Monthly Archives: September 2001

Khmertankstellen und klimatisierte Verschwörungstheorien, Bangkok, 23. 9. 01

Ein fröhliches Sawasdih ka/kop möge von mir in die Runde geworfen sein!

Inzwischen habe ich Laos verlassen und sitze nun in mitten der bangkok’schen Zivilisation und geniesse es, mal wieder Zugang zum Internet zu haben, eigentlich überhaupt über Strom zu verfügen… Wieso? Vielleicht doch der Reihe nach: Obwohl sich Vientiane wie erwähnt stark verändert hat, habe ich die Zeit dort sehr genossen. Ich konnte dieses neue Gesicht lieb gewinnen. Es ist seltsam, dass es mich irgendwie stört, wenn die alten zusammenfallenden Häuser renoviert werden um wieder im alten Glanze zu scheinen.

Champasak: Das Angkor Wat im Taschenformat

Doch dieser Politur entfloh ich bald: nach Savannaketh. Das ist die zweitgrösste Stadt in Laos und eigentlich eine Geisterstadt. Es wohnen zwar Leute drin, aber keine Ahnung was die treiben… viele Häuser und noch viel mehr Strassen sind seit der Unabhängigkeit nicht mehr angefasst worden und das sieht man. Mitten im Zentrum (auch wenn die meisten Leute, die dort wohnen der Meinung sind, dass die Stadt kein Zentrum habe, sondern einfach nur eine Stadt sei) zwischen Kirche und Brunnen steht eine Tankstelle. Sie ist seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb, und mehr noch als die verrosten Zapfsäulen, verraten die Preisschilder, welche angeben wie viele Kip der letzte der dort getankt hatte, ausgeben musste, das wahre Alter. Über den Daumen gepeilt (Inflation mal Handgelenk oder so…) etwa zehn Jahre.

Ni hao ade, aloah sabaidee, Vientiane, 12. 9. 01

Guten Morgen liebe Leute,

es mag sein, dass ihr Euch momentan mehr für Terroranschläge, als für meine Reisebeschreibungen interessiert. Ich möchte hier mein Erschrecken bekunden und erwähnen, dass ich mich gerne besser über die Geschehnisse in Amerika informieren würde, mir dies aber von hier aus nur bedingt möglich ist. Wer also dazu schreiben möchte, ist mir herzlich willkommen. Im übrigen wird auch Vientiane (Laos), wo ich mich nun befinde, seit einem Jahr immer wieder von Terroranschlägen heimgesucht. Die meisten sind jedoch so gering, dass sie nicht einmal den Weg in die lokalen Zeitungen finden. Ich muss allerdings gestehen, dass ich diese ganze Sache nur sehr wenig durchschaue, weshalb ich darauf in diesem Mail nicht weiter eingehen möchte.

Schulkinder in Pak Mong

Meine Reiseroute von Baoshan zur laotischen Grenze hört sich etwa gleich langweilig an, wie die Reise tatsächlich war: es begann mit einer 20 stuendigen Fahrt auf einer Kopfsteinpflasterstrasse nach Jinghong. Die Strasse führte mehr oder weniger der burmesischen Grenze entlang. Wir wurden mehr oder weniger andauernd von Polizeikontrollen aufgehalten (bei einer hörte ich ein Knallen und ein Schreien, ob da wohl jemand bei einem Verhör ausgepeitscht worden ist? – zumindest als die Polizisten sahen, dass ich hinhörte, war mit dem Bus plötzlich alles in Ordnung und wir konnten weiter…). Von dieser Stadt nach Mengla, dann Mohan (gähn…!) mehr als Namen waren diese Städte auch nicht. Obwohl ich gestehen muss, dass der „Ferne“ Süden Chinas landschaftliche eine der schönsten Regionen ist, die ich durchreist habe.

Gesichtslose Pagoden und Blutwürste, 2.9.01 BaoShan

Liebe Leute,

wieder mal ein Bus, der auf sich warten lässt und somit eine weitere Gelegenheit, einen Internetexzess auszuleben. Der Ort, den ich gerade besuche, hat zudem auch zu wenig zu bieten, um mir eine ernsthafte Alternative zum Internet zu sein. Eigentlich müsste es hier gemäss Reiseführer eine Altstadt geben – aber wie so viele in China, ist inzwischen auch diese wegmodernisiert worden. Nun ist Baoshan eine moderne gesichtslose Stadt geworden mit einem kleinen Pärkchen und einer wundervollen Pagode, was man in einer zweistündigen Tour besichtigt hat. Ein weiteres Problem ist die Hotelsituation hier: es gibt zwar massenweise billige und gute Unterkünfte, aber die behaupten ernsthaft, dass alle billigen Bett in der ganzen Stadt schon belegt seien. Wie auch immer, ich bin schliesslich in einem Hotel untergekommen, wo die Preise stundenweise angeschrieben stehen.

Einer der Hauptplätze von Lijiang

Doch was ist inzwischen sonst geschehen? Von Lijiang, wo ich mich das letzte Mal gemeldet habe, bin ich nach Kunming gefahren. Das ist der Hauptort Yunnans, und die für mich wichtigste „Sehenswürdigkeit“ war die laotische Botschaft. Das Visum bekam ich viel leichter als erwartet. Als ich den Botschafter fragte, ob nun die Grenze zwischen Laos und Kambodscha offen sei, meinte er nein, aber mit zehn Dollar könne ich die Zöllner bestechen, das sei kein weiteres Problem. Wieso nicht, wenn man diese Auskunft von so offizieller Stelle bekommt? Allerdings habe ich dann ein paar Tage später eine Israelin getroffen, die meinte, dass die Einreise tatsächlich kein Problem sei. Schwieriger (und auch teurer) wird’s dann bei der Ausreise, weil man ja keinen offiziellen Stempel bekommen hat. So werde ich dann wohl den Umweg über Thailand machen, wo ich vielleicht auch das eine oder andere Souvenir zwischenlagern kann.

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