Monthly Archives: Oktober 1998

Mexico D.F., 18.10.98

Liebe Leute,

Tenochtitlan

Tenochtitlan

ich befinde mich wieder in Mexico City, wo ich die letzten Tage recht untätig verbrachte. Grösstenteils war ich in meinem Hotelzimmer und las Bücher, welche ich mir in Mexico grossartigen Antiquariaten kaufte. Es ist erstaunlich, dass es in Mexico eine Strasse gibt, an der ein Antiquariat neben dem andern steht und die sogar beinahe antike deutschsprachige Bücher verkaufen. Aber die Stadt habe ich mir trotzdem angesehen. Intessant war das Haus Trotzkijs, welcher hier vor ein paar Jahren von Stalins Agenten mit einem Eispickel ermordet worden war. Davor befindet sich übrigens ein Museum für Jugendkultur, wo höchst seltsame Sachen ausgestellt wurden.

Massentourismus auf den Pyramiden von Mexiko

Die grösste Enttäuschung waren jedoch die Schwimmenden Gärten von Xochimilco. Wenn ich gewusst hätte, was mich dort erwartete, wäre ich nie dort rausgefahren. Aber im grossen und ganzen gefällt mir die Stadt recht gut. Schöne alte Häuser und Kirchen prägen das Stadtbild. Mit der modernen Ubahn findet man sich überall zurecht und dass man sich in der grösste Stadt der Welt befindet, das merkt man höchstens an der Luft, die wirklich nicht sehr viel taugt.

Nachher werde ich mir noch die Ruinen von Tenochtitlan anschauen, damit wäre dann meine Reise beendet, denn am Abend muss ich mich wieder auf den Flugplatz begeben, weil dann mein Flugzeug geht.

Viel mehr muss ich nun nicht mehr erzählen, da wir uns ja bald wieder sehen.

liebe Grüsse, oliver

Xalapa, 12.10.98

Liebe Freunde,

nun bin ich halt wieder bei Hannes in Jalapa angekommen; dadurch fühle ich mich irgendwie heimisch: kein unangenehmes Gefühl.

Die Tage zuvor war ich in Oaxaca, wo es mir recht gut gefallen hat. Allerdings habe ich mir dort recht wenig (im Verhältnis) angeschaut. Insbesondere halt das im letzen Mail erwähnte Monte Alban, wo man an allen Ecken „echte Antiquitäten“ zu echt überrissenen Preisen kaufen konnte. Die Gegenstände wären ja eigentlich ganz schön gewesen, wenn sie einem nur nicht hätten angeben wollen, dass ihr Sachen  echt sind. Das besondere an dieser Tempelanlage ist, dass sie auf einem Berg liegt, dessen Spitze weiträumig abgetragen wurde, um oben eine grosse Fläche zu erhalten. Angesichts der Grösse ein sehr eindrückliches Unterfangen.

Per Pferd in das nächste Dorf

Nach dem zweistündigen Ausritt konnte ich zwei Tage lang nicht mehr richtig laufen

Der Grund, weshalb ich mir recht wenig angeschaut habe, ist, dass ich in einem Körperteil, den ich hier nicht näher umschreiben möchte, noch immer rechte Schmerzen hatte. Die stammen noch davon, dass ich mich im Chiapas zu einem Caballero gemacht habe. Das heisst, ich bin hoch zu Pferd in ein Indianerdorf geritten. Nur war das Problem dabei, dass dieses  etwa 5km entfernt lag und ich die Strecke grösstenteils in der angeblich schlimmsten Gangart (dem Trab) zurücklegte, wobei ich bei jedem Schritt gegen den Sattel stiess. Ich werde nun wohl eine Weile nicht mehr reiten.

Ein anderes war, dass ich in Oaxaca dieses Mescal versucht habe. Das ist ein Schnapps, welchen hier alle trinken. Einen wirklich echten Mescal erkennt man an einer Besonderheit: es schwimmt ein Wurm drin, welchen die Kenner als das beste der ganzen Flasche bezeichnen. Den Wurm habe ich  nicht versucht. Wie es dazu kam, dass ich als gewissenhafter Nicht-Alkoholkonsument das versucht habe? Eines Nachmittages erzählte ich dem Rezeptionisten meines Hotels, dass ich einen komischen Magen habe. Er meinte, er hätte was dagegen und holte eine Mineralwasserflasche unter der Theke hervor und schütte mir ganz wenig in einen Becher. Das solle mir die Magenprobleme nehmen, meinte er und schob mir den Becher zu. Ich nahm einen Schluck und starb dabei fast. Als ich ihn fragte, gab er an, dass dies 80%iger Schnapps gewesen wäre. Aber es hatte seinen Zweck nicht verfehlt: Mit brannte danach der Hals so sehr, dass ich mir über den Magen keine Gedanken mehr machte.

Hannes und Fabienne zuhause

Hannes und Fabienne zuhause

Gestern war ich noch in Puebla. Dort habe ich in einem CD-Laden eine Studenten kennengelernt, der mich zu einem Gothic-Literatur-Zirkel mitgenommen hat. Dort lasen sie zum Klang von Lacrimosa Edgar Allan Poe. Ich musste sogar vor den etwa 15 Leuten eine kleine Rede auf Spanisch halten (war über mich selbst erstaunt, dass ich das hinbekam) und deutsche Gedichte vorlesen, die sie so wundervoll grausam fanden. Mit einem von ihnen, der Germanistik studierte (aber keinen deutschen Satz rausbrachte, doch die ganze Grammatik intus hatte), disktuierte ich die halbe Nacht über Nietzsches Ansicht zum Willen zur Macht und über Musik. Als ich dann um sechs Uhr früh ins Hotel kam, hatte der Portier nicht gerade Freude an mir.

Ihr seht also, dass es mir hervorragend geht und dass ich viel erlebe. Traurig stimmt mich nur, dass ich schon bald wieder heim muss.

viele Grüsse, Oliver

Oaxaca, 6.10.98

Hi Leute,

für alle, die es noch nicht anscheisst (upps, entschuldigt das Wort) gebe ich wieder einmal meine Koordinaten durch. Ich befinde mich momentan in Oaxaca, einem wirklich hübschen Kolonialstädchen. Das Wetter ist (weil Nachmittag) ein bisschen regnerisch, aber mit 25° eigentlich von der Wärme her sehr angenehm.

Kinder in San Christobal

Kinder in San Christobal, Chiapas

Morgen werde ich mir wieder einmal ein paar Steinhaufen (man nennt diese im Fachjargon Zona Archeologica de Monte Alban) und dann in ein paar Tagen weitersehen. Eine langsame Rückreise via Puebla und Xalapa ist geplant. Mal sehen…

Von Panajachel bin ich im Eiltempo durch den Norden Guatemalas gereist. Ich übernachtete nur einmal in Chichicastenengo und Quetzaltenango. Die Landschaft war wunderschön. Liebliche kleine Hügel. Allerdings war es mir nicht sehr wohl, weil ich gehört habe, dass diese Gegend gefährlich sei und das amerikanische Aussenministerium empfiehlt, diese Route nicht zu nehmen. Aber wir wissen ja alle, wie wenig diese amerikanischen Infos wert sind, deshalb nahm ich diese Route trotzdem. Passiert ist mir natürlich nichts, aber es war schon seltsam, wie wir an mehreren ausgebrannten Bussen vorbeifuhren. Ich fragte mich da immer, was wohl passiert war. Vor allem Quetzaltenango war eine recht schöne Stadt aber nachts unheimlich kalt. Ich traf hier oben keinen einzigen Touristen, was ich mit einer Mischung aus Wohlwollen aber auch Skepsis aufnahm. Am nächsten Tag über die Grenze nach Mexico zurück, wo mir der Döddel an der Grenze nur ein 10 Tage Visum gab, obwohl ich ihm erklärte, dass das Visum meiner ersten Einreise noch weiter mehr als 10 Tage gegolten hätte und dass mein Flugzeug in zwölf Tagen ginge. Nichts zu machen: ich solle das Visum irgendwo verlängern. Naja!

Unter übermässiger Militärpräsenz ging es durch den Chiapas nach San Christobal. Ein recht nettes Städtchen, wo ich mich mit der Rezeptionistin der Jugendherberge anfreundete und mit ihr Billard spielen ging. Einmal ritt ich sogar in ein nahegelegenes Dort. Obwohl ich furchtbare Angst auf dem Pferd hatte, trieb der Junge, welcher mitkam, das Pferd in den Galopp… zum Glück kann man sich dort oben am Sattelknauf festklammern.

Nach ein paar Tagen fuhr ich dann nach Oaxaca weiter. Es beginnt mich langsam zu beengen, dass ich nur noch etwas mehr als eine Woche habe und mir noch so viele Sachen gerne ansehen würde. Das schöne daran ist ja, dass man sich die Option offen hält, noch einmal zu gehen, wenn man nicht alles gesehen hat.

In dem Sinne, schönen Abend, oliver

Behalte mich mit Facebook im Augeschliessen
Powered by LikeJS
oeffnen
Dies ist der Footer Code