Monthly Archives: Juli 2003

Motorisierte Normen und parkierende Rundreisen

Liebe Freunde,

langsam ist es wieder an der Zeit, mich wieder einmal aus dem verregneten Japan zu melden. Ich befinde mich nun nach einer längeren Rundreise wieder in Tokyo.

Schloss von Matsuyama

Vor einer Woche sind wir mit Mios Auto losgefahren. Zuerst durch Nagano, dann auf die schöne Nato-Halbinsel und schließlich wieder zurück. Wir genossen die Freiheit der Strasse, um es ein bisschen pathetisch auszudrücken. Ich genoss die schöne Landschaft und die Möglichkeit an jedem Ort in dem kleinen Nissan Pao übernachten zu können, während es Mio eher danach drängte, alles aus den 997ccm rauszuholen. Zugegen, diese beiden Arten der Freiheiten stehen durchaus ein bisschen im Widerspruch zu einander. Entsprechend sah ich stellenweise doch eher wenig von der Gegend, wenn Mio mit hundert Sachen durch die 40er Zone bretterne. Das klingt nun zwar recht kriminell, ist aber nicht wirklich gefährlich (außer dass die hohen Geldstrafen einen finanziell ruinieren können), da in Japan die Geschwindigkeitsbegrenzungen lächerlich niedrig sind. Überland mit 40 auf großen breiten Strassen ist wirklich nicht realistisch… Nunja, wir wollen uns hier weder weiter mit unseren Verkehrssünden befassen, noch eine Abhandlung über das japanische Verkehrsverhalten halten; wenngleich mir gewisse Dinge auch hier sehr erwähnenswert erscheinen, da sie nicht nur bloß über die Straßenverhältnisse berichten, sondern einen tieferen Einblick in meine ersten Eindrücke in die „japanische Volksseele“ erlauben. Ich erlaube mir daher verschiedene Beispiele zu erzählen, um daraus hinaus eine Essenz bilden zu können.

Japanische Höflichkeiten und verkappte Kriegsveteranen

Liebe Leute,

ich weiß, dass es die meisten Leute nicht sehr schätzen, auf groß angelegten Mailinglisten zu landen. Trotzdem erlaube ich mir, Euch wieder von meinen Reisen zu berichten, zumal ich bereits Zuschriften bekommen habe und gefragt wurde, wo denn meine Berichte blieben. Hier kommt also der erste. Da ich jedoch niemanden vollmüllen möchte, steht es natürlich jedem offen, sich wieder vom Verteiler wegnehmen zu lassen. Hier also mein erstes Mail:

Wiedersehen mit Mio

„Bitte halten Sie Ihre Papiere bereit“, steht in bunten digitalen Lettern groß über der Immigrationbox. Dann folgen ein paar schöne Kanjis (chinesische Schriftzeichen), die mich sogleich frustrieren. Habe ich nun doch ein Jahr lang die Sprache gelehrt und verstehe noch immer nicht, ob ich nun meinen neuen, bunten Pass dem Beamten entgegenstrecken muss oder ob ich irgendwo die so genannte Alien Registration Card (die übrigens wegen ihrer durchaus dubiosen Namensgebung vor allem bei Langzeitaufenthaltern oft als rassistisch empfunden wird) suchen gehen und ausfüllen muss. Schließlich stellt sich heraus, dass ich bloß ein kurzes Papier ausfüllen muss. Die dubiose Karte scheint abgeschafft worden zu sein, wenngleich mir Einwanderungsbehörde noch immer sehr xenophob vorkommt. Der Beamte schaut auf meinen Laptop und fragt, ob ich einen Businesstrip mache. Die Antwort, dass ich Tourist sei, hatte er wohl kaum erwartet. Er ließ mich trotzdem passieren, stempelte mir aber nicht die gewünschte Maximalaufenthaltsdauer in den Pass. Danach werde ich abgetastet, ob ich nicht Waffen aus dem Flugzeug (!) nach Japan schmuggle…

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