Monthly Archives: August 2000

Kuantan, 29.8.2000

Liebe Freunde,

ich dachte, dass nun mal langsam wieder die Zeit gekommen sei, mich aus der östlichen Welt zu melden. Ich befinde mich momentan an einem Ort, von dem ich nicht so genau weiß, wie er heißt, aber er ist an Malaysias Ostküste (so was ähnliche wie Kuatang) und etwa auf der gleichen Höhe wie Kuala Lumpur, welches ich gestern blitzartig verlassen habe, nachdem sich am Morgen die Indizien gehäuft haben, dass das Bett in einem nicht geheimdienstlichen Sinne verwanzt ist. Nicht so schlimm, juckt nur ein bisschen, aber ist halt eklig

Die Petronatürme in Kuala Lumpur

Gestern verbrachte ich den Tag (der interessanterweise der erste Frauentag Malaysias ist) im KLCC. Das ist ein gigantisches Einkaufszentrum gerade unter den weltberühmten Zwillingstürmen (die Malaien haben diese Türme gebaut und fanden dann, dass sie das höchste Gebäute der Welt seien. Doch die Amis wollten sich ihren Searlstower nicht nehmen lassen und erklärten die Antenne auf dem Dach für ungültig. Dieser Streit kam schließlich vor den Concil of High Buildings (so was gibts tatsächlich!), die dann die höchsten Gebäude in vier Kategorien teilten. Das Resultat davon ist, dass die Twintowers nur in einer Kategorie am höchsten sind – beindruckend trotzdem) Jedenfalls versammelten sich Tausende verschleierte Frauen auf dem Platz und forderten die Gleichberechtigung. Ich habe dann mit einer gesprochen und ich hatte schlussendlich nicht den Eindruck, dass die Frauen hier (für ein islamisches Land) stark unterdrückt werden. Auch die Schleierpflicht wird lasch gehandhabt (wenngleich man an der konservativen Ostküste mehr verschleierte Frauen sieht). Sonst zeigt sich die Verschleierungspflicht an den Grenzen, im McDonalds (die haben einen blauen Schleier mit einen M drauf) und so weiter.

Melacca, 22.8.2000

Hallo Ihr!

ich bin hier in Malaysia, wo die Internetcafes noch günstiger sind als in Singapur. Deshalb gleich die nächste Mail. Die Stadt, in der ich mich derzeit befinde, heißt Melacca (unten links, knapp südlich von Kuala Lumpur, falls ihr den Ort auf der Karte sucht). Es ist sehr schön hier. Ich bin in einem  Hotel gelandet, das von einer netten islamischen Familie geführt wird. Ich muss aber immer die Schuhe ausziehen, wenn ich reingehe. Immerhin ist es recht preiswert, nur 15 Ringit… Nun müsst ihr selber rausfinden, wie unglaublich wenig das ist.

Das historische Zentrum von Melakka stammt noch von der holländischen Kolonialzeit

Die Fahrt hierher war ziemlich schräg. Sobald ich über die Grenze kam, hatte ich urplötzlich ganz viele „Freunde“, die mir helfen wollten, das richtige Busticket hierher zu kaufen. Einer hat mir dann ein Ticket nach Kuala Lumpur angedreht, obwohl ich ihm klar gesagt habe, dass ich nur bis Melacca will. Wenn ich den Fahrer nicht noch einmal gefragt hätte, wäre ich jetzt in KL, was ja auch nicht ganz so schlimm gewesen wäre. Als ich mich beschwerte und die 22 Ringit zurückforderte, gab er mit eine 10er-, eine 5er- und 3 2er- Noten heraus. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich mich daraufhin entschloss, eine andere Busgesellschaft zu berücksichtigen.

Singapur, 9.8.2000

Liebe Zurückgebliebenen,

Ansicht von Singapur

ich hoffe, dass ihr euch über diese Anrede nicht zu sehr stört, da sie eigentlich nicht die immer wieder erwähnte Arroganz mancher Traveller beschreiben, sondern einfach eine geographisch bedingte Begrüßung darstellen soll, mit der ich andeuten will, dass ich wieder unterwegs bin. Wie ihr dem Titel ersehen konnten, befinde ich mich momentan in Singapur. Das ist eine 3 Mio. Stadt, nur gerade 100km nördlich des Äquators. Ich habe mir vorgenommen, auf eines der vielen Hochhäuser zu steigen, dann kann ich ihn von dort aus vielleicht erkennen.

Zur Stadt: sie hat den Ruf, sehr sauber und reich zu sein. In Wirklichkeit sieht sie ein bisschen aus wie jede Stadt, einfach ein bisschen moderner. Statt des eigentlich fast obligatorischen Altstädtchen reihen sich hier Hochhäuser aneinander. Singapur ist definitiv keine schöne Stadt, aber es gibt eine Menge Naherholungsparks und der Strand ist von überall sehr nah. Doch bei einer Insel erstaunt das kaum.

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