untenstehenden Karte eingezeichnet ist. Fragen zur Reiseplanung und so weiter beantworte ich gerne im Indienforum:

Kapas: Sonnenbrand an den einsamen Stränden

Der Strand von der Insel Kapas

Da ich wusste, dass eine Reise in Indien kein Schokoladekuchen-Essen sein würde, entschloss ich mich, von Peking nach Kalkutta ein paar Tage in Malaysia zu bleiben. Dass ich ausserdem  mit einem Flug mit dem malaysischen Low-Cost-Carrier Air Asianoch Geld sparen konnte, hat mich in meinem Entscheid bekräftigt. Ich fuhr also unverzüglich nach Cherating, wo ich vor etwa zehn Jahren schon einmal und was sich als ein hervorragender Ort empfahl, um die doch etwas lange Busreise zu unterbrechen. Der Ort hatte sich seither kaum verändert. Es gibt noch immer die gleichen Barik-Tücher, die man überall malen kann. Nur das Guesthouse, in dem ich damals mit dem Besitzer anfreundete, hatte ein anderes Gesicht.

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